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Alles im grünen Bereich : Da blüht uns noch was

Bild: Charlotte Wagner

Eine bunte Blumenwiese ist der Traum des Ökogärtners. Leider bekommt man die nicht einfach so hin.

          In meinen Bemühungen, eine artenreiche Wiese zu etablieren, bin ich bislang nicht allzu weit gekommen. Zweimal im Jahr mähen und das Schnittgut fortschaffen reichen offenbar nicht. Am Ende dominiert doch immer der Bestand, den ich eigentlich beseitigen will. Das sind die dicken Horste von Glatthafer, Knäuelgras und Honiggras, die alles unterdrücken, was sonst noch hochkommen könnte. Der Pflanzensoziologe würde meine Wiese zu den Arrhenatheretalia zählen, also zu den gedüngten Fettwiesen mittlerer Lagen, die traditionell zur Heugewinnung dienen. Ich will aber kein Heu, sondern bunte Vielfalt, wie alle naiven Gärtner, die von einer Wildblumenwiese träumen.

          Vergangenes Jahr hat mir unverhofft der extrem trockene Sommer in die Hände gespielt. Nach dem ersten Schnitt im Juni gab es praktisch keinen Niederschlag und keinen großen Aufwuchs mehr. Dafür machte sich am Rand die Gemeine Schafgarbe breit. Das ist ein Kosmopolit, der fast auf allen Kontinenten zu Hause ist und gern als Pionierpflanze auf stickstoffhaltigen Böden wächst. Die Schafgarbe bildet ober- und unterirdische Ausläufer und kommt auf diese Weise flott voran; ihr Gattungsname Achillea verweist nicht von ungefähr auf den griechischen Helden, der beinahe unverwundbar war, wenn er nicht diese vermaledeite Ferse gehabt hätte. Aus Sicht des Systematikers handelt es sich bei Achillea millefolium um einen verzwickten Fall, denn diese Art bringt zahlreiche Kleinarten mit unterschiedlicher Chromosomenzahl hervor, die mit dem Kürzel agg. (für Aggregatum) zusammengefasst werden.

          Die Gemeine Schafgarbe zeigt im Sommer weiße Blütenstände, und wenn man der biodynamischen Lehre Rudolf Steiners anhängt, tut man gut daran, damit die Blase eines Rothirschs zu füllen, die eine Zeitlang in der Sonne verwesen muss, ehe man sie vergräbt und im nächsten Jahr wieder ausbuddelt, was angeblich ein ganz vortreffliches Kompostpräparat ergibt, das in homöopathischen Dosen verabreicht wird. Schafgarbe ist auch in den meisten Samenmischungen enthalten, die zur Anlage von Blühstreifen dienen, um Insekten anzulocken.

          Auch der Blühstreifen ist nicht von Dauer

          Experten der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau in Bamberg haben sechs dieser Mischungen getestet, die unter den Bezeichnungen „Schönhagener Bienenweide“, „Bingenheimer Insektenbuffet“, „Dehner Bienenweide“, „Veitshöchheimer Bienenweide“, „Riegers Feldblumenmischung“ und „Ascherslebener Insektenfreund“ im Handel sind (http:// tinyurl.com/yy7vfky6). Mitte April wurde ausgesät, zwei Monate später wurden die meisten Besuche von Bienen registriert, die sich auf die Blüten von Borretsch, Kornblume und Phacelia („Bienenfreund“) konzentrierten. Schwebfliegen, Florfliegen und andere Nützlinge stellten sich etwas später ein und bevorzugten Kornblume und Gelbe Wucherblume (Glebionis segetum).

          Im Bamberger Versuchsbetrieb hat sich auch gezeigt, dass solche Blühstreifen jedes Jahr neu ausgesät werden sollten, weil sonst die unerwünschten Beikräuter überhandnehmen. Außerdem sollte man zeitlich gestaffelt säen, um die Saison für die Insekten zu verlängern. Mein eigener Versuch mit einer speziellen Mischung für den Wiesensaum ist im vergangenen Jahr gescheitert. Ich kam mit dem Gießen nicht hinterher, die wenigen Keimlinge, die sich trotzdem zeigten, sind vor meinen Augen vertrocknet.

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