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Sars-CoV-2 in Aerosolen : Was wissen wir über die Ansteckung in Räumen?

Weil nach Überzeugung der Aerosolforscher lange ein falscher Eindruck über die Rolle der Aerosole vermittelt wurde – auch von den wichtigsten Gesundheitsbehörden und Virologen. Die Vorstellung sei jedenfalls für Sars-CoV-2 falsch, dass die meisten Ansteckungen durch Tröpfchen geschehen. Das hat auch historische Gründe, die von den Wissenschaftlern in ihrem FAQ-Papier ausführlich beschrieben werden. Tröpfchen sind wie Aerosole Partikel von Speichel und Atemflüssigkeit, die allerdings überwiegend größer als hundert Mikrometer (0,1 Millimeter) groß sind und  von infizierten Personen beim Husten, Niesen und in geringerem Maße beim Sprechen ausgestoßen werden. Sie fliegen ballistisch (wie ein Projektil) durch die Luft, wie im berühmten Videospiel „Angry Birds“. Sie infizieren durch Aufprall auf Mund, Nasenlöcher oder Augen. Wenn sie jemanden nicht treffen, fallen sie in ein bis zwei Meter zu Boden. Aerosole dagegen sind kleiner als 100 Mikrometer und können von zehn Sekunden bis zu einigen Stunden in der Luft bleiben. Sie können auch längere Strecken zurücklegen. Im Detail variieren die Größe der Aerosole und die Menge des ausgeatmeten Virus mit dem Infektionsstadium und von Person zu Person. Lange hatte man gedacht, dass Aerosolpartikel, die länger in der Luft schweben können, kleiner als 5 Mikrometer sein müssen. Die Aerosolforscher korrigieren ausdrücklich diesen Fehler, denn klar ist inzwischen, dass mit Viren beladene Aerosole von zehn Mikrometer und größer je nach Luftströmung sehr wohl stundenlang im Raum schweben können. Im Detail variieren die Größe der Aerosole und die Menge des ausgeatmeten Virus natürlich mit dem Infektionsstadium und von Person zu Person. Sie variieren auch mit der individuellen Aktivität, wobei viel weniger durch Atmen und viel mehr durch Sprechen, Singen, Schreien und (sehr wahrscheinlich) Aerobic-Übungen entstehen. Insgesamt muss man den Forschern zufolge davon ausgehen, dass die Lebensdauer circa ein bis zwei Stunden bei typischer Raumtemperatur ist: „Wenn Sie morgens um 8 Uhr in ein Büro kommen, wenn die Leute am Vortag um 17 Uhr abgereist sind, haben alle Viren ihre Infektiosität verloren.“

Kritiker fragen oft: Wenn Covid-19 tatsächlich durch Aerosole übertragen wäre, wäre es dann nicht wie Masern hoch übertragbar?

Ein Mythos. Nicht nur hochinfektiöse Viren wie Masern-Erreger werden durch Aerosole übertragen, sondern auch weniger leicht übertragbare wie die Grippe werden wenigstens teilweise (und in unterschiedlichem Ausmaß) durch Aerosole übertragen.

Wie steckt man sich am Leichtesten an – und wo steckt man andere leicht an?

All dies erleichtert die Übertragung: Drinnen, überfüllt, geringe Belüftung, unmittelbare Nähe, lange Dauer, sprechen, singen, schreien, schwer atmen. Fast alle bekannten, dokumentierten und nachverfolgten „Superspreader“-Ereignisse fanden in Innenräumen statt. Vier von fünf Sars-CoV-2-Infektionen sind statistisch gesehen auf solche hochinfektiösen Überträger zurückzuführen. Nicht jede Person ist gleich oder dauernd hoch ansteckend. Vielmehr gibt es bestimmte – von außen nicht erkennbare – hochinfektiöse Phasen. Die Erkrankten müssen auch keineswegs husten oder niesen, sie müssen auch nicht zwangsläufig andere Covid-19-Symptome zeigen. Die größte Infektiosität beginnt vielmehr schon ein bis zwei Tage vor den ersten Symptomen – auch ein Grund, warum die Forscher den Hauptverdacht der Übertragung auf Aerosole lenken.

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