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Alles im grünen Bereich : Da steckt man nicht drin

Bild: Charlotte Wagner

Was im Boden von sich geht, ist nicht leicht zu sagen. Schon gar nicht, wer da alles wohnt.

          Vergangene Woche war hier die Rede von „effektiven Mikroorganismen“. Eingeweihte Kreise nennen sie kurz EM und verstehen darunter einen Mikrobenmix, der helfen soll, den Boden und damit das Pflanzenwachstum zu stimulieren. Der Japaner Teruo Higa, Erfinder der besagten Methode, hat in einer Patentschrift aus dem Jahre 1989 spezifiziert, um welche Arten es sich dabei handeln soll. Grob gesagt, handelt es sich um vier Gruppen, nämlich Photosynthesebakterien, Milchsäurebakterien, Actinomyceten und Hefen.

          Die Mischung mutet etwas seltsam an, denn Bakterien, die Photosynthese betreiben, schaffen dies nur in Abwesenheit von Sauerstoff. Auch Actinomyceten wachsen vorzugsweise anaerob, etliche von ihnen sind pathogen und verursachen fiese Krankheiten wie beispielsweise die sogenannte Farmerlunge, die durch Kontakt mit verschimmeltem Heu ausgelöst werden kann. Milchsäurebakterien wiederum sind, wie der Mikrobiologe sagt, fakultativ anaerob, aber meist aerotolerant, das heißt, sie kommen sowohl ohne als auch mit Sauerstoff klar. Entsprechend sind sie auch überall zu finden, vom menschlichen Darmtrakt über zersetzendes Pflanzenmaterial bis zur Milch ist ihnen jedes Milieu recht. Hefezellen schließlich leben von Zucker, den sie in Anwesenheit von Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser veratmen und in Abwesenheit zu Alkohol vergären.

          Ein Mikrobenmix soll den Garten sanieren. Bloß wie?

          Aus mikrobiologischer Sicht passt das nicht recht zusammen. Kein Lebensraum würde allen diesen Mikroben gleichermaßen die passenden Bedingungen bieten. Der EM-Trick nach Teruo Higa besteht nun darin, als Trägersubstanz ein Gemisch zu verwenden, das mit porösem Zeolith-Material versetzt ist. In dessen Poren sollen sich die verschiedenen Bakterien und Hefen der Theorie zufolge in friedlicher Nachbarschaft einrichten und vermehren können, wobei ihnen ein Brei aus Melasse als Nahrung dient. Wie sie es von da aus allerdings schaffen sollen, das benachbarte Erdreich und irgendwann den ganzen Garten zu besiedeln, bleibt weitgehend der Phantasie überlassen.

          Es hat in der Praxis auch noch niemand nachweisen können, dass das Ausbringen von EM irgendeinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Mikrobesiedlung des Bodens hätte. Ein gewisser Düngereffekt wurde, wenn überhaupt, nur beobachtet, wenn das Zeug in Form von „Bokashi“, also zusammen mit halbverrotteten organischen Abfällen, vergraben wurde. Ganz gewöhnlicher unreifer Kompost täte es demnach auch. So gesehen, sind effektive Mikroorganismen nur eine weitere Spielart der anthroposophischen Lehre, die besagt, dass beim Wachsen und Gedeihen unsichtbare und mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbare Kräfte am Werk sein müssen.

          Wer freilich glaubt, die exakte Wissenschaft sei hier wesentlich weiter, ist ebenfalls auf dem Holzweg. Der Boden unter unseren Füßen ist noch weitgehend terra incognita. Amerikanische Biologen haben das einmal am Beispiel des New Yorker Central Park demonstriert. Oberirdisch konnten sie 393 verschiedene Pflanzenarten identifizieren, 250 Arten von Wirbeltieren und 100 Wirbellose. Das war nichts, verglichen mit dem, was sie in Bodenproben fanden. Dort tummelten sich mehr als 120.000 genetisch unterscheidbare Archaebakterien und Bakterien. Beschrieben und benannt sind in der Mikrobiologie insgesamt gerade mal 5000 Arten. Dazu nächste Woche mehr.

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