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Alles im grünen Bereich : Das Beste kommt noch

  • -Aktualisiert am

Alles im grünen Bereich: Das Beste kommt noch Bild: Charlotte Wagner

Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Auch für eine Gartenkolumne. Ich mache nun Schluss damit. Dank an die Leser für Lob und Kritik, es war mir ein Vergnügen.

          Genau 345 Mal habe ich hier über dies und jenes berichtet, was mir im Garten auf- und eingefallen war. Anfangs hieß die Kolumne „Alles im grünen Bereich“. Ich hatte den Slogan bei einer Frankfurter Gartenbaufirma geklaut. Dann bekam die Zeitung ein neues Layout. Die Grafik fand, dass „Alles“ zu lang sei, so wurde es gestrichen. Und nun mache ich ganz Schluss damit. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, heißt es. Und noch bevor die Leute fragen, ob es nicht so langsam Zeit ist.

          Wie kommt man dazu, über Gärten zu schreiben? Jedenfalls nicht wie die Jungfrau zum Kind. Ohne Dreck unter den Fingernägeln wird das nichts. Bei mir kam der Ehrgeiz hinzu, nicht immer für bare Münze zu nehmen, was man überall lesen kann. Dass es zum Beispiel ein Kinderspiel sei, seinen Jahresbedarf an Salat aus dem eigenen Garten zu decken. Dass man unter freiem Himmel die besseren Tomaten erntet. Oder dass die Wühlmaus kapituliert, wenn man ihr Knoblauchzehen in die Gänge steckt. Was Großvater angeblich noch wusste, wollte ich hinterfragen. Und weil die Kolumne im Wissenschaftsressort erschien, sollte es Hand und Fuß haben. Also möglichst qualifizierte Studien dazu geben. Das ließ sich nicht immer durchhalten. Man glaubt gar nicht, wie wenige Untersuchungen es zu der Frage gibt, ob Kaffeesatz gut für Rosen ist. Behauptet wird es oft, erforscht so gut wie nie (Linda Chalker-Scott von der Washington State University in Puyallup hat sich immerhin mal die Mühe gemacht; sie empfiehlt, ihn allenfalls in dünnen Schichten über den Komposthaufen zu streuen). Soll man Vögel auch im Sommer füttern? Pflaumenbäume auslichten? Darf man bei praller Sonne gießen? Manchmal konnte ich darauf eine Antwort finden, manchmal nicht.

          Es hat sich einiges getan in den Köpfen der Deutschen

          Im Jahr 2012, als ich mit dieser Kolumne begann, gaben die Deutschen erstmals mehr Geld für Gartengestaltung aus als für Backwaren. Parallel dazu stieg die Auflage der Zeitschrift Landlust auf über eine Million Exemplare. Etwa zur gleichen Zeit begannen die Leute wie blöd Geländelimousinen zu kaufen. Das eine wie das andere zeigt, dass Theorie und Praxis oftmals auseinanderklaffen. Aber wer hätte vor sieben Jahren schon damit gerechnet, dass mehr als eine Million Menschen in Bayern ein Volksbegehren unterzeichnen würden, um die Bienen zu retten? Oder dass die Grünen einmal in den Umfragewerten an der Dreißig-Prozent-Marke kratzen? Dass Schüler zu Hunderttausenden für den Klimaschutz auf die Straße gehen und der Aktienkurs der Firma Bayer sich halbiert, weil das Unternehmen nicht vom Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat lassen will? Es hat sich einiges getan in den Köpfen, und das ist auch richtig so.

          Was wirst du tun, wenn du in Rente bist, fragen Freunde und Kollegen. Ich werde weiter in den Garten gehen und beim Werden und Vergehen helfen. Gärtnern heißt ja gerade nicht, der Natur ihren Lauf zu lassen. Es ist der Versuch, sie nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, ohne dass sie dabei Schaden nimmt. Beobachten ist wichtiger als das Abarbeiten von Plänen, und mit Überraschungen muss man jederzeit rechnen. „Das Beste kommt noch“ hat Karel Čapek die Grundüberzeugung des Gärtners beschrieben. Das betrifft genauso die Welt jenseits des Zauns, die man nie aus den Augen verlieren sollte. In diesem Sinne: Keep on!

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