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Zweites Todesopfer gefunden : „Ein tragischer Tag für Leverkusen“

  • -Aktualisiert am

Leverkusen: Eine dunkle Rauchwolke steigt über dem Chemiepark auf. Einsatzkräfte der Werkfeuerwehr sind im Einsatz. Bild: dpa

Auf dem Gelände der Sondermüllverbrennungsanlage des Chemieparks in Leverkusen explodieren drei Tanks. Zwei Menschen sterben, Dutzende werden verletzt. Noch werden Arbeiter vermisst.

          2 Min.

          Der Knall der Explosion war noch kilometerweit zu hören, die danach aufsteigende Rauchwolke auch von anderen Städten zu sehen: Im Chemiepark in Leverkusen hat es am Dienstagmorgen eine Explosion gegeben – aus „bisher ungekannter Ursache“, wie der Chemieparkbetreiber Currenta zunächst mitteilte. Nach Currenta-Angaben ist die Explosion nicht auf dem Kerngelände des Chemieparks, sondern im Bereich der Deponie und Müllverbrennung passiert. Nach der Explosion habe ein Tanklager Feuer gefangen. Das Feuer wurde am späten Mittag gelöscht.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          31 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, fünf von ihnen werden intensivmedizinisch versorgt, wie die Kölner Polizei mitteilte. Der Chemieparkbetreiber gab am Nachmittag bekannt, dass ein vermisster Mitarbeiter tot aufgefunden worden sei, vier weitere wurden noch vermisst. Am Abend bestätigt der Betreiber den Fund einer zweiten Leiche. „Wir sind tief betroffen über diesen tragischen Unfall“, erklärte der Leiter des Chemieparks, Lars Friedrich. „Wir setzen alles daran, dass wir die Situation beherrschen. Wir haben noch eine Gefährdungslage“, sagte Friedrich in einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Am frühen Abend dann kam die Entwarnung: Der einminütige Dauerton der Sirenen bedeutete das Ende der Gefahrenlage.

          Auf dem Gelände der Sondermüllverbrennungsanlage sind drei Tanks, die Produktionsabfälle der Chemieparkkunden enthalten, explodiert. Gebrannt haben Lösungsmittel, teilte der Chemieparkbetreiber mit. Nach der Explosion stieg zunächst ein weißer und dann ein schwarzer Rauchpilz auf, durch den Wind zog die Rauchsäule zunächst in Richtung Bergisches Land. „Eine genaue Analyse der Wolke liegt uns zur Zeit nicht vor. Wir müssen da um Geduld bitten“, sagte Friedrich. 

          Die Feuerwehr wies Anwohner darauf hin, Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich wegen der Rauchentwicklung in Gebäude zu begeben. Warnmeldungen über die NINA-App wegen des Rauchs gab es auch für die unmittelbar in der Nähe liegenden Städte Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen – über mögliche Geruchsbelastungen wurden auch Einwohner aus Solingen informiert. In einigen Stadtteilen in Leverkusen wurden vorsorglich Spielplätze geschlossen. Anwohner, die Obst im Garten haben, sollten es vor dem Verzehr abwaschen.

          Auch Autobahnen waren gesperrt

          „Es ist ein tragischer Tag für Leverkusen“, sagte Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD). Die Stadt sei eng verwurzelt mit der Chemieindustrie, in fast jeder Familie gebe es jemanden, der im Chemiepark arbeitet oder gearbeitet hat. Rund 50 bis 60 Mitarbeiter sind nach Angaben von Currenta im Schnitt in dem Gebiet der Sondermüllanlage, der Deponie und der Gemeinschaftskläranlage jeden Tag im Einsatz.

          Dieser Bereich liegt nördlich des Autobahnkreuzes Leverkusen, wo die Autobahnen A1, A59 und auch die A3 kreuzen. Der eigentliche Chemiepark liegt südlich der Autobahn. Nach der Explosion hatte die Polizei zunächst die A1 in beide Richtungen gesperrt, auch auf den anderen Autobahnen entstanden am Dienstag Staus. Am Nachmittag wurden die Sperrungen wieder aufgehoben.

          Weil durch die Explosion auch eine Stromleitung beschädigt wurde, hatte Currenta auch die Stromversorgung im Chemiepark kurzzeitig als nicht gesichert angesehen. „Wir haben die Produktion bei unseren Kunden drosseln lassen, damit der Stromverbrauch runtergeht“, sagte Friedrich. Zu den Kunden im Chemiepark gehören etwa der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer und das Spezialchemieunternehmen Lanxess. Die Mitarbeiter aus administrativen Bereichen wurden daher nach Hause geschickt, damit es im Falle eines Stromausfalls nicht noch mehr Chaos im Standort gibt. „Es gab keine Räumung des Standortes aufgrund des Ereignisses, sondern aufgrund der Stromversorgung“, sagte Friedrich. 

          Wann die Ursache des Unglückes geklärt sei, blieb zunächst offen. Der Einsatzschwerpunkt der Werksfeuerwehr sei aktuell die Suche nach den Vermissten. Erst danach könnten die Tanks untersucht werden.

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