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Geologie : Das Ballett der Kontinente ist ein vielseitiger Tanz

  • -Aktualisiert am

Gefaltete Gesteinsschichten - Zeugen der bewegten Erde Bild: Horst Rademacher

Keine starre Erdkruste: Die Erde ist ein recht dynamischer Planet. Die plattentektonischen Prozesse wirken sich auch auf die Evolution und auf das Klima aus, und liefern einleuchtende Antworten auf viele drängenden Fragen.

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          Charles Richter war bereits ein berühmter Forscher, als sein Buch über die Grundzüge der Erdbebenkunde (Elementary Seismology) erschien. Zusammen mit dem aus Darmstadt stammenden Seismologen Beno Gutenberg hatte er die „Richter-Skala“ erfunden und damit die erste universelle Messlatte für die Stärke von Erdbeben geschaffen. Kaum jemand kannte sich in den kalifornischen Erdbebenverwerfungen besser aus als der am Caltech in Pasadena lehrende Richter.

          Entsprechend seinem Können und seinem Ruf schreibt er in seinem Buch fachkundig und präzise über die Häufigkeit und die Folgen von Erdbeben, über die seismischen Wellen und ihre Ausbreitung im Erdinneren sowie über jene hochempfindlichen Instrumente, mit denen sich die Schwingungen der Erde messen lassen. Wenn er aber auf die Ursachen von Erdbeben zu sprechen kommt, wird seine Argumentation schwammig. Die Kräfte, die das Gestein brechen, seien die gleichen, die auch Gebirgsketten auftürmten. Aber die Suche nach Ursachen der Gebirgsbildung sei die größte noch ungelöste Aufgabe erdwissenschaftlicher Forschung, schreibt Richter.

          Die Erdkruste ist ständig in Bewegung

          Das Buch erschien im Jahre 1958. Wer es heute in die Hand nimmt, wird überrascht sein von der Akkuratesse, mit der Richter die verschiedenen Erdbebenzonen der Welt aufzeichnet. Unerwähnt bleibt aber, warum sich Erdbeben gerade in diesen Zonen und immer nur dort ereignen. Es liegt keineswegs am Unvermögen Richters, dass er Antworten auf solche Fragen schuldig blieb. Wahrscheinlich hat es ihm keine Ruhe gelassen, dass er keine einleuchtende, umfassende Beschreibung der Ursachen von Erdbeben finden konnte. Aber über seinen eigenen Schatten wollte der berühmte Seismologe doch nicht springen. Lediglich in einem kurzen Absatz seines mehr als 750 Seiten langen Buches erwähnt er Begriffe wie Kontinentaldrift oder plastisches Fließen von Gestein im Erdmantel. Man spürt deutlich, dass solche Worte für Richter wie für die meisten seiner Kollegen damals lediglich abwegige Hypothesen waren.

          Heute gibt es dagegen kein Lehrbuch der Geowissenschaften mehr, in dem nicht von der dynamischen Oberfläche der Erde und von der Plattentektonik die Rede ist. Nur in wenigen anderen Zweigen der Naturwissenschaften hat es in den vergangenen 50 Jahren eine derart gründliche Veränderung des Denkens gegeben. Während Richter und andere berühmte Geologen damals nur eine starre, höchstens in der Vertikalen ein wenig bewegliche Erdkruste kannten, weiß man heute, dass die Erde im Inneren und an ihrer Oberfläche ständig in allen Richtungen in Bewegung ist.

          Einleuchtende Antworten auf viele drängenden Fragen

          Der Paradigmenwechsel im Verständnis unseres Planeten vollzog sich nicht in einem einzigen Schritt als Folge einer einzelnen epochalen Entdeckung. Das neue Bild der Erde entstand vielmehr wie ein Puzzle. Forscher mehrerer Disziplinen trugen einzelne Fragmente zusammen, die sich gemeinsam nur auf eine Weise deuten ließen: Auf einem äußerst zähflüssigen Erdmantel, der Asthenosphäre, schwimmt ein gutes Dutzend starrer Platten, die sowohl Kontinente als auch Ozeane tragen können. An den Plattengrenzen kommt es zu Vulkanausbrüchen und verheerenden Erdbeben.

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