https://www.faz.net/-gwz-82tpy

Crash auf Merkur : Nasa-Sonde ist zerschellt

Die Absturzstelle der Sonde: Der große Krater auf der linken Seite, „Janacek“, hat einen Durchmesser von rund 48 Kilometern. Bild: Nasa

Die Mission der Nasa-Sonde „Messenger“ zum Merkur hat mit einem erwarteten Absturz geendet. Am Donnerstag abend um 21.26 Uhr unserer Zeit ist die Raumsonde auf dem innersten Planeten des Sonnensystems abgestürzt.

          2 Min.

          Der Absturz war unausweichlich. Denn der Treibstoff ist ausgegangen. Mit einem Absturz auf den Merkur ist die Mission der Raumsonde „Messenger“ der amerikanischen Raumfahrtbehörde am sonnennächsten Planeten Merkur zu Ende gegangen.  Mit fast vier Kilometern pro Sekunde, etwa dreimal so schnell wie eine Gewehrkugel, ist die drei Meter große Sonde auf dem Merkur zerschellt.  Augenzeugen hat es keine geben, denn die Absturzstelle liegt auf der erdabgewandten Merkur-Seite.

          Eine Animation: Messenger über dem Merkur
          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Messenger ist eine überaus erfolgreiche Mission gewesen. Mehr als 250.000 Fotos hat die Sonde von dem sonnennächsten Planeten geschossen und riesige Datenmengen gesammelt, die die Forscher der Nasa noch länger beschäftigen wird.

          Die Sonde, deren Name ein Akronym für „MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry, and Ranging“ ist, hat in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet. Als sie im August 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida aus ins All startete, hatte zuvor nur eine Raumsonde den Weg zum Merkur gefunden. In siebziger Jahren war „Mariner 10“ am Planeten vorbeigeflogen, wobei diese Sonde allerdings nur die Hälfte der Merkuroberfläche kartieren konnte. Das hat sich mit der Messenger-Mission geändert.

          Mit acht Instrumenten an Bord hat die Sonde den kleinen Planeten Merkur vermessen. Seine Oberfläche sieht mondähnlich aus, doch viele der Strukturen sind vulkanischen Ursprungs.

          Der Merkur zählt zu den am wenigsten erforschten Planeten des Sonnensystems. Dies liegt vor allem an den nicht zuletzt für Raumsonden unwirtlichen Bedingungen in der Nähe der Sonne wie der hohen Temperaturschwankungen und der intensiven Strahlung sowie an zahlreichen technischen Schwierigkeiten, die bei einem Flug zum Merkur in Kauf genommen werden müssen. Auf dem Merkur wird es beispielsweise nachts  fast minus 200 Grad kalt, tagsüber erhitzt er sich auf Temperaturen von plus 400 Grad und mehr. Und Sonnenuntergang ist erst nach einem Merkurjahr - das 88 Erdentage dauert.

          Nach fast sieben Jahren Flugzeit und mehreren Vorbeiflugmanövern an Erde, Venus und Merkur, um Bewegungsenergie abzubauen, schwenkte die rund 500 Kilogramm schwere Sonde am 18. März 2011 schließlich in die Umlaufbahn um den Merkur ein. Ursprünglich sollte sie den Planeten, der mit einem Durchmesser von 4880 Kilometer etwas größer ist als der Mond und innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist, nur ein Jahr lang umkreisen. Weil der Zustand von Messenger und die Treibstoffmenge  es zuließen, wurde die Mission aber gleich zweimal um insgesamt vier Jahre verlängert. Anfang dieses Jahres ist der Treibstoff zur Neige gegangen, so dass die Sonde nicht länger auf einer stabilen Umlaufbahn gehalten werden kann. Im April konnte man ein letztes Flugmanöver ausführen

          Ein unwirtlicher Planet in neuem Licht

          Mit Daten und Fotos von diesem wenig einladenden Planeten begeisterte Messenger  die Forscher der Mission. Die mit einem Schild aus Spezialkeramik gegen die Hitze geschützte Sonde mit acht wissenschaftlichen Instrumenten an Bord entdeckte unter anderem unerwartet starken Vulkanismus, einen ungewöhnlichen Eisenmangel in der Oberfläche und Hinweise auf Wassereis, das im ewigen Schatten von Einschlagkratern verborgen ist. Außerdem fotografierte Messenger die letzten bis dahin noch unbekannten Gebiete des Planeten. Vor zwei Jahren veröffentlichte die Nasa eine 3D-Karte des Merkur, die aus Tausenden von Einzelbildern zusammengesetzt worden war.

          „Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir jetzt ein wirkliches Wissen über Merkur, das ihn als einen faszinierenden Teil unseres Sonnensystems zeigt“, erklärte Nasa-Manager John Grunsfeld. Etwa zehn Minuten vor dem Aufprall auf den Merkur konnten die Wissenschaftler noch Kontakt zu Messenger aufnehmen. Dann war es still im Äther.

          Weitere Themen

          Schusswaffen in Nordamerika Video-Seite öffnen

          Videografik : Schusswaffen in Nordamerika

          Wegen mutmaßlicher Finanzvergehen will der Bundesstaat New York die mächtige Waffenlobbygruppe NRA verbieten lassen. Der Besitz von Schusswaffen ist in der Gesellschaft Nordamerikas tief verwurzelt. Jedes Jahr sterben zehntausende Menschen durch Waffengewalt.

          Topmeldungen

          Donald Trump in Ohio am 6. August

          Streit um Wechat : Trump bannt Chinas Lebensader

          Die Super-App Wechat ist das chinesische digitale Taschenmesser für alles. In Amerika kommunizieren mehr als drei Millionen Chinesen nach Hause – wie Wendy Tang. Die Studentin glaubt, der amerikanische Präsident schlage seine letzte Schlacht.

          Kontaktlos bezahlen : Karten ohne Ende

          Wegen Corona bezahlen die Deutschen viel mehr mit Karte. Für die Banken lohnt sich das bargeldlose Geschäft. Kein Wunder, dass sie immer neue Karten herausbringen.

          Verkehrswende : Wem gehört die Straße?

          Soll Frankfurts nördliches Mainufer für Autos gesperrt bleiben? Ein Unternehmensberater streitet darüber mit einem Ortsvorsteher. Ihre Fehde zeigt, warum die Verkehrswende so schleppend vorangeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.