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Bauern haben einige pfiffigere Methoden die Erdbeeren vor Regen und Kälte zu schützen. Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Halten Erdbeeren die Kälte aus?

Im April war es so kalt wie seit 40 Jahren nicht mehr. Hat das den Erdbeeren geschadet? Gerade jetzt sind wir doch mental auf die Erdbeersaison angewiesen, ist Essen die einzige Freizeitbeschäftigung. Womöglich kann die Sorte „Korona“ helfen.

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          Essen ist ein Lebensretter, gerade jetzt. Weniger im existenziellen Sinne, hierzulande droht den meisten eher das Gegenteil eines Hungertods. Vielmehr kann ein Spargel-Risotto derzeit den Unterschied zwischen Leben und Existieren ausmachen. Was früher Stammtisch, Konzerte, Geburtstagsfeier, Kino, Kirche, Bordell, Babyschwimmen, Golf und Disco waren, ist heute schlicht: Essen, eine der wenigen Freizeitbeschäftigungen. Entsprechend wird die Spargelsaison zelebriert. Freunde, die vor Corona nie die Kochlöffel schwangen, servieren zu den weißen Stangen selbst gemachte Sauce hollandaise, als Dessert reicht man Erdbeeren, natürlich nicht aus dem Supermarkt, sondern ebenfalls vom „Stand“.

          Johanna Kuroczik
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gehen am spärlich besetzten Tisch die Gesprächsthemen aus, helfen Erdbeer-Facts. Dass der Geschmack, etwa im Joghurt, oft nicht von Erdbeeren, sondern von Schimmelpilzen stammt. Oder dass Fragaria xananassa keine Beere, sondern eine Sammelnussfrucht ist. Und sprießen aus den Samen grüne Stängel, erinnert die Frucht auf unappetitliche Weise an eine Illustration des Coronavirus.

          Zum Spargel- und Erdbeerstand stapfte man in den vergangenen Wochen oft durch Sturm und Regen. Wie erging es den Früchten bei diesem Hundewetter? Der kälteste April seit vierzig Jahren hinterlässt Spuren. Die Saison beginne verspätet, wohl am 11. Mai, erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeerbauern. Was bislang verkauft wird, wuchs in Foliengewächshäusern.

          Dennoch büßten viele Bauern an Ertrag ein. In Frostnächten bedeckt man die Pflanzen zum Schutz mit Vlies, dünnen Folien oder besprüht sie mit Wasser. Ändern die Tropfen beim Gefrieren ihren Aggregationszustand, wird Energie frei, die Blüten sowie Früchte wärmt; die Eisschicht isoliert. Als Sequenz liegt das polyploide Genom der Zuchterdbeere seit 2019 vor, was ihre Geschichte verrät und helfen kann, in Zukunft frostresistentere Sorten zu züchten. Übrigens heißt eine beliebte Erdbeersorte, die bereits Kälte und Krankheiten trotzen kann, „Korona“.

          Ein Gutes habe der kalte April, sagt Erdbeerbauer Schumacher: Die lange Reifezeit fördere das Aroma. Und wenn das Wetter tagsüber schon mies ist, könnten kalte Nächte nach seiner Erfahrung zumindest dafür sorgen, dass die Früchte süßer bleiben. Wohl weil die Pflanze im Dunklen Zucker verbraucht, um CO2 abzuatmen, und diese Reaktion läuft stärker ab, wenn es warm ist. Mögen Wetter und Corona-Regeln also unbeständig bleiben, auf die Erdbeersaison ist Verlass.

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