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Alles im grünen Bereich : Der Gnom in meinem Garten

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Manchmal überkommen den Gärtner die Zweifel, ob es noch mit rechten Dingen zugeht in seinem Garten. Am besten, man macht es den Isländern nach und sieht das ganz entspannt.

          Zeitungsarchive sind für den Journalismus Segen und Fluch zugleich. Was sich dort einmal eingenistet hat, wird wieder und wieder hervorgezerrt, sei es nun wahr oder erstunken und erlogen. So zum Beispiel die Geschichte von der isländischen Elfenbeauftragten Erla Stefánsdóttir, die schon den Bau mancher Straße und manches Gebäudes auf der Insel verhindert habe.

          Erla Stefánsdóttir, 2015 im Alter von achtzig Jahren verstorben, war eine Klavierlehrerin, die nach eigener Auskunft von Kindesbeinen an mit dem Zwergen- und Feenvolk vertraut war. Zum amtlich klingenden Titel verhalf ihr erst der Berliner Universalkünstler Wolfgang Müller, der sie Ende Dezember 1995 den Lesern der Frankfurter Rundschau vorstellte. Seitdem ist kaum ein Bericht über Island erschienen, der diese Quisquilien nicht nacherzählt. „Fachfrau für Fabelhaftes“, taufte sie der Spiegel. Speziell in Deutschland fiel die Mär vom staatlich anerkannten Geisterglauben auf fruchtbaren Boden, es setzte ein regelrechter Elfentourismus ein.

          Im Zweifelsfall muss die Straße weichen

          Die Isländer selbst sehen die Sache entspannt. Für sie gehört das unsichtbare Volk wie andere überlieferte Geschichten und Sagen zum kollektiven Kulturgut. Wenn ein Merkmal im Gelände daran erinnert, soll es nach Möglichkeit nicht zerstört werden. Im Zweifelsfall macht eine Straße dann einen Bogen oder bleibt ein Felsgrundstück unbebaut. Achtzig Prozent der Bevölkerung glauben gemäß Umfragen sowieso nicht an Elfen oder Trolle, streiten deren Existenz aber auch nicht kategorisch ab.

          Das finde ich eine pragmatische Haltung. Ich würde zum Beispiel nicht ausschließen, dass sich in meinem Garten der eine oder andere Gnom herumtreibt. Diese Erdgeister spielen im Werk von Joanne K. Rowling eine gewisse Rolle. Sie hausen in Bodenlöchern, nagen Pflanzenwurzeln ab und werfen hier und da störende Erdhügel auf. Wenn das überhandnimmt, muss man den Garten entgnomen – eine Strafarbeit, die bei den Weasley-Brüdern äußerst unbeliebt ist. Man packt die Gnome dabei an den Fußgelenken, wirbelt sie einige Male umher und schleudert sie so weit weg, wie es geht, denn dann finden sie vorerst nicht mehr zurück.

          An der Intelligenz der Gnome scheiden sich die Geister

          Nach allgemeiner Expertenmeinung sind Gnome nicht besonders intelligent. Doch es gibt auch abweichende Befunde, nach denen sie mit großer Weisheit und enormen magischen Kräften ausgestattet sind. In der Zeitschrift „Der Klitterer“ ist dazu ein Aufsatz erschienen, in dem behauptet wird, der Biss eines Gnoms könne ungeahnte Fähigkeiten verleihen, wie etwa das Absingen ganzer Opern oder das Rezitieren auf Meerisch, was über Wasser gesprochen unerträglich klingt, sich unter Wasser aber ganz passabel anhört. Der Autor, ein gewisser Xenophilus Lovegood, hat darüber hinaus eine Reihe von Gartengeistern wie den Schlibbrigen Summlinger, den Schrumpfhörnigen Schnarchkackler und den Heliopathen beschrieben, deren Existenz von der orthodoxen Fachwelt jedoch beharrlich geleugnet wird.

          So ist das bei übersinnlichen Phänomenen: Mit den schnöden Methoden der Naturwissenschaft lassen sie sich nicht nachweisen. Was sie im eigentlichen Sinne aber noch nicht widerlegt. In einer Parallelwelt könnte es durchaus zugehen wie bei Harry Potter. Wenn nicht, wäre das irgendwie schade.

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