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Alles im grünen Bereich : Darf im Sommer ein Gärtner verreisen?

  • -Aktualisiert am

Darf ein Gärtner im Sommer überhaupt verreisen? Bild: Charlotte Wagner

Manchen Landwirt treibt die Trockenheit zur Verzweiflung, der Gärtner sieht es mit gemischten Gefühlen. Darf er dennoch jetzt verreisen?

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          Einer der größten Gärten in der Nachbarschaft wird von einer Familie bewirtschaftet, die ziemlich viel um die Ohren hat. „Bewirtschaftet“ trifft es auch nicht ganz, denn man sieht sie dort eigentlich nur, wenn irgendein Geburtstag zu feiern ist. Gerade sind sie dabei, Kind und Kegel und Hund in den Familienbus zu packen, es geht, wie jedes Jahr, für ein paar Wochen in den Süden. Bella Italia! Wer will schon seinen Urlaub in Deutschland verbringen, wo das Wetter eine einzige Zumutung ist, wo es ohne Unterlass nieselt und der Hauswirt verklagt werden muss, damit er wenigstens die Heizung weiterlaufen lässt.

          Nun bin ich selbst seit kurzem aus dem schönen Griechenland zurück. Beim Hinflug war der Flughafen von Patras gesperrt, weil die Landebahn kniehoch unter Wasser stand. Über den Peloponnes zog ein Gewitter nach dem anderen hinweg, Beachpartys wurden abgesagt, Badehosen und Handtücher wurden gar nicht mehr trocken und die Gäste immer missmutiger, weil im Wetterbericht die Rede davon war, dass daheim die Sonne von früh bis spät nur so vom Himmel strahlte. Was sie im übrigen schon seit Anfang April häufig tat: Der Deutsche Wetterdienst berichtet von den wärmsten und niederschlagsärmsten Wochen seit Beginn der Aufzeichnungen.

          Lieber um sein Gärtchen sorgen

          Manchen Landwirt treibt das zur Verzweiflung, der Gärtner sieht es mit gemischten Gefühlen. Schön, wenn Kirschen und Johannisbeeren richtig reif werden. Fatal, wenn alles, was frisch gekeimt ist, jämmerlich vertrocknet. Wässern wäre dringend angesagt gewesen, aber ich musste ja unbedingt ans Mittelmeer. Ein Gärtner hat nicht zu reisen, sondern sich um sein Gärtchen zu versorgen, heißt es kategorisch bei Goethe, der persönlich allerdings mehr ins Theoretische neigte und die schweißtreibende Praxis gern seiner Frau überließ.

          In der Hallertau sagt man: Der Hopfen will täglich seinen Herrn sehen. Er wächst bei entsprechender Pflege jeden Tag zehn Zentimeter in die Länge. Das kann man vom Rasen zwar nicht behaupten. Aber auch er leidet, wenn er dürstet. Die Wurzeln der Gräser reichen zehn, höchstens zwanzig Zentimeter in die Tiefe, und da ist es, wie man den Meldungen des Deutschen Wetterdienstes über die aktuelle Bodenfeuchte entnehmen kann, mit Ausnahme des Alpenvorlandes in den allermeisten Gegenden Deutschlands zurzeit knochentrocken. Nach der geltenden Faustregel müsste man zwanzig Liter Wasser pro Quadratmeter ausbringen, um das Defizit zu beseitigen. Bei hundert Quadratmetern kämen zwei Kubikmeter zusammen. Auf meiner Wasseruhr steht, dass sie pro Stunde maximal zweieinhalb Kubikmeter durchlässt. Tatsächlich ist es allenfalls die Hälfte. Eine Zehn-Liter-Gießkanne bekomme ich in gestoppten 45 Sekunden gefüllt. Für eine Vollbewässerung bräuchte ich also mehr als zwei Stunden. Und das zweimal pro Woche.

          Stellen wir uns vor, das würde jeder Privatgärtner so handhaben. Dann müssten auf einer grob geschätzten Gartenfläche von tausend Quadratkilometern Woche für Woche vierzig Millionen Kubikmeter Wasser verregnet werden, also etwa ein Fünftel des Fassungsvermögens der Edertalsperre. Zum Glück tut das nicht jeder. Und irgendwann wird es wieder regnen. Zwanzig Millimeter Niederschlag würden erst mal reichen.

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