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Alles im grünen Bereich : Bitte recht harmonisch

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Im Garten sollte es harmonisch zugehen. Doch offenbar versteht jeder darunter etwas anderes.

          2 Min.

          Die Vorbesitzerin meines Gartens hat vieles ausprobiert. Unter anderem Feng Shui. So hat sie mehrere Windklangspiele aufgehängt. Das ewige Gebimmel soll den Energiefluss harmonisieren. Mich hat das wahnsinnig gemacht, und so wurde es entsorgt. Was zu der Frage führt: Wie schafft man denn sonst Harmonie im Garten?

          Im Barock erfreute man sich an geometrischen Mustern, die nach Art einer Stickerei mit Buchsbaum eingefasst und mit farbigem Kies oder niedrigen Blumen gefüllt wurden. Richtig wirken konnte das nur von oben herab betrachtet; Besitzer von Schlössern waren eindeutig im Vorteil. Später setzte sich, ausgehend von England, der Gedanke durch, dass es auf die Abstimmung der Farben ankommt. Schemata wurden entworfen, nach denen es geraten war, Blütenpflanzen so zu arrangieren, dass verwandte Farbtöne sich ergänzten und komplementäre Töne oder stark kontrastierende nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu pflanzen waren; die Kombination von Rot und Weiß beispielsweise galt lange Zeit als unfein, weil sie angeblich an blutiges Verbandsmaterial erinnert.

          Sowohl die geometrische Gartenkunst als auch der monochrome Rabattenstil erfordern penible Planung und akkurate Ausführung. Beide haben etwas Künstliches, denn in der Natur kommen sie nicht vor. Der englische Landschaftsgarten folgte deshalb einem anderen Ansatz. Blickachsen sollen den Betrachter lenken, überraschende Aussichten verzücken, besondere Orte zum Verweilen einladen. Entscheidend war der genius loci, der vom Gartenarchitekten erkannt und ausgelotet werden musste.

          Einen Landschaftsgarten anzulegen erfordert ein gehöriges Maß an Vorstellungskraft und nicht zuletzt finanzielle Mittel, die weit über das hinausgehen, was sich ein Normalbürger heute leisten könnte. Am ehesten bekommt man noch eine Ahnung davon, wenn man Mitglied eines Golfclubs wird; die meisten Plätze sind nach dem Vorbild eines begehbaren Landschaftsgemäldes gestaltet.

          Wenn nichts mehr hilft, dann kommt der Geomantiker

          Gibt es Harmonie auch im weniger großen Maßstab? Und wie kann man ihr auf die Sprünge helfen? Der Bayerische Rundfunk ließ vergangene Woche in einem Radiofeature den Feng-Shui-Experten Stefan Brönnle zu Wort kommen, der ein Büro für „geomantische Planung“ betreibt. Die Geomantik diente ursprünglich als Orakel, bei dem eine Handvoll Sand oder Kiesel geworfen wurde und das entstandene Muster Auskunft über das Schicksal geben sollte. Heutige Geomantiker glauben an die Existenz eines globalen Gittersystems, durch das Energieströme fließen, die sich an einzelnen Knotenpunkten bündeln. Ähnlich wie beim Feng Shui kann man dann bestimmte Maßnahmen ergreifen, um das eigene Wohlbefinden im Einklang mit der Ortskraft zu steigern.

          Nach den Maßstäben der Wissenschaft ist das selbstverständlich Kappes. Brönnle selbst verweist auf sein Studium der Landespflege an der TU München, das er mit einer Diplomarbeit zum Thema Spiritualität und Landschaft abgeschlossen habe. Die Süddeutsche Zeitung berichtete vor einiger Zeit, dass auch an anderen deutschen Hochschulen wissenschaftliche Arbeiten zur Geomantie, zum Wünschelrutengängertum und zur Ätherwissenschaft vergeben wurden. Fehlt noch die Elfenkunde. Darüber nächste Woche mehr.

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