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Sars-CoV-2 in Aerosolen : Was wissen wir über die Ansteckung in Räumen?

Ist Abstandhalten auch in Innenräumen sinnvoll?

Hier sind die Aerosolforscher nicht eindeutig, beziehungsweise sie machen es von der konkreten Situation abhängig. Ebenso wie das Maskentragen (siehe unten) verringern größere Abstände grundsätzlich das Risiko der Übertragung, beseitigen es aber nicht. Aerosole sind am stärksten in der Nähe desjenigen konzentriert, der ohne Maske laut spricht oder singt.  Es ist nach dem Dafürhalten der Aerosolexperten „sehr unwahrscheinlich“, dass es zu einer Infektion kommt, wenn Sie hier oder da einen Hauch von Atem ausatmen. Die Zeit, die Sie in unmittelbarer Nähe oder in einem gemeinsamen Raum mit einer infizierten Person verbringen, wirkt sich darauf aus, wie viel Virus man tatsächlich einatmet, was das Infektionsrisiko bestimmt. In dem Papier heißt es: „Soweit wir wissen, gibt es keine eindeutige Zeitspanne, aber sie scheint in der Größenordnung von Minuten zu liegen.“ Die von vielen Gesundheitsbehörden genannten 15 Minuten Gespräch, die zu einer Infektion führen können, halten die Wissenschaftler jedenfalls für mehr oder weniger willkürlich gewählt.

Spielen Temperatur und Feuchtigkeit im Raum eine Rolle?

Grundsätzlich ja. Die Viren mögen es eher kalt und trocken. Sie überleben bei höheren Temperaturen weniger gut. Höhere Temperaturen verringern aber auch die relative Luftfeuchtigkeit, und niedrige Luftfeuchtigkeit führt zu einem erhöhten Überleben des Virus. Trockenere Luft erleichtert also die Übertragung, weil die virenbeladenen Aerosole Feuchtigkeit abgeben und deshalb länger im Raum schweben und sich aufkonzentrieren können. Für Innenräume, die in einem komfortablen Bereich bleiben sollen, heißt das, dass man am besten die Umgebungstemperatur nicht groß ändert. Trockenere Luft macht die Menschen allerdings auch anfälliger für Infektionen, weswegen die Experten zum Befeuchten der Luft zwar nicht dringend raten, weil der Effekt von Lüften und Filtern (siehe unten) sehr viel größer ist, wer allerdings schon Luftbefeuchter hat und sich damit wohler fühlt, kann diese begrenzt benutzen. Die Forscher warnen allerdings vor der Gefahr von Schimmelbildung.  

Forschung an der TU Berlin, wo die Verteilung der Aerosole unter anderem beim Sprechen dokumentiert wird.
Forschung an der TU Berlin, wo die Verteilung der Aerosole unter anderem beim Sprechen dokumentiert wird. : Bild: TU Berlin/Hermann-Rietschel-Institut

Wie wichtig ist die Belüftung?

Sehr wichtig. Belüftung heißt: Innenluft mit Außenluft zu verdünnen. Ein Ventilator, der die Luft im Raum bewegt, „mischt“, ist aber keine Belüftung. Die Belüftung ist nützlich, da potentiell virusbeladene Luft in Innenräumen durch virusfreie Luft von außen verdünnt wird. Alle Superspreader-Ereignisse waren in schlecht belüfteten Räumen aufgetreten, ob in Bars, Hallen, Flugzeugkabinen oder Zügen. Dagegen wurden bisher keine gravierenden Übertragungen in japanischen Zügen festgestellt, in denen wenig geredet wird und die gut gelüftet sind. Die Belüftungsrate kann durch Fenster oder Luftfilteranlagen geregelt werden, die Belüftungszeit zu berechnen ist möglich und wird von den Aerosolforschern in ihrem Text aufgezeigt. Auch die unterschiedlichen Möglichkeiten, künstlich mit Geräten die Luft zu filtern, wird beschrieben. Auch tragbare und mobile Luftfilter sind nützlich. Die Untersuchung von Klassenzimmern, Büros usw. mit einem einfachen Kohlendioxid-Messgerät kann hilfreich sein, um festzustellen, welche die schlechteste Belüftung aufweisen, und um die Maßnahmen dort zu priorisieren. Wenn Außenluft in einen Innenraum gelangt, vermischt sie sich mit der bereits in Innenräumen befindlichen Luft.

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