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Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Monstera für Fortgeschrittene

Alokasien, auch Pfleilblätter genannt, sind beliebte Zimmerpflanzen. Doch die Pflege dieser Aaronsstabgewächse ist nichts für Anfänger. Ein Erfahrungsbericht.

          2 Min.

          Es ist jetzt ein Jahr her, da erkannte ich meine Frau nicht wieder. Plötzlich und ohne Vorwarnung schleppte sie etliche Zimmerpflanzen in unsere Wohnung. Sie, die sich nie für irgendetwas Grünes auf dem Balkon und im Garten interessierte und auch schon mal Basilikum mit Minze verwechselte. Die Hormone, dachte ich damals, die Schwangerschaft. Und schnell erinnerte ich mich an den Ratschlag meines Schwagers: immer machen lassen, nie widersprechen, einfach nicken und lächeln. Nestbautrieb. Das vergeht.

          Andreas Frey
          Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Völliger Quatsch. Es wird immer schlimmer. Der Kleine ist jetzt fast ein Jahr, aber der Enthusiasmus meiner Frau für Pflanzen ist ungebrochen. Mittlerweile muss ich die Samstagnachmittage im Gartencenter verbringen, während die Bundesliga ungesehen an mir vorüber ­spielt. Der Aktionsradius dort ist allerdings genau definiert: Meine Frau interessiert sich nur für Zimmerpflanzen, Übertöpfe und Schnickschnack, während ich gerne eher im Außenbereich unterwegs bin. Die Kinder werden mit dem Versprechen bei Laune gehalten, nachher noch Kaninchen und Wellensittiche anzuschauen.

          Wenn das kein Designer-Gewächs ist: Alocasia zebrina
          Wenn das kein Designer-Gewächs ist: Alocasia zebrina : Bild: Mauritius

          Eine Sorte von Gewächsen hat es meiner Frau besonders angetan: die Alokasien, auch Pfeilblätter genannt. Dutzende Arten der Gattung Alocasia sind bekannt, ihre Heimat ist Südostasien und Nordostaustralien. Die Pfeilblätter ge­deihen dort in feuchtwarmen Tropenwäldern, deshalb mögen sie als Zimmerpflanzen zwar helle Standorte, aber kein direktes Licht. Und warm sollte es sein – bei der Heizung zu sparen bekommt ihnen nicht. Zudem mögen sie es feucht, daher eignet sich das Badezimmer besonders. Doch da unsere Wohnung im Bad kein Fenster hat, stehen zwei der drei Exemplare jetzt im Kinderzimmer, obwohl man sie eigentlich von Kindern fernhalten sollte. Die Blätter sind leicht giftig.

          Wichtig für die Pflanze ist der Übertopf.

          Alokasien sind durchaus anspruchsvoll, daher eignen sie sich für botanische Anfänger nur bedingt. Ich nenne sie die Monstera für Fortgeschrittene. Stau­nässe bekommt ihnen überhaupt nicht, kaltes Wasser ebenso wenig, gleichzeitig bestehen sie auf regelmäßiges Gießen. Treten auf den Blättern aber kleine Tropfen aus, ist das ein Zeichen für zu viel Wasser – ein typischer Anfängerfehler übrigens, den meine Frau niemals begeht. Zudem wollen Alokasien regelmäßig gedüngt werden.

          Um unsere Lieblingsart zu finden, waren wir gleich in zwei Geschäften. Besonders Alocasia zebrina hat es meiner Frau angetan. Sie ist wirklich eine Zierde und gefällt sogar mir. Das Zebramuster in den Stielen passt wunderbar zum alten Massivschrank aus Eiche, auf dem sie nun auch in sicherer Entfernung zu den Kindern steht. Doch als wir Alocasia zebrina eines Samstags endlich in Händen hielten, war der Einkauf noch lange nicht beendet. Fast genauso wichtig wie die Pflanze ist der Übertopf. Lieber in Eierschalenweiß oder besser in Olivgrün? Olivgrün, sage ich.

          Glücklicherweise hat sie noch nichts davon gehört, dass man das Riesenblättrige Pfeilblatt (Alocasia macrorrhizos) alias Elefantenohr essen kann. In Indien und auf den Philippinen verspeist man die stärkehaltigen, vitaminreichen Knollen wie hierzulande Kartoffeln. Als Augenschmaus genügt mir unsere Alokasie völlig.

          Aber wer bin ich eigentlich, dass ­ ich die wundersame Freude meiner Frau an Zimmerpflanzen dauernd bewerten muss? Bis Alocasia zebrina Leben in die Bude brachte, stand in unserer Wohnung nicht einmal ein Kaktus. Jetzt sind alle Zimmer grün und lebendig, auch das Treppenhaus sieht aus wie ein kleines Gewächshaus. Mein Reich sind Balkon und Garten. Noch jedenfalls.

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