https://www.faz.net/-gwz-94e76

Alles im grünen Bereich : Eine Winterkur für den Acker

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Der traurigste Anblick, den diese Jahreszeit bietet, ist der von nackter Erde. Von Natur aus ist so ein Zustand gar nicht vorgesehen.

          Wenn es sich nicht gerade um Wüste handelt, wächst immer irgendwas. Nackten Boden gibt es erst, seit der Mensch den Pflug erfunden hat. Und dann musste er sich noch Tausende von Jahren mit dem Problem herumschlagen, dass da innerhalb kurzer Zeit wieder keimte, was er nicht haben wollte. Im 1. Buch Mose hat sich das eindrucksvoll niedergeschlagen: „Verflucht sei der Acker, mit Kummer sollst du dich davon nähren, Dornen und Disteln soll er dir tragen.“

          Paläobotaniker haben diese Angabe präzisiert. Bis zum Beginn der Neuzeit waren Gänsefuß, Winde, Quecke, Rainkohl, Trespe, Labkraut, Ampfer und diverse Gräser ebenso treue wie gehasste Begleiter der Landwirtschaft. Manche passten sich im Laufe der Zeit derart geschickt an die Kulturpflanzen an, dass man sie kaum noch auseinanderhalten konnte; Kornrade und Hühnerhirse sind Beispiele für solche „crop mimetics“.

          Heute hat der Bauer seinen Maschinenpark und seinen Fachberater, der ihm die passenden Spritzmittel ans Herz legt. Sauber pflügt er sein Feld bis zum Rand und sorgt dafür, dass kein unerwünschtes Kraut mehr sprießt. Was zur Folge hat, dass sich auch keine Lerche mehr blicken lässt. Von Bienen und anderen Insekten ganz zu schweigen. Das Lamento darüber ist nicht ganz neu, aber seltsamerweise erst vor kurzem laut und deutlich durch die Medien gegangen.

          Das Zauberwort lautet „Zwischenfruchtanbau“

          Dabei gibt es durchaus Bemühungen, den Ackerbau umweltfreundlicher zu gestalten. Zur „guten fachlichen Praxis“ gehört inzwischen auch, den Naturhaushalt nicht gänzlich durcheinanderzubringen. Es liegt ja auch im ureigensten Interesse des Landwirts, die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten und dafür zu sorgen, dass er ihm im Winter nicht davongespült wird. Wie das aussieht, kann man jetzt studieren, wenn man übers Land fährt: Traktorspuren, in denen sich der Niederschlag sammelt, Mulden, in denen wochenlang das Wasser steht, verschlämmte Felder und braune Brühe, die vom Acker in die Entwässerungsgräben rinnt. Nach Starkregen und in Hanglagen können dabei Hunderte Tonnen Erdreich fortgeschwemmt werden.

          Eine bewährte Methode, das zu verhindern, besteht darin, den Acker nach der Ernte im Sommer oder Herbst wieder zu begrünen. Wo kein Wintergetreide ausgesät wird, bieten sich der Anbau von Zwischenfrüchten an. Das kann Ölrettich sein, Winterraps, Senf, Phacelia, Alexandrinerklee oder Buchweizen – alles Pflanzen, die bei Frost abfrieren und dadurch eine Mulchdecke bilden, die das Erdreich schützt. Im nächsten Frühjahr kann dann in vielen Fälle direkt zwischen die Pflanzenreste gesät werden, ohne dass der Boden mit dem Pflug umbrochen werden muss. Allenfalls kommt noch der Grubber zum Einsatz.

          Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Bearbeitung des Erdreichs in Form von Mulchsaat zuverlässig der Erosion vorbeugt, die Bodenstruktur und den Wasserhaushalt stabilisiert, Nährstoffe festhält, das Bodenleben schont und die Humusbilanz verbessert. Im Grunde genommen ist es das, was auch dem Gärtner immer wieder gepredigt wird: im Herbst nicht umzugraben, die Blätter liegen zu lassen, eventuell eine Gründüngung einzusäen und nicht unnötig auf den Beeten rumzulatschen, wenn die Erde quatschnass ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Umtriebiger Minister: Jens Spahn

          Bundesgesundheitsminister : Jens Spahn demonstriert seine Macht

          Der Gesundheitsminister bringt am Mittwoch drei Gesetzentwürfe ins Kabinett ein – und will auf die Schnelle noch zwei Behörden fusionieren. Der CDU-Politiker demonstriert seine Macht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.