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Wellenformation: Wird das Pflaster viel zu nah an den Baum gelegt, heben die Wurzeln den Bodenbelag und bremsen so auch manchmal die Radfahrer aus. Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Was für eine Wurzelei

Der Arm sah nicht gut aus, so grün, gelb, blauviolett schillernd. Aber einem Baum kann man eigentlich keinen Vorwurf machen, dass seine Wurzeln mitunter schmerzhafte Unfälle verursachen.

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          Der Arm sah schon nicht gut aus, so grün, gelb, blauviolett schillernd, und wie der Kopf ohne Helm aufprallte, wollte man sich weder vorstellen noch die daraus folgende Gehirnerschütterung selbst erleben: Ein Baum hatte die Kollegin zu Fall gebracht beziehungsweise wurde ihre Fahrt abrupt von einer Wellenformation am Boden gestoppt. Wurzeln einer zweistämmigen Ulme werfen dort das Pflaster auf, und jeder, der regelmäßig die Ost-West-Route im Bogen durch die Frankfurter Grünanlagen radelt, kennt diese Stelle als tückisches Nadelöhr. Inzwischen ist das Loch, das die Situation monatelang verschärfte, zwar wieder gestopft. Doch weil sich hier zwei Hauptwegesrichtungen kreuzen und eine Kurve zu nehmen ist – bevor oder nachdem drei Ampeln entschieden haben, ob die Straße mit ihren sieben Auto- nebst drei Radspuren zügig zu überqueren ist oder ob es eine gefühlte Ewigkeit dauert –, verwandeln Bodenwellen den Verkehrsknoten nach wie vor in eine Falle. Zumal Minigeländer ein Ausweichen auf die Randstreifen verhindern, wenn irgendwelche Transusen, Handy-Tippsen oder schlicht Ignoranten den Weg auf völlig unvorhersehbare Weise kreuzen.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich mag Bäume, wirklich! Rücksichtslose Passanten und Radfahrer jedenfalls deutlich weniger als besagte Ulme, der offensichtlich zu wenig Freiraum blieb, da man das Pflaster zu nahe legte. Flucht steht außer Frage, womöglich begehrt sie nur auf, setzt sich zur Wehr. So verursachen die Wurzeln von Baum No. 269 ein Problem, das überall dort auftritt, wo die Natur von Asphalt, Beton, Mauerwerk oder Pflastersteinen in ein ziviles Format gezwungen wird. Nicht nur die Gemeinschaft der Bodenorganismen wird beeinflusst, sondern über die Mikro- die sowieso schon eingeschränkte Makroflora.

          Selbstverteidigung der Makroflora

          An Uferwegen, auf Parkplätzen, in Alleen und Grünanlagen verursachen Wurzeln oft Schäden an den Einfassungen und am Belag, die kostspielig saniert werden müssen, wenn sie etwa den Asphalt heben und aufbrechen. Meist ist es nicht damit getan, einzelne, nah zur Oberfläche liegende Wurzeln zu entfernen: Das könnte den Stamm destabilisieren, was fortan eine größere Gefahr birgt als Bodenwellen, denn drei bis elf Strukturwurzeln geben einem Baum den nötigen Stand, und ihr Dickenwachstum spielt eine tragende Rolle. Wie sich das Wurzelwerk gestaltet, hängt von zahlreichen Parametern ab: von der Art natürlich, dem Alter, dem Erdreich, der Bodendichte sowie dessen Struktur, von Verletzungen beim Einpflanzen oder durch spätere Bauarbeiten. Wurzeln orientieren sich an der Erdanziehung, folgen Wasser sowie Nährstoffen; man kann ihren Wuchs durch Düngemittel leiten, mittels Biochemie stimulieren – im Falle bestimmter Eichen durch Paclobutrazol – oder unterbinden.

          In Großbritannien existieren nationale Richtlinien für Arbeiten in Nähe von Bäumen, und die Standards BS3998 und BS5837 widmen sich dem Umgang mit Gehölzen. In langwierigen Studien werden die Einflüsse international untersucht, und sowohl Kirschbäume als auch Birken verrieten mit oberflächlicheren Wurzeln schon ihr zerstörerisches Potential, während Weißdorn weniger Schäden befürchten lässt. Vertikale Barrieren bieten einen gewissen Schutz, und zu bedenken ist, dass Kondenswasser Probleme provoziert, wenn es sich unter einer Asphaltdecke sammelt, weil es nicht versickern kann. Wer sich stolpernd für No. 269 die Kettensäge wünscht, sollte beachten, dass Ulmen in Mitteleuropa vom Aussterben bedroht sind und die Doppel-Krone sicher dem Stadtklima dient.

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