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Vier Fragen zur Immunität : Was steht drin im Corona-Impfpass?

Eine App für mehr Freiheiten? So könnte der grenzüberschreitende Corona-Impfausweis künftig aussehen. Bild: Getty / MOntage Dirk Steinhauer

Immun gegen Corona, geht das überhaupt? Der europäische Impfpass ist von der Politik inzwischen fest avisiert, aber es sind einige Fragen offen. Was könnte in einem Immunitätszertifikat stehen, das digital überall abrufbar ist? Vier Fragen, vier Antworten.

          6 Min.

          In Brüssel und Berlin ist er schon fest eingeplant. Ungefähr drei Monate noch, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an diesem Freitag an, dann sollen die EU-Bürger den digitalen Impfpass bekommen. Was aber steht da drin? Und vor allem: Welche Sonderrechte sind mit dem neuen Immunitätszertifikat verbunden, was darf der Träger, was Nichtgeimpfte nicht dürfen? In der Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts machte Spahn deutlich, dass letztere Frage, die zu möglichen Privilegien etwa im innereuropäischen Reiseverkehr oder im Hinblick auf Veranstaltungen, noch ausgehandelt werden muss. Davor stehen allerdings jenseits des Datenschutzes vor allem noch Antworten auf einige medizinische und immunologische Fragen, die die Aussagekraft des Impfpasses beeinflussen – und nach denen noch immer gesucht wird.

          1. Was sagt der Stempel im Impfpass?

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Zuerst: das klassische gelbe Impfheft dürfte keine Rolle mehr spielen. Der Stempel hat ausgedient. Ein digitaler Impfpass war ohnehin für Anfang 2022 zum Start der elektronischen Patientenakte vorgesehen. Mit dem Corona-Pass soll es nun einen mobilen digitalen Impfausweis ein halbes Jahr vorher geben. Was aber steht dann da, wenn man die Corona-Impfung anklickt?

          „Geimpft“, Impfdatum, Impfstoffmarke und Impfdosis und gegebenenfalls die Angaben zur Auffrischungsimpfung, so wie das im gelben Heft bisher schon für andere Impfungen festgehalten wird, werden in irgendeiner Form nachzulesen sein. Gut möglich aber, dass noch einiges dazu kommt. Was wohl kaum vermerkt werden wird, ist: Ob man einen in der Zulassung als wirksam ausgewiesenen Impfstoff wie die von BioNTech/Pfizer oder Moderna bekommen hat, oder einen formal etwas weniger wirksamen wie den Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca/Oxford. Denn was den Schutz vor der Coronakrankheit Covid-19 – das wichtigste Impfziel – betrifft, sind alle Wirkstoffe gleich: Sie schützen nach den Erfahrungen aus Zigmillionen Impfungen bisher zu 100 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf und vor Tod.

          Das gilt für die drei genannten zugelassenen Impfstoffe, aber auch für die gerade im Zulassungsverfahren geprüften neuen Vakzinen „Novavax“, „Sputnik V“ aus Russland, sowie für den Impfstoff von Johnson & Johnson. Unterschiede in der Effektivität wurden lediglich beim Schutz vor Infektionen mit anschließendem milden Covid-19-Verlauf (der nicht im Krankenhaus behandelt muss).  

          2. Sagt das Impfzertifikat etwas über die Ansteckungsschutz aus?

          Die Frage, inwieweit Geimpfte keine Sars-CoV-2-Erreger mehr übertragen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dezimiert eine Impfung nach wenigen Wochen, sobald die Immunantwort auf dem Höhepunkt ist, auch die Viren im Nasen-Rachenraum. Der Immunologe Leif-Erik Sander von der Charité ist überzeugt: „Die Impfungen haben einen massiven Einfluss auch auf die Infektiosität der Geimpften.“ Kein Experte erwartet allerdings von den bisher zugelassenen Wirkstoffen eine sogenannte sterile Impfung. Eine Garantie, dass man sich nicht ansteckt, wird es nicht geben. Und ziemlich sicher auch kein Schwarzweiß, was die Infektiosität von Geimpften betrifft. Das bedeutet: Steckt sich ein Geimpfter an mit dem Virus, kann es in den Schleimhäuten der oberen Atemwege durchaus zu einer Vermehrung von Viren kommen. Ob diese Infizierten ansteckend sind, wird derzeit in zahlreichen Studien geprüft.

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