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Wirtschaftsforscher warnen : Betreuungsgeld steigert Armutsrisiko von Frauen

  • -Aktualisiert am

Mehr Krippenplätze, weniger Probleme: Zu diesem Schluss kommen deutsche Wirtschaftsforscher - und warnen vor dem Betreuungsgeld Bild: AP

Wirtschaftsforscher schlagen Alarm: Das geplante Betreuungsgeld lande voraussichtlich bei niedrig qualifizierten, wenig verdienenden Müttern und Familien.

          Das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld von bis zu 150 Euro für Frauen, die für ihre Kinder keinen Krippenplatz in Anspruch nehmen, steigert nach Ansicht von Experten das Armutsrisiko geringqualifizierter Frauen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Sowohl die Erfahrungen aus Thüringen, wo es eine solche Sozialleistung schon gibt, als auch verschiedene Modellrechnungen zeigten, dass sich in diesem Fall gerade in Teilzeit arbeitende und geringqualifizierte Mütter häufig vom Arbeitsmarkt zurückzögen, sagt Axel Plünnecke, Bildungsökonom des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.

          „Das ist schade, denn gerade diese Gruppe hat Probleme, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und ist besonders armutsgefährdet.“ Plünnecke weist darauf hin, dass Vollzeit arbeitende Alleinerziehende nur ein Armutsrisiko von 5 Prozent hätten, nicht erwerbstätige Alleinerziehende dagegen eines über 50 Prozent.

          Die Erwerbsbeteiligung sei zentral für die Armutsütterbekämpfung. Für bessere Erwerbschancen aber sorge nicht ein Betreuungsgeld, sondern eine „investive Sozialpolitik“, also etwa der Krippenausbau.

          Kaum Einfluss auf Akademikerinnen

          Akademikerinnen mit Kind dürften sich dagegen kaum vom Betreuungsgeld beeinflussen lassen, sagt IW-Ökonom Plünnecke. „Entweder sie haben ohnehin eine starke Familienpräferenz, dann nehmen sie das Geld einfach mit. Oder sie haben eine starke Arbeitspräferenz, dann ändern sie nicht wegen 150 Euro ihr Verhalten.“

          Wenn es aber nicht genügend öffentliche Betreuungsplätze gebe und die Frauen auf sehr teure private Angebote ausweichen müssten, könne das Betreuungsgeld sogar diese Gruppe vom Arbeitsmarkt fernhalten.

          Aus Sicht der von Fachkräftesorgen geplagten Wirtschaft ist zudem nicht nur das Fernbleiben der Mütter vom Arbeitsmarkt ein Problem. Hinzu kommt, dass Studien zufolge besonders Kinder aus bildungsfernen Schichten von einem frühen Kitabesuch profitieren.

          Warnung vor Mitnahmeeffekten

          Zu ähnlichen Folgerungen kommen auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

          Auch sie warnen vor Mitnahmeeffekten der Mütter, die ihre Kleinkinder ohnehin zu Hause erziehen wollten. Ein Gutteil des Geldes fließe an Migrantenfamilien, an Eltern mit niedrigen Einkommen und niedriger Qualifikation.

          Für diese Gruppen schaffe das Betreuungsgeld Anreize, auf die neue institutionelle Betreuungsplätze zu verzichten. Eine ZEW-Studie prognostiziert, dass die Einführung eines Betreuungsgeldes den Staat zwischen 1,4 und 1,9 Milliarden Euro im Jahr kostet. Nach neuen Berechnungen des ZEW könnten die Eltern von rund 1,1 Millionen Kindern jährlich die Leistung in Anspruch nehmen, rund 445.000 mehr als die Regierung schätzt.

          Dies koste etwa 800 Millionen Euro im Jahr zusätzlich. Die Regierung veranschlagt für die Übergangsphase im Jahr 2013 Ausgaben von 400 Millionen Euro, 2014 stehen 1,2 Milliarden Euro bereit.

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