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Alles im grünen Bereich : Der Fortschritt ist eine Schnecke

Bild: Charlotte Wagner

Ohne grüne Gentechnik wird der Mensch künftig nicht mehr satt, heißt es. Was hat sie bislang gebracht?

          Zum Jahresanfang lag die Zahl der heute lebenden Menschen bei knapp 7,7 Milliarden. Wie stark die Weltbevölkerung in Zukunft noch steigen wird, lässt sich nicht genau sagen – Schätzungen zufolge könnte sie sich irgendwo zwischen elf und zwölf Milliarden einpendeln. Wie bekommt man die alle satt? Ökofreunde und Agraringenieure geraten sich da augenblicklich in die Wolle. Pro und contra grüne Gentechnik verläuft die Glaubensfront.

          In der Praxis sieht das heute so aus: Gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen nach Angaben des International Service for the Acquisition of Agribiotech Applications bereits auf 185 Millionen Hektar, das entspricht gut zehn Prozent des nutzbaren Ackerlandes. Zur Hälfte wird Gensoja angebaut, knapp ein Drittel entfällt auf Genmais und ein Siebtel auf Genbaumwolle. Soja und Mais wandern größtenteils ins Tierfutter, dienen also vorwiegend der Fleischproduktion. Der gentechnische Vorsprung, den sie gegenüber konventionellen Züchtungen besitzen, besteht darin, dass sie von sich aus ein Insektengift namens Bt-Toxin produzieren, das der Bauer dann nicht mehr spritzen muss. Oder sie sind resistent geworden gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das der Bauer dann jederzeit auf dem Feld ausbringen kann. Zusammengenommen ist das noch kein wirklicher Beitrag zur Lösung des Welternährungsproblems; eine echte Ertragssteigerung wird nicht erreicht, und auf dem Umweg über die Tiermägen gehen erhebliche Mengen an Eiweiß verloren.

          Theoretisch verspricht die Technik alles. Das allerdings schon seit vierzig Jahren

          In der Theorie kann grüne Gentechnik sehr viel mehr. Sie verspricht Pflanzen, die sich mit dem Stickstoff aus der Luft düngen, die selbst auf versalzenen oder trockenen Böden wachsen und dabei auch noch reichere Ernten bringen.

          Das verspricht sie freilich schon seit mehr als vierzig Jahren. Wenn man mich fragt, würde ich keine allzu großen Wetten darauf abschließen, dass irgendeines dieser Versprechen in naher oder auch nur absehbarer Zukunft in Erfüllung geht. Das steht scheinbar im Widerspruch zu den Nachrichten, die Woche für Woche aus den Labors dringen. Doch was im Labor klappt, muss noch lange nicht im Freiland und schon gar nicht auf dem Weltmarkt funktionieren. Und falls doch, handelt man sich damit höchstwahrscheinlich Nebeneffekte ein, die den Erfolg wieder in Frage stellen.

          Was hat die grüne Gentechnik dem Verbraucher bislang gebracht? Eine Zeitlang konnte man in den Vereinigten Staaten Tomaten der gentechnisch veränderten Sorte ’Flavr-Savr‘ kaufen, die angeblich reifen konnte, ohne matschig zu werden; ganz so stimmte das nicht, in den Geschäften blieb sie ein Flop, und so wurde sie 1997 wieder vom Markt genommen. Die australische Firma Florigene hat Nelken im Angebot, die von der Farbe her ins Blaue tendieren, weil ihnen ein Gen für den Farbstoff Delphinidin eingepflanzt wurde; in Deutschland dürfen sie zwar nicht angepflanzt, aber immerhin als Schnittblumen verkauft werden. In Kanada wachsen neuerdings „arktische Äpfel“, die sich nach dem Schälen nicht braun verfärben; dasselbe lässt sich allerdings auch vom ’Heuchelheimer Schneeapfel‘ sagen, der um 1900 herum in einer hessischen Gemeinde als Zufallssämling entstanden ist. Das alles bestätigt nur die alte Binsenweisheit: Der Fortschritt ist meistens eine Schnecke.

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