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Quantencomputer in Deutschland : „In fünf Jahren wollen wir einen wettbewerbsfähigen Rechner“

Peter Leibinger Bild: Reuters

Deutschland stellt zwei Milliarden Euro bereit für Quantencomputer. Regierungs-Berater Peter Leibinger erklärt, was damit geschehen soll.

          8 Min.

          Um die Technik von morgen ist ein heißer Wettbewerb entbrannt. Quantencomputer stehen dabei ganz oben auf der Agenda – in Amerika, in China, Japan und Europa. Die Staaten stecken große Beträge in die Grundlagenforschung.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bundesregierung stellte nun weitere zwei Milliarden Euro bereit. Für ihre Verwendung gibt es nun eine ambitionierte Roadmap. Unternehmen wie VW, Zeiss, Trumpf und Böhringer Ingelheim suchen schon nach Anwendungen, IT-Konzerne wie Google und IBM bauen schon die ersten Rechner.

          Mittlerweile bahnt sich die Quantentechnologie der zweiten Generation den Weg von den Forschungsinstituten in die Wirtschaft. Sie will quantenmechanische Effekte nicht mehr nur passiv nutzen, sondern aktiv herstellen. Das aber ist überaus kompliziert – denn die Welt der kleinsten Teilchen kennt ihre eigenen Gesetze.

          Peter Leibinger (54), Sprecher des Expertenrates Quantencomputing der Bundesregierung, Ingenieur und beim schwäbischen Maschinenbauer Trumpf verantwortlich für Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Service, Auf- und Ausbau neuer Geschäftsfelder, erklärt, wie die Roadmap aussieht und was nun getan werden soll.

          Herr Leibinger, Deutschland spielt bei der Erforschung und Entwicklung von Quantentechnologie bislang eine führende Rolle. Haben wir angesichts der gewaltigen Ressourcen, welche Amerikaner und Chinesen in diese Forschungsfelder pumpen, die Kraft, weiterhin vorne mitzuspielen?

          Ja. Wir waren hier früh am Ball, und die Bundesregierung hat im Rahmen ihres Konjunkturpakets im vergangenen Jahr angekündigt, weitere zwei Milliarden Euro bis 2024 in die Forschung und Entwicklung von Quantencomputing zu stecken.

          Und das reicht?

          Das ist ein wirklich großer Schritt. Denn da wird viel Basistechnologie entwickelt, die auch für andere Quantentechnologien gebraucht wird. Wir haben in Deutschland über die vergangenen Jahre schon einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag jährlich in Forschungen und Entwicklungen in der Photonik, also der technischen Nutzung von Licht, gesteckt. Die photonische Quantentechnologie ist davon ein Teilgebiet. Das klingt erst einmal viel, doch die Photonik ist auch ein großes Feld. Nun kommen zwei Milliarden Euro obendrauf allein für die Quantentechnologie. Und das ist gut.

          Detailaufnahme des europäischen Quantencomputers „OpenSuperQ“ im Forschungslabor in Jülich
          Detailaufnahme des europäischen Quantencomputers „OpenSuperQ“ im Forschungslabor in Jülich : Bild: Foto FZ-Jülich

          Dieser Fördertopf ist hierzulande einer der größten seiner Art. Wie wird er bedient?

          Wir haben Spitzeninstitute und sehr forschungsintensive Unternehmen. Das kostet viel Geld. Das Kanzleramt hat einen gemeinsamen Expertenrat berufen, damit die einzelnen Ressorts hier nicht getrennte Wege gehen, damit die Industrie von Anfang an mit am Tisch sitzt, und damit wir schnelle und gute Ergebnisse bekommen.

          Ist da produktseitig schon etwas zu erwarten?

          Die ersten Produkte, die wir erwarten, kommen wohl aus der Quantensensorik sowie aus dem Quantenimaging, also der Projektions-Technologie und bildgebenden Verfahren in der Medizin. Das könnte das tägliche Leben schon verändern. Darüber hinaus wird die Quantentechnik in der Kryptografie, also in der Verschlüsselung von Daten, schon bald eine zentrale Rolle spielen.

          Hier mischen in Amerika und China vor allem die Militärs und die Luftfahrtindustrie mit. Wie ist das in Europa?

          Beide Industrien liegen nah beieinander. Das ist in Amerika so, in China – und zu gewissem Maß auch in Europa. Wir müssen bei dieser Entwicklung einfach dabei sein, um souverän und autonom zu bleiben und nicht in Abhängigkeiten zu geraten.

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