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Astronomie : Der Aufbruch zu den Planeten hat begonnen

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Seit Galilei den Himmel durch sein Fernrohr beobachtete, haben Astronomen mit immer größeren Teleskopen den Kosmos immer genauer studieren können. Bild: Stefan Binnewies, Wolfgang Steinicke und Jens Moser: „Sternwarten”. Oculum-Verlag, Erlange 2008, 280 S. zahlr. Abb. geb. 49.90 Euro.

Insgesamt schien die Erforschung der Planeten vor fünfzig Jahren weitgehend abgeschlossen zu sein. Doch unsere Nachbarn im All haben Gestalt angenommen und interessieren jetzt auch die Mineralogen und Chemiker gleichermaßen.

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          Die Astronomen befinden sich zumeist in einer Situation ähnlich jener, die der griechische Philosoph Platon in seinem bekannten Höhlengleichnis beschrieben hat – in der Situation der Menschen, die in einer Höhle festgebunden sind und statt der Realität nur die von einem Feuer erzeugten Schatten dieser Realität wahrnehmen. Zumindest insofern ist der Vergleich berechtigt, als der Himmel zunächst nur zweidimensional erscheint, wodurch selbst die uns benachbarten Himmelskörper – die Sonne, der Mond und die Planeten – wie angeheftete Scheiben wirken.

          Noch vor fünfzig Jahren hat sich dieses Phänomen mit auf die Planetenkunde ausgewirkt, obwohl klar war, dass es sich bei den Planeten und ihren Monden in Wirklichkeit um mehr oder weniger erdähnliche Welten handelt. Abgesehen von den großen Gasplaneten – Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun – sind es Himmelskörper mit fester Oberfläche. In Sciencefiction-Geschichten können deshalb Marsianer auftreten und Menschen zum Mars und zur Venus fliegen.

          Stürme legen dunklen Marsboden frei

          Die Wissenschaft war hinter diesen phantasievollen Vorstellungen weit zurückgeblieben. Nicht nur, dass solche Planetenflüge noch unrealistisch erschienen. In der kartographischen Darstellung schien es sich bei den Planeten auch gar nicht um deutlich erkennbare Welten zu handeln. Denn so charakteristische Strukturen wie Berge oder Schluchten konnte man mit den damaligen Teleskopen nur auf dem Erdtrabanten erkennen, geologische und mineralogische Einzelheiten blieben vollständig verborgen. Die Karten der Planeten zeigten – schemenhaft – allenfalls unterschiedliche Helligkeiten und Farben, alles Weitere blieb Phantasie.

          Der Mars fiel damals, abgesehen von seinen umstrittenen Kanälen, die sich als Täuschung erwiesen, vor allem durch die dunkle Verfärbung großer Teile seiner Oberfläche im Frühling auf. Einige wenige Forscher glaubten deshalb noch bis in die sechziger Jahre hinein, dass sich diese Jahreszeit auf dem Himmelskörper durch ein vermehrtes Wachstum von Flechten auszeichnete. Die spektroskopischen Daten waren damit verträglich. Später fanden die Astronomen heraus, dass die dunkle Verfärbung durch Staubstürme zustande kommt. Diese Stürme legen dunkleren Marsboden frei.

          Mit der Raumfahrt bahnte sich ein dramatischer Wandel an

          Insgesamt schien die Erforschung der Planeten vor fünfzig Jahren weitgehend abgeschlossen zu sein. Man hatte in unserem Sonnensystem schon fast alles erkundet, was mit den damaligen Teleskopen möglich war, und größere Fernrohre lagen weit jenseits des technisch Möglichen. Auch interplanetare Raumflüge lagen – kurz nach Beginn der Raumfahrt; der erste Satellit, Sputnik 1, war am 4. Oktober 1957 gestartet worden – für viele Wissenschaftler in weiter Ferne. Deshalb gab es eine Zeitlang kaum noch junge Astronomen, die sich der Planetenforschung zuwenden wollten.

          Mit der Raumfahrt bahnte sich allerdings ein dramatischer Wandel an, der die Planetenforschung in ungeahnte Höhen trug. Innerhalb kürzester Zeit sind die Planeten und Monde zu wirklichen Welten geworden, die längst auch mit denselben Verfahren wie die Erde studiert werden. Die Geologen, Mineralogen und Chemiker haben sie für sich entdeckt und gehen Fragen nach, die kurz vorher noch undenkbar waren – zum Beispiel, ob auf der Venus jemals plattentektonische Vorgänge stattgefunden haben. Es ist der Zeitpunkt abzusehen, zu dem die Erforschung der Planeten gar nicht mehr in der Hand der klassischen Astronomen liegt.

          Mit himmelsmechanischen „Tricks“ an die Grenzen des Sonnensystems

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