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Zweites Hilfspaket : Banken müssen für Griechenland stärker bluten

Es wird noch teurer: So sieht der nächste Versuch aus, Griechenland zu retten Bild: F.A.Z.

Die privaten Gläubiger haben sich in der Umschuldung nicht durchsetzen können. Sie müssen auf noch mehr Geld verzichten. Davon ist auch der deutsche Staat betroffen.

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          Die Verluste aus der griechischen Umschuldung fallen für die privaten Gläubiger wie Banken, Versicherungen und Fonds höher aus als bislang angenommen. Wie das griechische Finanzministerium am Dienstag mitteilte, müssen sie auf 53,5 statt 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Damit sinkt die Schuldenlast Griechenlands um 107 Milliarden Euro. Zudem kündigte Finanzminister Evangelos Venizelos einen Gesetzesentwurf zur nachträglichen Einführung von Umschuldungsklauseln an. Damit werden auch die unwilligen Gläubiger gezwungen, an der Umschuldung teilzunehmen. So soll sichergestellt werden, dass der beabsichtigte Abbau der Schuldenlast erreicht wird. Über den Gesetzentwurf soll das griechische Parlament am Donnerstag abstimmen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die restlichen Forderungen im Nennwert von 93 Milliarden Euro erhalten Banken und Versicherer kurzfristige Anleihen des Euro-Rettungsfonds EFSF über 30 Milliarden Euro und neue griechische Anleihen über 63 Milliarden Euro. Die privaten Gläubiger wurden in den Verhandlungen vom Internationalen Finanzverband IIF vertreten. Der Anleihetausch soll bis zum 12. März abgeschlossen werden. Die neuen Anleihen haben eine Laufzeit von 30 Jahren und werden mit durchschnittlich 3,65 Prozent verzinst. Nach einer IIF-Mitteilung beträgt der Durchschnittszins in den ersten acht Jahren nur 2,63 Prozent. Wegen des niedrigen Zinses, der deutlich unter den aktuellen Marktzinsen Griechenlands liegt, fallen für Banken und Versicherer hohe Barwertabschreibungen an.

          Ein empfindlicher Verlust

          Sollte sich durch die Umschuldung der Marktzins Griechenlands dem portugiesischen Zins annähern, erwartet Klaus-Peter Feld, Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), einen Abschreibungsbedarf von 70 Prozent oder etwas mehr. Dass Griechenland den privaten Gläubigern darüber hinaus noch zusagt, die Verzinsung an das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zu knüpfen, hält Feld für vernachlässigenswert. Er spricht von einem Besserungsschein. Das griechische Finanzministerium ließ konkrete Wachstumsraten noch offen.

          In Bankenkreisen wird der Abschreibungsbedarf auf 74 Prozent geschätzt. Damit kommen für die deutschen Banken zum Teil noch weitere Wertberichtigungen hinzu. Von einem enormen Beitrag der privaten Banken sprach Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Er verwies darauf, dass die Banken in den vergangenen Jahren einen Teil der Abschreibungen schon vorweggenommen hätten. Laut Sparkassenpräsident Heinrich Haasis wurde der Spielraum für die Beteiligung der privaten Gläubiger sehr weit ausgereizt. Die meisten Banken hätten ihre griechischen Forderungen bislang um 70 Prozent abgeschrieben, so die Analysten der französischen Bank BNP Paribas.

          Die Deutsche Bank hat im vergangenen Geschäftsjahr den Bestand an griechischen Staatsanleihen von 1,6 Milliarden auf 448 Millionen Euro abgeschrieben. Die Commerzbank hat ihre Forderungen gegenüber dem griechischen Staat um 52 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro wertberichtigt. Ein empfindlicher Verlust droht noch der staatlichen Abwicklungsbank (“Bad Bank“) der Hypo Real Estate, für die der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin und damit der deutsche Steuerzahler haftet. Der Vorsitzende des Soffin-Leitungsausschusses, Christopher Pleister, berichtete dem Haushaltsausschuss des Bundestags am 23. Januar, dass allein eine 50-prozentige Abschreibung auf Griechenland-Anleihen für die FMS-Wertmanagement einen zusätzlichen Verlust von 6 Milliarden Euro bedeuten würde. Dieser dürfte nun noch steigen und müsste durch den Soffin ausgeglichen werden. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hielt Ende September griechische Anleihen über 628 Millionen Euro, die WGZ-Bank über 531 Millionen Euro und die DZ-Bank über 488 Millionen Euro. Der Rückversicherer Munich Re bewertet seine griechischen Anleihen mit rund 400 Millionen Euro oder 23 Prozent des Nennwerts. Bei der Allianz waren es Ende September 497 Millionen Euro beziehungsweise 39 Prozent des Nennwerts.

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