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GfK-Umfrage : Zuwanderung ist die größte Sorge der Deutschen

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Flüchtlinge warten auf den Einlass zur Jobbörse in Berlin, Bild aus dem Februar 2016 Bild: dpa

Laut einer neuen Studie sind Zuwanderung und Integration die Themen, die die Deutschen und ihre Nachbarn am meisten beschäftigen. Eine Sorge, die Wahlkämpferin Angela Merkel zum Thema macht.

          Das Thema Zuwanderung und Integration treibt weiter viele Deutsche um, hat aber an Brisanz verloren. Zwar mache sich mit 56 Prozent noch immer knapp mehr als jeder Zweite darüber Gedanken, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des GfK-Vereins in Nürnberg. Doch lag der Wert im Jahr 2016 noch bei 83 Prozent.

          „Seitdem die Balkanroute geschlossen wurde und im März 2016 das EU-Türkei-Abkommen in Kraft getreten ist, hat sich die Zahl der ankommenden Flüchtlinge erheblich verringert“, sagte Vereinsgeschäftsführer Raimund Wildner. „Auch wenn ein weiterer Zuzug damit erst einmal gebremst worden ist, sehen viele Deutsche dennoch die gesellschaftliche Aufgabe, die Migranten in Deutschland zu integrieren.“

          In Deutschland werden Zuwanderung und Integration der Studie zufolge nach wie vor als größte Herausforderung betrachtet – wie auch in Österreich, Schweden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Auf den zweiten Platz hat sich bei den Deutschen erstmals die Sorge vor Armut geschoben. 17 Prozent der Befragten äußerten entsprechende Befürchtungen, im vergangenen Jahr waren es noch sieben Prozent. Als Problem werde vor allem Altersarmut genannt, hieß es.

          Merkel hält breite gesellschaftliche Debatte für notwendig

          Bundeskanzlerin Angela Merkel adressierte am Freitag beim Besuch eines Hilfsprojekts für Zuwanderer in Berlin die Sorgen der Wähler. Sie halte eine breite gesellschaftliche Debatte über mögliche Grenzen bei der Aufnahme von Flüchtlingen für nötig. „Wir sind in Deutschland hin- und hergezogen“, sagte Merkel. „Wir sehen das Elend auf der Welt.“ Millionen Menschen seien in Syrien, seinen Nachbarstaaten oder in Afrika auf der Flucht. „Und viele Deutsche sagen, ok, wir habe das sehr gerne gemacht, wir haben Menschen in Not aufgenommen, aber wie viele können wir aufnehmen?“ Deutsche hätten zum Teil auch Ängste und fragten sich, was Zuwanderung für sie bedeute, so Merkel bei einer Diskussion mit jungen Flüchtlingen. „Das muss sehr offen diskutiert werden.“

          Merkel reist am Montag nach Paris zu einem internationalen Treffen zur Flüchtlingsthematik auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin mitteilte. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien wollen zur Eindämmung der Fluchtbewegung nach Europa enger mit afrikanischen Staaten zusammenzuarbeiten. Teilnehmen sollen daran auch die Regierungschefs Paolo Gentiloni (Italien), Mariano Rajoy (Spanien), die Präsidenten aus Tschad und Niger sowie der Ministerpräsident der international anerkannten Übergangsregierung in Libyen, Fajis al-Sarradsch. Erwartet wird auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.

          Erhöhte Furcht vor Kriminalität

          In der GfK-Umfrage stieg die Furcht der Deutschen vor Kriminalität im Vergleich zum Vorjahr von zehn auf 16 Prozent und landete damit auf dem dritten Platz. Erstmals findet sich der Terrorismus mit einem Anstieg von vier auf neun Prozent unter den zehn größten Sorgen in Deutschland. Verhältnismäßig wenig Kummer bereitet den Deutschen hingegen der Arbeitsmarkt. Mit aktuell 16 Prozent (2016: 13 Prozent) ist das Bangen um den Job trotz der leichten Zunahme nicht unter den Top zwei der Sorgenliste. Noch vor zehn Jahren war Arbeitslosigkeit das größte Schreckensszenario.

          Ein ähnliches Bild zeichnete der ebenfalls am Freitag veröffentlichte ARD-“Deutschlandtrend“: Gefragt nach den dringendsten politischen Aufgaben der nächsten Bundesregierung gaben zwölf Prozent der Befragten an, die neue Regierung solle sich primär um die Klärung der Einwanderungsfragen, die Neudefinition des Asylrechtes und die Schaffung eines Einwanderungsgesetzes kümmern. Neun Prozent hielten es für wichtig, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich verringert, eine Reichensteuer eingeführt wird und soziale Ungerechtigkeiten und Armut bekämpft werden. Für sieben Prozent stand demnach die innere Sicherheit mit Terror- und Kriminalitätsbekämpfung im Vordergrund.

          Über alle von der GfK untersuchten Länder hinweg stellt Jobverlust aber die größte Herausforderung dar, allen voran in Spanien mit 61 Prozent. Auch für Menschen in Frankreich, Italien und Indien ist der Arbeitsmarkt das drängendste Problem. Für die Studie „Challenges of Nations 2017“ wurden insgesamt mehr als 27.500 Menschen in 24 Ländern befragt.

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