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Zwei Arten der Konstruktion : Physisch oder synthetisch?

Rund 1.600 internationale Aktien sind im MSCI World enthalten. Ihn nachzubilden, ist daher recht komplex. Bild: NATANAELGINTING/ISTOCK/THINKSTOCK

ETFs kaufen entweder die Wertpapiere des zugrunde liegenden Index. Oder sie werden indirekt über Tauschgeschäfte konstruiert. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

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          Das Prinzip von ETFs ist ganz einfach: Sie bilden den zugrunde liegenden Index nach. Wer jedoch wissen will, wie die Finanzprodukte konstruiert werden, muss tiefer in die Materie einsteigen. Bei der Indexnachbildung gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Varianten: ETFs mit direkter (physischer) Replikation und ETFs mit indirekter (synthetischer) Replikation. Beim ersten Typ kauft der Fonds sämtliche Wertpapiere des zugrunde liegenden Index und gewichtet diese eins zu eins zum entsprechenden Börsenbarometer. ETFs mit synthetischer Replikation hingegen setzen bei der Indexnachbildung auf Tauschgeschäfte mit Banken.

          Physische Nachbildung ist teurer

          Die physische Replikation ist für Investoren einfach nachzuvollziehen. Dabei investiert der Indexfonds in die Indexbestandteile, um die Wertentwicklung des Barometers nachzubilden. Der Nachteil: Im Vergleich zu synthetischen ETFs entstehen in der Regel höhere Gebühren. Dadurch können die direkten Nachbildungen stärker vom Zielindex abweichen und den sogenannten Tracking Error verstärken. Unter Tracking Error versteht man die Standardabweichung des Renditeunterschieds zwischen ETF und Benchmark. Die physische Replikation ist aufwendiger und deswegen kostenintensiver, da der ETF in alle Indexbestandteile – oder zumindest in einen Großteil – investieren muss. Die zusätzlichen Kosten gegenüber der synthetischen Bauweise lassen sich an der höheren Gesamtkostenquote (TER) des Fonds ablesen.

          Ein anderer Grund für die Abweichung des Performance-Unterschieds zwischen ETF und Referenzindex bei der physischen Replikation ist das sogenannte Sampling-Verfahren. Dabei halten Emittenten nur einen exemplarischen Teil eines Index. Hintergrund: Die vollständige Nachbildung von „kleinen“ Indizes wie dem Dax ist kein Problem, da der ETF nur in 30 Titel investieren muss. Beim MSCI World, der rund 1.600 internationale Aktien enthält, ist dies schon komplexer. Der breit aufgestellte Index enthält auch illiquide Aktien.

          „Synthetisch replizierte ETFs erlauben es, in bestimmten Fällen einen Index effizienter und besser nachzubilden. Gerade bei sehr breiten oder illiquiden Marktindizes können synthetische ETFs Vorteile bieten“, sagt Dominique Riedl, Geschäftsführer der Informationsplattform justETF. Eine physische Replikation könne insbesondere bei Märkten mit Handelsrestriktionen, Eigentumsbeschränkungen und verschiedenen Zeitzonen schwierig werden.

          Bei vielen Anlegern hierzulande scheint jedoch das physische Nachbildungsmodell beliebter zu sein. „In den vergangenen Monaten haben ETF-Anbieter gerade für Standardindizes auf Aktien wie Dax oder FTSE 100 sowie Anleihen-ETFs die Replikationsmethoden in vielen Fällen auf physisch umgestellt oder die Produktpalette um solche Produkte ergänzt“, berichtet Riedl. Dies ist nach seiner Einschätzung durch die steigende Kundennachfrage getrieben. Diese Tendenz kann auch Markus Jordan, Herausgeber des ETF-Fachblatts „Extra-Magazin“, bestätigen: „Es gibt eine große Nachfrage von Seiten der Anleger nach ETFs mit physischer Indexreplikation. Die ETF-Anbieter haben darauf reagiert und die Produktpalette Stück für Stück umgestellt.“

          Ein weiterer Vorteil von synthetischen ETFs ist die steuerliche Behandlung. Im Mittelpunkt dabei steht, dass bei dieser Indexfonds-Konstruktion die Dividende als Kursgewinn betrachtet wird und nicht als Dividende wie beim physisch replizierenden ETF. Das heißt, dass synthetische ETFs nicht jährlich steuerlich belastet werden. Es fällt erst Abgeltungsteuer auf die Gewinne an, wenn der Fonds veräußert wird. Der Steuervorteil entfällt jedoch ab 2018. Dann soll das Investmentsteuergesetz angepasst werden. „Dann ist dies kein Unterscheidungsmerkmal mehr“, erläutert Riedl.

          Replikation über ein Tauschgeschäft

          Wie werden Indizes künstlich nachgebaut? Dies geht mit einem sogenannten Swap, also einer Vereinbarung, die der ETF-Emittent mit einer Bank abschließt – meist mit der Muttergesellschaft des Emittenten. Der Kontrahent verpflichtet sich, die Performance des Referenzindex zum Beispiel gegen die Rendite des Aktienkorbs zu tauschen. Der Haken: Anleger gehen ein Kontrahentenrisiko ein, da das Risiko besteht, dass der Swap-Anbieter seine Verpflichtungen im Insolvenzfall nicht mehr erfüllen kann. Das Verlustrisiko ist jedoch durch rechtliche Vorgaben auf höchstens zehn Prozent des Fondsvermögens begrenzt. Zudem können Swap-Kontrahenten das Risiko komplett ausschalten, indem sie den Swap vollständig besichern.

          Unter dem Aspekt des Ausfallrisikos macht es keinen großen Unterschied, ob der Index physisch oder synthetisch abgebildet wird, sagt Jordan. „Bei der physischen Indexabbildung habe ich zum Teil Ausfallrisiken bei der Wertpapierleihe. Bei den synthetischen ETFs gegenüber dem Swap-Partner.“ Wer aber auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte seiner Meinung nach physisch replizierende ETFs bevorzugen. „Das Angebot ist inzwischen so groß, dass für jeden Anlagewunsch beide Varianten der Indexabbildung verfügbar sind."

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