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Eine Mischung explosives Saatgut für die grüne Stadt gefällig? Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Grüne Bomben aus Ton, Samen und Erde

Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wie, wenn ohne Liebe? Wer, wenn nicht wir? Sollen Städte grüner werden, sind auch ihre Bürgerinnen und Bürger gefragt.

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          Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wie, wenn ohne Liebe? Wer, wenn nicht wir? Rio der Erste, König von Deutschland, wollte nicht zusehen, wie alles den Bach runtergeht, Wiesen sich in Autobahnen verwandeln, oder zulassen, dass andere die Welt verschlimmbessern.

          Er habe an der Welt gelitten, erzählen Freunde über Ralph Christian Möbius (9. Januar 1950 bis 20. August 1996), besser bekannt als Rio Reiser. Ein Sprachakrobat, von dessen Intensität, Hingabe und Präsenz geschwärmt wird, und während man seine Lieder hört, fragt man sich doch, auf welche Weise einst Berlin, Nürnberg, Ostfriesland oder die hessische Provinz ihn geprägt haben. Und ich überlege, mit Rio in den Ohren – wann, wenn nicht hier und jetzt im Spätsommer?! –, nachts loszuziehen, um gemäß floraler Guerrilla-Taktik querbeet in der Stadt ein paar „Seedbombs“ zu verteilen, selbstgebastelt eine kreative Variante des Protests. Gegen öde Innenstädte.

          Anleitung zum Seedbomb-Basteln

          Im Internet sind Saatkugeln für Sonnen- oder Schattenplätze zu finden, aber auch Anleitungen zum Eigenbau, auf den Kinderseiten eines Wissenschaftsmagazins etwa. So fällt es leicht, aus Liebe zum urbanen Dschungel zur Gärtnerin zu werden: Tonerde und Blumenerde sind im Verhältnis 1:1 oder 5:3 zu mischen, dazu Samen möglichst heimischer Blütenpflanzen – mehr braucht es nicht, ein bisschen Wasser zum Anrühren nur. Aus der Pampe werden walnussgroße Kugeln geformt, die auf Zeitungspapier trocknen sollen; falls jemand mal Argumente braucht, um zu erklären, wie Print wirkt, darf dieses Beispiel zitieren. Wenige Tage später seien die Seedbombs bereit zum Auswerfen. Manche empfehlen, kleine Erd-Samen-Bällchen mit Ton zu ummanteln, um sie vor Fraß zu schützen. Wer keinen Garten hat, muss sich heimlich austoben, wobei man in Darmstadt, der Wissenschaftsstadt, erkannt hat, dass dort viele Flächen „noch viel Potential für eine ökologische Aufwertung bieten“.

          Für organisierten Wildwuchs sorgen Blühflächenpatenschaften, im Fachhandel gibt es vergünstigte Pflanzpakete, beim Umweltamt kostenloses Saatgut. In Frankfurt am Main heißt es wiederum „Stadtgrün sucht Dich“, nicht Sie, und ich bin froh, dass Goethes Geburtsort (28. August 1749) heute mehr Bäume, Beete und Blumenkübel bietet als „Starterpakete“. In meinem Quartier blühen zuvor trostlose Ecken bunter, und ich wüsste zu gerne, wem die Feigenbäumchen in der Schillerstraße zu verdanken sind, oder: waren. So fern dem Land, wo die Zitronen blühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht; ihr dunkles Laub die Parkzonen schmückte, bevor es jemand herzlos killte.

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