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Achim Steiner : Deutscher UN-Umweltchef wiedergewählt

Bild: picture-alliance / dpa

Der Umweltschutz bei den Vereinten Nationen bleibt weiter in deutscher Hand. Achim Steiner, ranghöchster Deutscher bei den UN, ist wiedergewählt worden und verlängert die deutsche Ökoherrschaft auf 18 Jahre.

          Der ranghöchste Deutsche bei den Vereinten Nationen, Achim Steiner, ist am Freitagabend von der UN-Vollversammlung für zwei weitere Jahre als Exekutivdirektor des Umweltprogramms Unep wieder gewählt worden. Der 53jährige Ökonom wird dann mindestens zehn Jahre lang im Amt sein und damit sogar länger als sein Vorgänger Klaus Töpfer die UN-Umweltorganisation in Nairobi leiten. Lediglich der Ägypter Mostafa Tolba war bis Anfang der neunziger Jahre länger im Amt des Unep-Direktors gewesen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Mindestens 18 Jahre lang und damit fast eine Generation lang ist die grüne Politik der Vereinten Nationen in der Hand deutscher Chefdiplomaten. Keine ganz einfache Aufgabe. Insbesondere die 1992 in Rio unterzeichneten großen Umweltkonventionen haben in den Jahren danach auf den nationalen Bühnen an Bedeutung verloren. Die Klimarahmenkonvention ist ein Beispiel dafür. Bis heute gibt es Widerstände. Selbst mächtige Industriestaaten wie die Vereinigten Staaten, die in den neunziger Jahren noch eine gesteigerte Sensibilität für ökologische Probleme an den Tag legten, ließen es in den Folgejahren nach Rio am Willen zur konsequenten Verwirklichung der globalen Umweltziele mangeln. Die Euphorie war schnell verloren. An den schnellen Erfolg des Montrealer Übereinkommens zum Schutz der Ozonschicht, einer der größten diplomatischen Erfolge der Unep vor der Steiner-Ära, konnten die Umweltschützer der Staatengemeinschaft nicht mehr anschließen. Der in Brasilien aufgewachsene Unep-Drektor kämpft seither wie Klaus Töpfer vor ihm gegen das Abebben des Umweltbewusstseins in der Politik und Öffentlichkeit.

          Steiners Dilemma: Welthandelsfragen, wirtschaftliche Interessen überhaupt, haben mit den ersten Krisen des neuen Jahrhunderts die ökologischen Belange in den Hintergrund gedrängt. Eine Chance allerdings auch für den an der Universität Oxford und am Deutschen Institut  für Entwicklungspolitik sowie an der Harvard Business School ausgebildeten Ökonomen. Aus seiner marktkritischen Haltung hat er nie einen Hehl gemacht. Selbstregulation greift für ihn in ökologischen Fragen zu kurz. Klare staatliche und demokratisch herbeigeführte Regeln und Vorgaben sind für ihn das einzig  probate Mittel, die Wachstumsstrategien im freien Markt mit dem allgemeinen Wunsch nach ökologischer Stabilität zu versöhnen. In den vergangenen Jahren hat er sich deshalb vor allem für eine „grüne Weltwirtschaft“ eingesetzt. Der Umbau der Energiesysteme hin zu einer kohlenstoffarmen Energiegewinnung steht dabei für ihn und seine Organisation als Ziel an oberster Stelle, wozu auch der Abbau von mehr als fünfhundert Milliarden Euro an Subventionen für die potentiell umweltschädliche Industrien zählt. 

          Als vor zwei Jahren auf dem UN-Nachfolgegipfel „Rio plus 20“ der von der deutschen Regierung unterstützte Vorstoß abgeschmettert wurde, die Unep nicht länger als ein Programm, sondern als vollwertige UN-Organisation aufzuwerten,  war klar: Die Umweltpolitik bleibt vorerst nachrangig in der diplomatischen Hierarchie der Vereinten Nationen. Ihr Einfluss etwa in Welthandelsverhandlungen damit weiterhin deutlich eingeschränkt. Steiner kündigte damals allerdings schon an, er werde nicht locker lassen, den Einfluss der Umweltpolitik zu stärken. Dabei zählt keineswegs nur Klimaschutz zu den Arbeitsgebieten Steiners. Der internationale Arten- und Naturschutz, die Sicherung der Biodiversität auf dem Planeten, aber auch in Fragen der Nachhaltigkeit von Ressourcennutzung  wird Steiners Organisation nicht müde, eine weitgehend grün geprägte  Politik anzumaßen. Eine rotgrüne Politik mit konservativem Gepräge, wenn man die deutschen Maßstäbe anlegen wollte.

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