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Akku-Rohstoff : Der Schatz am Oberrhein

Francis Wedin jedenfalls gerät ins Schwärmen, wenn er über den Oberrhein spricht. Die Region sei die heißeste in Mitteleuropa, pro hundert Meter steigt die Temperatur hier um bis zu acht Grad. So stößt man schon in weniger als 2000 Meter Tiefe auf ausreichend heißes Wasser. Daher rentiere sich die Gewinnung von Wärme und elektrischer Energie, denn je tiefer eine Bohrung, desto teurer.

Zehn Mal mehr als sonst in Thermalwässern

Mehr als über die Hitze im Oberrheingraben spricht Wedin aber über das Lithium. Es handele sich um eines der größten Vorkommen der Welt. Ein Liter Thermalwasser enthalte im Schnitt 181 Milligramm Lithiumcarbonat. Das sei mehr als das Zehnfache dessen, was man üblicherweise in hydrothermalen Quellen finde. Der Wert sei ähnlich hoch wie im derzeit einzigen vergleichbaren Projekt im kalifornischen Salton Sea. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil des Oberrheingrabens. Hier ist nicht nur der Lithiumgehalt hoch, sondern auch die Fördermenge: Achtzig bis hundert Liter Thermalwasser schießen pro Sekunde nach oben, umgerechnet kämen mit diesem Verfahren in einem Werk pro Jahr 400 Tonnen Lithium zusammen.

Zum Vergleich: Weltweit wurden 2018 etwa 95.000 Tonnen Lithium gefördert, davon 58.000 Tonnen in Australien. Mehr als die Hälfte davon geht nach Angaben des US Geological Service, der amerikanischen Rohstoffbehörde, in die Produktion von Batterien. Je nach Anstieg des Verkaufs von E-Autos könnten in zehn Jahren bis zu 240.000 Tonnen pro Jahr benötigt werden, im Jahr 2050 sogar über eine Million Tonnen. „Der Abbau zieht stark an“, sagt Matthias Buchert vom Öko-Institut in Darmstadt. Die Hersteller hätten ein großes Interesse, E-Autos zu verkaufen, weil nun strengere CO₂-Werte eingehalten werden müssen.

Nur eine Marketing-Aktion für die Geothermie?

Glücklicherweise ist Lithium kein seltenes Element. In der Erdkruste ist es seltener als Kupfer, aber häufiger als Blei. Die weltweiten zugänglichen Vorkommen schätzen Geologen auf 50 Millionen Tonnen. Davon könnten am Oberrhein rund 14 Millionen Tonnen liegen, glaubt man bei Vulcan Energie. Das wäre mehr als die Hälfte der Vorkommen in Nord- und Südamerika, dem bislang größten Markt. Schon sprechen Kreuter und Wedin vom Oberrheingraben als dem „Lithium Valley“. Die größten Vorkommen vermuten sie in einem 150 Kilometer langen Streifen von der Ortenau bis zur Südpfalz. Im Süden Straßburgs hat ein französisches Konkurrenzprojekt ebenfalls vor, Lithium fördern. Fonroche Energie könnte noch in diesem Jahr im Elsass die erste Versuchsanlage bauen.

Lithium Valley ist der Traum. Doch leider gibt es auch die Wirklichkeit. Und in dieser ist bislang noch kein Gramm Lithium am Oberrhein mit der neuen Technik gewonnen worden. Vielmehr schlummert die ganze Geothermiebranche seit zwanzig Jahren im Dornröschenschlaf, obwohl ihr einst eine große Zukunft vorhergesagt wurde. Da liegt der Verdacht nicht fern, die Geothermiebranche könnte das Lithium ins Spiel gebracht haben, um die Erdwärmeenergie zu pushen.

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