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Afrikanische Schweinepest : „Wir Jäger sind keine Schädlingsbekämpfer“

Schwarzwild. Bild: dpa

Immer wieder werden Massentötungen von Wildschweinen gefordert, um die Infektionsgefahr der Hausschweine vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen. Der Deutsche Jagdverband hält das für Hysterie.

          Nachdem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ankündigte, die Verordnung zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu verschärfen, läuft der Jagdverband Sturm. Kern der auf einer Sonder-Agrarministerkonferenz beschlossenen Regelung soll laut „Zeit Online“ die Ausweitung der Jagd auf Wildschweine sein. Aus dem Deutschen Bauernverband kamen Forderungen, die Wildschwein-Bestände um 70 Prozent zu dezimieren. „Das macht überhaupt keinen Sinn, schon gar nicht ohne irgendeine Zeitangabe“, sagte der Präsident des Deutschen Jagdverbands, Hartwig Fischer, in einem Gespräch am Rande der Grünen Woche in Berlin.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          „Wir haben bundesweit schon 2017 an die 600.000 Tiere geschossen, das sind also heute schon fast zwei Drittel aller Wildschweine“, sagte Fischer. Man müsse also schon genau angeben, in welcher Zeit die geforderte Massentötung stattfinden soll. „Aber eins muss klar sein, wir Jäger sind keine Schädlingsbekämpfer.“ Pläne, die Tiere anzulocken, im Wildfang zusammenzutreiben und dann hinterm Zaun niederzustrecken, lehnt der oberste Jäger im Land grundsätzlich ab. „Das ist getestet worden, aber dieses blutige Gemetzel werden wir nicht mitmachen. Das ist unethisch.“ 

          „Bei uns gibt es aber diesen Seuchenfall aber noch nicht“

          Für den Jagdverbands-Präsidenten herrscht derzeit noch gar keine Notwendigkeit, radikale Abschussforderungen zu erheben: „Die siebzig Prozent Abschussquote war von der europäischen Seuchenbehörde für den Seuchenfall gefordert worden. Bei uns gibt es aber diesen Seuchenfall aber noch nicht.“  Seit anderthalb Jahren bereiteten sich die Jäger darauf vor, dass das ASP-Virus eingeschleppt werden könne. Damals war der Erreger von Osten her erstmals in Nachbarländer eingeschleppt und an einer Stelle in Tschechien bekämpft worden. „Vorsichtsmaßnahmen hätten jetzt oberste Priorität, aber kurzfristig kein präventiver Wildscheinabschuss. „Wir bejagen das Schwarzwild das ganze Jahr, die Jäger sind angehalten, vor allem junge Bachen zu jagen, um die Bestände kurz zu behalten. Mehr ist jetzt nicht nötig.“  Wenn es tatsächlich darum ginge, die Jagd auf Wildschweine als Überträger der für Hausschweine tödlichen Viren zu öffnen, solle man mit den Bauern über die verpflichtende Einführung von Bejagungs- beziehungsweise Blühschneisen in die Felder reden und die Jagd in Naturschutzgebieten zulassen. 

          Gibt es bald mehr Blühstreifen?   Helmut Schulze, Jens Birger und Sven Borchert (von links) begutachten den im vergangenen Sommer angelegten Blühstreifen in Oschersleben in Sachsen-Anhalt. In zehn landwirtschaftlichen Demonstrationsbetrieben bundesweit werden neue Wege zum Schutz der Artenvielfalt ausprobiert. Bilderstrecke

          „Der Wildschwein-Bestand in den geschützten Flächen ist zwei- bis dreimal so groß wie in den Wäldern“, sagte Fischer. Rückzugsgebiete böten vor allem auch die Raps- und Maismonokuluren, die oft mit Senf als Zwischenfrucht kultiviert und damit zum idealen Schutzraum für das Schwarzwild würden. In einem Feld könnten sich mehrere Rotten verstecken. Als man einmal einen Landwirt überzeugte, eine Treibjagd in seinem Maisfeld zuzulassen, habe man allein auf dem Areal 150 Wildschweine erlegt.

          „Es müsste kostenneutral für die Landwirte dafür gesorgt werden, dass die Rückzugsgebiete des Wilds verringert und darauf systematisch  gejagt werden könnte“, sagte Fischer in Berlin, am besten auch ganzjährig. Solche zehn bis fünfzehn Meter Blüh- oder Jagdschneisen in den Feldern werden erst in einigen Bundesländern versuchsweise als Beitrag zur Artenvielfalt in den Agrarsteppen gefördert.

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