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Sars-CoV-2 in Aerosolen : Was wissen wir über die Ansteckung in Räumen?

Wie lange dauert es also, aerosolbeladene Luft aus Innenräumen durch Außenluft zu ersetzen?

Das hängt von der Raumluft ab. In Wohngebäuden werden wahrscheinlich 95 Prozent der Innenluft in einem Zeitraum von 30 Minuten durch Außenluft ersetzt. In öffentlichen Gebäuden kann ein 95-prozentiger Austausch zwischen 12 Minuten und 2 Stunden dauern. In einem Krankenhaus kann ein 95-prozentiger Ersatz bis zu 5 Minuten dauern.  

Hilft keimtötendes UV-Licht?

Durchaus. Die Effektstärke ist unklar, aber die Aerosolforscher halten es für sehr plausibel, dass im Raum schwebende virenbeladene Partikel damit großteils unschädlich gemacht werden können.

Funktionieren Masken auch in Innenräumen, um die Aerosolausbreitung zu bremsen?

Ja definitiv. Natürlich hängt die Schutzwirkung vom Material und von der Passgenauigkeit ab, aber grundsätzlich sind Masken für die Aerosolforscher drinnen wichtig, wenn die Abstände nicht einhaltbar sind und man sich länger gemeinsam im Raum aufhält. Sie unterdrücken im Idealfall die Ausbreitung von Aerosolen und bieten dank physikalischer Wirkungen den Maskenträgern selbst auch einen „nur geringfügig geringeren“ Schutz. Der Grad der Schutzwirkung hängt auch davon ab, wie viel Stoff verwendet wird. Wenn zwei oder mehr Gewebeschichten verwendet werden, kann sich der Gesamtwirkungsgrad der relevanten Aerosole auf 90 Prozent oder mehr erhöhen.

Mit einigen Missverständnissen über Masken wird auch aufgeräumt:

Der Popsänger Tim Bendzko tritt während eines Großversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale in der Arena Leipzig auf. In einem dritten Szenario sitzen die Probanden mit 1,50 Metern Abstand zueinander vor der Bühne. Rund 2200 Besucher beteiligen sich an dem Versuch unter dem Titel "Restart-19".
Der Popsänger Tim Bendzko tritt während eines Großversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale in der Arena Leipzig auf. In einem dritten Szenario sitzen die Probanden mit 1,50 Metern Abstand zueinander vor der Bühne. Rund 2200 Besucher beteiligen sich an dem Versuch unter dem Titel "Restart-19". : Bild: dpa
  • „Masken funktionieren nicht, weil das Virus viel kleiner ist als die Poren der Maske.“ Erstens wird nicht angenommen, dass das Virus in der Luft „nackt“ ist. Dies ist ein Missverständnis. Masken sind nur Filter, die wir tragen. Filter können Aerosole erfassen, die viel kleiner als die Porengröße sind.  
  •  “Masken funktionieren nicht.“ Zu sagen, dass Masken nicht funktionieren, um einen Teil der Aerosole (die entweder eingeatmet oder ausgeatmet werden) zu entfernen, widerspricht der Grundphysik. Es ist, als würde man sagen, wenn man einen Mantel anzieht, fühlt man sich nicht wärmer. Wenn man einen Mantel anzieht, wird der Wärmefluss vom Körper teilweise behindert. Auf die gleiche Weise behindert eine Maske den Partikelfluss, indem sie viele von ihnen einfängt. Es gibt keine andere Möglichkeit. Die tatsächliche Effizienz hängt natürlich davon ab, wie gut das Maskenmaterial als Filter ist und wie gut die Maske passt.
  • "Masken schützen nur vor ballistischen Tröpfchen, nicht vor Aerosolen." Auch dies ist ein weiteres Missverständnis. Masken bieten immer einen teilweisen Schutz gegen ausgeatmete und inhalierte Aerosole, wobei der Schutz von der Qualität des Maskenmaterials, der Passform (keine Lücken zwischen Maske und Gesicht) und der Größe der Aerosole abhängt (siehe oben).

Kann man sich beim Vorbeilaufen infizieren?

Es scheint mindestens einige Minuten zu dauern, bis man sich an einer infektiösen Person angesteckt hat. Obwohl es nicht unmöglich ist, gibt es den Forschern zufolge keine Hinweise darauf, dass Sars-CoV-2 übertragen wurde, wenn Menschen im Freien aneinander vorbeigingen.  Die Experten empfehlen deshalb zu jeder Zeit eine Maske zu tragen, wenn Innenräume lange Zeit gemeinsam genutzt werden, im Freien hauptsächlich in überfüllten Bereichen.

  

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