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Psychische Erkrankungen : Die Krise nach der Krise

Viele Menschen warten in der Corona-Krise zu lange, bis sie sich Hilfe suchen. Bild: dpa

Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen – viele Menschen leiden psychisch stark unter der Corona-Pandemie. Doch Therapieplätze sind knapp. Ärzte und Therapeuten befürchten: Das Schlimmste kommt erst noch.

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          Anfangs habe sie gar nicht bemerkt, wie sich ihr Sohn verändere, erzählt Anne Bergmann. Das sei schleichend passiert. Es begann mit Albträumen: Max, 10 Jahre alt, wurde laut schreiend wach und beruhigte sich nur, wenn man ihn in den Arm nahm. Nach und nach zog er sich zurück, wurde stiller, hatte kaum noch Appetit. Max, sonst ein sportlicher, aktiver Junge, der Fußball und Gitarrespielen liebt, war im zweiten Lockdown Anfang des Jahres plötzlich traurig und antriebslos. Manchmal saß er stundenlang allein in seinem Zimmer, ohne etwas zu tun. Anne Bergmann, deren Namen wir wie den ihres Sohnes geändert haben, bemühte sich um psychologische Hilfe – und fand sie nicht. „Wir haben uns große Sorgen gemacht“, sagt sie.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.
          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Bergmanns sind eine Familie aus Bonn, drei Kinder, beide Eltern sind Ärzte. Ihre Geschichte ist eine von vielen. Denn mehr als ein Jahr Pandemie, ein halbes Jahr Dauerlockdown, das belastet Kinder und Jugendliche ebenso wie Erwachsene, insbesondere, wenn sie schon vor der Corona-Krise psychisch krank oder anfällig waren. Aber nicht nur dann. Das Homeschooling, die soziale Isolation, finanzielle Sorgen, die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder in der Schule nicht mehr mithalten zu können, all das macht Menschen zu schaffen. Nicht immer ist eine Therapie nötig. Doch die „Copsy“-Studie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf ergab, dass in der zweiten Welle fast jedes dritte Kind zwischen sieben und 17 Jahren psychische Auffälligkeiten zeigte. Vor der Krise war es jedes fünfte.

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