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Folgen des Artensterbens : Essen wir künftig nur noch Haferbrei?

  • -Aktualisiert am

Jeden Tag Getreidemampf. Im Mittelalter kam man so ja auch zurecht. Bild: StockFood

Der düstere UN-Bericht zur Biodiversität der Erde benennt klar die Hauptursache für den Artenschwund: die ausufernde Landnutzung durch den Menschen. Doch wie sonst können wir im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen ernähren?

          Für den Bericht des Weltbiodiversitätsrates haben Hunderte Wissenschaftler drei Jahre lang recherchiert. Am Montag wurde er veröffentlicht. Demnach ist jede achte bekannte Tier- und Pflanzenart akut vom Aussterben bedroht. Der aktuelle Artenschwund verläuft mindestens hundertfach schneller als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Und schuld daran ist eindeutig der Mensch. Als stärksten Treiber des Artensterbens, noch vor Umweltverschmutzung und Klimawandel, machen die Autoren den Landverbrauch unserer Spezies aus.

          Rund die Hälfte der bewachsenen Landfläche der Erde ist inzwischen Agrarland. Die Expansion erfolgte zuletzt vor allem in den Tropen. Zwischen 1980 und 2000 wurden dort rund 100 Millionen Hektar Wildnis zunichte, davon rund 42 Millionen Hektar für Viehzucht in Südamerika und 6 Millionen für Palmölplantagen in Südostasien. Im schon lange intensiv beackerten Europa hingegen gehen pro Jahr rund 100.000 Hektar Agrarland verloren. Im Wesentlichen werden daraus Siedlungsgebiete, deren Fläche sich seit 1992 weltweit mehr als verdoppelt hat (siehe „Im grünen Bereich“).

          Kulturlandschaft oder Agrarsteppe

          Dabei sind Artenvielfalt und Landwirtschaft nicht grundsätzlich inkompatibel. Bestimmte Nutzungsweisen schaffen sogar erst Lebensraum für viele Arten. Zu ihnen gehört etwa die Feldlerche, der Vogel des Jahres 2019. Zum Brüten ist sie auf offenes Land angewiesen, das es in Mitteleuropa ohne die Felder und Wiesen der Menschen kaum gäbe. Doch in der industrialisierten Agrarsteppe modernen Stils findet sie kaum noch Brutplätze und Insektenfutter. In Deutschland haben sich die Bestände seit 1980 mehr als halbiert, der atemlose Revier-Gesang der Männchen gehört längst nicht mehr überall zum Soundtrack sonniger Sommertage.

          Was es auf globaler Ebene bräuchte, so der neue Biodiversitätsbericht, wäre ein Stopp jeglichen weiteren Landverbrauchs sowie eine biodiversitätsfreundlichere Bewirtschaftung der vorhandenen Flächen. Das würde auch die Klimaerwärmung verlangsamen, bindet ein Hektar Regenwald doch ungleich mehr Kohlenstoff als die Rinderweide, die nach seinem Abholzen entsteht. Aber wie soll das funktionieren angesichts einer Weltbevölkerung, die um das Jahr 2050 die Zehn-Milliarden-Marke knackt – zehn Milliarden Menschen mit Recht auf Lebensraum und ausreichende Ernährung?

          Das World Resources Institute (WRI) in Washington skizziert in einem Ende 2018 veröffentlichten Bericht, wie dies gelingen könnte. Anlass war der Klimagipfel von Kattowitz, deshalb orientiert sich der Bericht vor allem an der Erreichung der Klimaziele von Paris. Doch insofern es darum geht, weitere Umwandlung von Flächen in Acker zu verhindern, haben Klima- und Artenschutz dieselben Ziele.

          Das in dem Bericht gezeichnete Ausgangsszenario für den Fall eines Weiterwirtschaftens wie bisher ist deprimierend: Zehn Milliarden Menschen benötigten 56 Prozent mehr pflanzliche Kalorien als heute angebaut werden. Nach bisheriger Manier wären dafür zusätzliches Ackerland von der doppelten Fläche Indiens notwendig. Doch die riesigen Lücken zwischen diesem „Weiter so“-Szenario und dem einer nachhaltigen Zukunft lassen sich nach Ansicht des WRI durchaus schließen. Die Antwort sei eine Kombination von vielen kleinen und großen Maßnahmen, die nur in ihrer Summe ausreichend wirksam sein könnten.

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