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Akku-Rohstoff : Der Schatz am Oberrhein

  • -Aktualisiert am

Schwimmt sogar in Öl: Lithium ist das leichteste der Metalle. In der Natur finden sich nur seine Salze. Bild: mauritius images / Science Sourc

Lithium braucht die Welt, wenn sie smart werden und mobil bleiben will. Heute wird das Metall vor allem aus Salzseen in den Anden gewonnen. Nun will eine Firma es in Deutschland fördern.

          7 Min.

          Lithium ist die Zukunft. Ohne Lithium wird weder die Energie- noch die Verkehrswende gelingen. Das leichteste aller unter Normalbedingungen festen Elemente soll die Welt retten, also das Klima – und die Automobilindustrie. Denn es wird dringend für Akkus der Elektroautos gebraucht, und die Nachfrage nach diesen dürfte bald stark ansteigen. Am Mittwoch hat die Bundesregierung beschlossen, Käufern ihre Anschaffung mit mehreren tausend Euro Prämie zu versüßen. Nun wird Lithium heute überwiegend in Südamerika, China und Australien gewonnen, die deutsche Industrie ist also von Importen abhängig. Obendrein reichen jene Vorkommen nicht, sollte irgendwann alle Welt elektrisch fahren. Allein achtzig Kilogramm Lithium sind in einem Tesla Model S verbaut. Auf die Automobilindustrie kommt hier ein Problem zu.

          Eine Lösung könnte eine kleine Firma bieten, die sich in Karlsruhe niedergelassen hat. „Vulcan Energie“ wurde vor zwei Jahren in Australien gegründet. Ihr Plan: im Herzen Europas Lithium zu fördern.

          Lithiumhaltiges Wasser aus der Tiefe

          Etwas versteckt in einer Karlsruher Sackgasse, gleich hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal, liegt der kleine, aber schicke Firmensitz: viel Glas, viel Minimalismus. Horst Kreuter ist Geschäftsführer und Francis Wedin Vorstandschef. Wedin stammt aus einer Bergbaufamilie, der Vater Schwede, die Mutter Engländerin. Für einen Manager im Mining-Business eher unüblich, hegt er Sympathien für Greta Thunberg. Vulcan Energie möchte Lithium fördern, ohne CO₂ in die Luft zu blasen. „Wir wollen der weltweit erste Produzent von ,Zero Carbon Lithium‘ werden“, sagt Wedin. Den Begriff hat er sich schützen lassen. Auch sonst verspricht er, das süddeutsche Lithium fair und ohne Umweltfolgen zu fördern.

          Möglich machen soll das die Geothermie. Denn in dem salzhaltigen Thermalwasser, das in solchen Anlagen an die Erdoberfläche geholt wird, steckt nicht nur Wärme, sondern auch Lithiumcarbonat. Bislang wird es zusammen mit dem Wasser, in dem es gelöst ist, zurück in die Tiefe gedrückt. „Wir wollen der Sole das Lithium entziehen, bevor es zurückgepumpt wird“, sagt Wedin. Erste Tests laufen in einer bereits bestehenden Geothermieanlage am Oberrhein.

          Demnächst Lithiummine? Das Geothermiekraftwerk in Insheim

          Das Verfahren, mit dem das Lithiumcarbonat aus der heißen Lauge gewonnen werden soll, muss sich in der Geothermie allerdings erst noch bewähren. Direkte Lithium-Extraktion nennen es die beiden Unternehmer in Karlsruhe. Es besteht aus zwei Stufen, erklärt Horst Kreuter: Zunächst wird die Sole aus dem Untergrund in einem Absorber so lange gefiltert, bis nur noch Wasser und gelöstes Lithiumsalz übrig bleiben. Anschließend wird Wasser verdampft, um die Konzentration des Lithiums zu erhöhen. Den letzten Schritt übernimmt dann ein Ionenaustauscher. Am Ende erhält man auf diese Weise Lithiumhydroxid, das direkt an die Akkufabrikanten geliefert werden kann. Neunzig Prozent des Lithiums wollen Kreuter und Wedin damit aus der Sole herausbekommen, noch in diesem Jahr soll eine erste Pilotanlage im pfälzischen Insheim in Betrieb gehen. Die Frage ist nur: Funktioniert das rentabel?

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