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Bild: Illustration Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Gedüngte Wüste

In der chilenischen Atacama düngte man früh mit Guano, fossilem Vogelkot. Aber auch auf das „weiße Gold“ hatten nicht alle gleichermaßen Zugriff.

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          Im Norden Chiles liegt die Atacama-Wüste, eine der trockensten Gegenden der Welt. Dennoch leben dort seit Jahrtausenden Menschen. In Oasen und engen Tälern der wenigen von den Anden herabrinnenden Flüsse bauten sie Bohnen und Kürbisse an, Chili-Schoten, Quinoa und Amaranth – und seit etwa 1000 n. Chr. immer mehr Mais. Nun ist Letzterer keine ideale Feldfrucht für diese Gegend, bedarf es doch gerade zu seinem Anbau nicht nur ausreichender Bewässerung, sondern auch stickstoff- und phosphorhaltiger Nährstoffe.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Chilenische Wissenschaftler kamen in einer jetzt in „Nature Plants“ veröffentlichten Studie dahinter, was die Oasenbewohner damals in die Lage versetzte, das beliebte Getreide anzubauen: Es war Guano, in Jahrtausenden abgelagerter Vogelkot, etwa von Kormoranen und Pelikanen. Denn der gleiche kalte Meeresstrom, der die Feuchtigkeit zurückhält und so die Atacama austrocknet, beschert den Küstengewässern einen enormen Fischreichtum, an dem sich Myriaden von Seevögeln laben.

          Ihre Hinterlassenschaften wandeln sich mit der Zeit in ein Gemenge aus Calciumphosphat und Ammoniumsalzen um, das sich mancherorts bis zu achtzig Meter hoch auftürmte, bevor es im 19. Jahrhundert zum größten Exportschlager dieser Weltgegend wurde – denn Kunstdünger aus Luftstickstoff herzustellen gelang erst 1908. Diese Erfindung hat zwar auch den Ersten Weltkrieg ermöglicht oder zumindest verschlimmert, andererseits kam sie gerade noch rechtzeitig, denn die Guano-Vorkommen waren bereits 1875 nahezu erschöpft, und vom Chile-Salpeter, der anderen Stickstoffquelle damals, wäre auch irgendwann nichts mehr übrig gewesen.

          Um die düngende Kraft des Guanos wussten bereits die Inka, die sich die Gegend im 15. Jahrhundert unter den Nagel rissen. Das Wort „hunao“ ihrer Reichssprache bedeutet „Mist“. Doch die Autoren des Artikels in „Nature Plants„ konnten jetzt nachweisen, dass Guano bereits 400 Jahre früher im großen Stil zur Düngung eingesetzt wurde, denn sowohl erhaltene Nutzpflanzenreste als auch Menschenknochen aus Bestattungen sowie Überbleibsel pflanzenfressender Nutztiere weisen ein Profil von Stickstoffisotopen auf, das typisch ist für Meeresgetier.

          Über Vögel und Dünger hatte es sich bis auf die Menschen übertragen. Allerdings nicht auf alle. In den Knochen so manchen Wüstenbewohners fehlt der Guano-Stickstoff. Der Zugang zu dem nährenden Vogeldreck scheint an Status oder Nähe zu den Reichen und Mächtigen gebunden gewesen zu sein. Auch eine Atacama-Oase war nie ein Ponyhof.

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