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Akku-Rohstoff : Der Schatz am Oberrhein

Noch dreckiger und klimaschädlicher sind primäre Lagerstätten, damit ist der klassische Bergbau gemeint. Australien, Kanada und China fördern auf diese Weise das Ganggestein Pegmatit, in dem seltene Minerale wie Spodumen enthalten sind, ein Lithiumerz. Im östlichen Erzgebirge und in einem stillgelegten Stollen in Österreich wird daher überlegt, diese Erze ebenfalls zu schürfen. Doch der Bergbau verursacht hohe Kosten und jede Menge CO₂, denn dazu muss man Gesteine aufbrechen, mahlen, erhitzen.

„Es braucht Mut, in solche Methoden zu investieren“

Dass man allerdings mit der Tiefengeothermie in absehbarer Zeit genügend Lithium fördern kann, um damit mehrere Großbetriebe zu versorgen, ist zunächst unwahrscheinlich. BGR-Geologe Michael Schmidt hält es aber immerhin für möglich, dass am Oberrhein in Zukunft Lithium großtechnisch gewonnen wird. In welcher Größenordnung das geschehen könnte, darüber entscheiden am Ende Investoren, meint er. „Es braucht einfach Mut, um in eine solche Methode zu investieren“, sagt Schmidt. Erst dann könnte ein Stein ins Rollen gebracht werden, der nebenbei auch die Geothermie aus ihrem Dornröschenschlaf weckt. Grundlastfähige Energie, Wärme und jetzt auch noch Lithium – wenn der Geothermie damit nicht der große Durchbruch gelingt, dann wohl gar nicht mehr.

Doch das größte Hindernis steht den Befürwortern erst noch bevor: die Akzeptanz in der Bevölkerung. Nach Gebäudeschäden und Erdbeben infolge von Geothermieaktivitäten in Landau, Basel und Staufen reagieren viele Bewohner im Südwesten schon auf das Wort Geothermie allergisch, zahlreiche Bürgerinitiativen haben sich gegründet, die Erdwärme konsequent ablehnen. Die Angst vor Eingriffen in den Untergrund kann solche Projekte kippen, bevor sie beginnen.

„Bürgerinitiativen lehnen uns grundsätzlich ab“

Solche Vorbehalte kennt man auch bei Vulcan Energie in Karlsruhe. Geschäftsführer Horst Kreuter ist seit über zwanzig Jahren in der Branche. Bei manchen Anwohnern beißt er mit dem Projekt auf Granit. „Bürgerinitiativen lehnen uns grundsätzlich ab“, sagt er. „Die können wir nicht überzeugen.“ Er versucht nun, die breite Bevölkerung in Baden und der Pfalz zu erreichen, um sie von dem Potential seines Projekts zu überzeugen. Die Angst vor Erdbeben hält er jedenfalls für unbegründet, die Branche habe aus den Vorfällen in Landau gelernt. So achten die Betreiber darauf, dass das geförderte Thermalwasser mit geringerem Druck in den Boden injiziert wird. Zudem werde der Untergrund eines Standorts heute deutlich genauer untersucht, bevor die Bohrungen beginnen.

Vulcan Energie hat offensichtlich keine Zeit zu verlieren. Das zuständige Bergbauamt in Freiburg bestätigt, dass mehrere Explorationsuntersuchungen genehmigt wurden, jetzt möchte die Firma mögliche Standorte untersuchen, um einen Arbeitsplan auszuarbeiten. Das geschieht meist vom Schreibtisch aus, die Firma profitiert davon, dass kein Grabensystem der Welt so gut untersucht ist wie das am Oberrhein. In drei Jahren, so der Plan, soll das erste Lithiumcarbonat aus dem Graben gefördert werden. Dann sollen nach und nach neue Geothermieanlagen in Betrieb gehen. „2024 wollen wir mit voller Kapazität arbeiten“, sagt Francis Wedin. Die Zukunft soll so schnell wie möglich beginnen.

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