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Bild: Illustration: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Eine Pflanze wie aus einer anderen Welt

Wer sich fragt, wie Pflanzen auf anderen Planeten aussehen könnten, der sollte sich unbedingt einmal eine Welwitschia mirabilis ansehen. Das in Südwestafrika beheimatete Gewächs ist das fremdartigste der Erde.

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          Jüngst erneuerte die Ankündigung eines Berichtes des Pentagons und der amerikanischen Geheimdienste über nicht identifizierte Flugobjekte einmal mehr das Interesse an Außerirdischen. Als der Bericht am 25. Juni herauskam, war die Lektüre allerdings eher antiklimaktisch: dünne neun Seiten darüber, dass man das eine oder andere Objekt eben nicht habe identifizieren können – und natürlich kein Wort über Außerirdische.

          Ulf von Rauchhaupt
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun darf, wer seriös über Bewohner anderer Planeten nachdenkt, sich keinesfalls ihr Äußeres vorstellen. Dieses Bilderverbot verhängte einst der amerikanische Astronom Carl Sagen und brachte als Berater Stanley Kubricks für dessen Science-Fiction-Produktion „2001: A Space Odyssey“ diesen davon ab, Aliens auftreten zu lassen. Wir aber kommen nicht umhin, uns ein Bild zu machen, zumindest von der Vegetation ihres Ursprungsplaneten: Sie könnte aussehen wie die Welwitschia mirabilis.

          Denn dieses in den küstennahen Wüsten Südwestafrikas beheimatete Gewächs aus der Klasse der Coniferopsida ist das sicherlich fremdartigste Grünzeug unseres eigenen Planeten. Eines der größten Exemplare und Attraktion des Namib-Naukluft-Nationalparks sieht tatsächlich aus wie ein Tentakelmonster. Dabei wachsen auch ihm nur zwei bandförmige Blätter aus einem bizarren Holzkorpus heraus – und das immer weiter, solange die Pflanze lebt. Das sind in diesem Fall schon mindestens 1500 Jahre, und so kringeln sich seine Blattbänder vielfach zerfasert und ineinander verschlungen über den Wüstenboden. Ab etwa einem Meter Entfernung vom Holz beginnt das Blattmaterial zu welken. Auch relativ junge Individuen wirken daher immer etwas ungepflegt, was der Welwitschia den Titel der hässlichsten aller Pflanzen eingetragen hat, den wir allerdings doch lieber eingetopften Sukkulenten unter Tüllgardinen vorbehalten wollen.

          Die hässlichste Pflanze der Welt?

          Absonderlicher noch als das Äußere der W. mirabilis ist ihre Stellung im Pflanzenreich. Sie ist die einzige Art der Gattung Welwitschia, diese die einzige Gattung der Familie der Welwitschiaceae und diese in manchen Einordnungen die einzige Familie der Ordnung Welwischiales. Taxonomie ist zuweilen Ermessenssache, und so fassen andere Botaniker die Welwischiaceae mit zwei anderen Familien zur Ordnung Gnetales zusammen. Genetische Untersuchungen ermittelten 2011 die Angehörigen der Familie der Gnetaceae als nächste lebende Verwandten des Wüstengewächses, das zur Feuchtigkeitsversorgung lediglich etwas Morgennebel benötigt. Demgegenüber umfassen die Gnetaceae gut dreißig Arten tropischer Bäume und Schlingpflanzen. Dass diese tatsächlich näher mit der Welwitschia und beide mit unseren Kiefern, Fichten und Tannen zu tun haben, demonstriert einmal mehr, dass Betrachtung noch lange keine Empirie ist.

          Angesichts der besonderen Lebensweise der Welwitschia in den küstennahen Wüsten Namibias und Südangolas sowie ihres langsamen Wachstums könnte man denken, die Pflanze sei kaum zu kultivieren und vom Aussterben bedroht. Beides ist glücklicherweise nicht der Fall. In gut sortierten Tropenhäusern wie dem Frankfurter Palmengarten kann man sie ohne Afrika-Reise bestaunen, und in freier Wildbahn gibt es die Welwitschias noch in so großer Zahl, dass die Pflanze nicht auf die Rote Liste muss. Pilzbefall und Verbiss durch durstige Wildtiere, etwa Zebras, sind allerdings ein wachsendes Problem, ebenso wie Menschen ohne Manieren. Nach Auskunft der Kew Royal Botanic Gardens geht es daher den Welwitschias in Angola am besten. Dort liegen nämlich noch so viele Minen aus dem Bürgerkrieg im Sand, dass die Pflanzen unbehelligt bleiben.

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