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Alles im grünen Bereich : Ein Kraut für alle Fälle

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Im Garten wächst nie das, was man haben will. Dafür hat das, was sich durchsetzt, oft ganz unerwartete Eigenschaften.

          Seit Jahren mühe ich mich damit ab, eine Ecke auf meinem Grundstück als Steingarten zu gestalten. Die Sonne knallt dort hin, wie es sein soll, ich habe auch schon etliche Fuhren Sand und Kies hingekarrt, allein, es will nichts werden. Die Blaukissen, die beim Nachbarn unverschämt wuchern, geben nach einer Saison den Löffel ab. Grasnelken verkahlen, Schleifenblumen werden von Gräsern überwuchert. Nur ein Gewächs hat sich durchgesetzt. Allerdings nicht so, wie geplant.

          Aus einem Blumentopf, der weiter nicht beachtet wurde, hat sich langsam, aber unaufhaltsam das Bohnenkraut davongemacht. Und zwar nach nebenan auf die Treppe. Dort findet es nur ein paar Ritzen, in denen es sich festkrallen kann. Aber das reicht, um ganze Polster hervorzubringen.

          Das Kraut verströmt seinen typisch durchdringenden Duft und blüht zum Entzücken von Bienen und Hummeln im Frühsommer wie verrückt. Den Winter übersteht es locker, ein Beweis dafür, dass es sich um das mehrjährige Berg-Bohnenkraut Satureja montana handelt und nicht um das einjährige Echte Bohnenkraut Satureja hortensis. Die Meinungen gehen auseinander, ob man es im Frühjahr stutzen soll, ich habe das bislang gelassen und immer nur so viel abgeschnitten, wie ich in der Küche brauche.

          Bohnenkraut passt natürlich zu Bohnen. Aber auch zu Robbe und Stachelschwein

          Wozu? Nun, natürlich für grüne Bohnen. Ein norddeutscher Eintopf mit Birnen, Bohnen und Speck ist ohne Bohnenkraut gar nicht denkbar. Auch in den Kräutern der Provence, die auf dem Gewürzbord vor sich hin stauben, ist das Zeug fast immer drin. Diese Mischung stammt übrigens zum größten Teil nicht aus Südfrankreich, sondern vom Balkan, wo das Berg-Bohnenkraut gern verwildert und mit seinem zähen Überlebenswillen dazu beiträgt, dass die Karsthänge nicht noch mehr erodieren.

          Bohnenkraut, und zwar das einjährige, gehört traditionell in den Fricot. Das ist ein Eintopf, der zum beinahe vergessenen kulinarischen Erbe der französischen Siedler gehört, die sich im 17. Jahrhundert in der damaligen Kolonie Akadien im Nordosten Neuenglands niedergelassen hatten und dort von den Briten vertrieben wurden. Die Akadier warfen neben Kartoffeln alles Mögliche in den Topf, darunter auch Stachelschwein oder Robbenfett, da war ein kräftiges Gewürz schon ein Segen. In der Frankfurter Villa Merton, die den vornehmen Union International Club beherbergt, peppte der Sternekoch Matthias Schmidt eine Zeitlang seinen Grünkohl mit gestockter Ziegenmilch und dem grünen Saft vom Bohnenkraut auf; den Clubmitgliedern aber war das bald zu viel des Guten, und man ging getrennte Wege.

          Was sonst noch im Bohnenkraut steckt, war bereits Gegenstand diverser pharmakologischer Studien. Von jeher wird ihm ein segensreicher Einfluss auf die Verdauung nachgesagt, insbesondere soll es helfen, Flatulenzen zu bekämpfen. Ein Übersichtsartikel über seine weiteren nützlichen Eigenschaften kam vor einiger Zeit zu dem Schluss, dass manche Satureja-Arten besonders gut gegen Entzündungen wirken. Verantwortlich dafür ist der Inhaltsstoff Carvacrol, der auch in Thymian, Oregano oder Katzenminze enthalten ist. In der Volksmedizin gilt das Sommer-Bohnenkraut außerdem als Aphrodisiakum, während das Winter-Bohnenkraut die Lust dämpfen soll. Das muss aber erst noch untersucht werden.

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