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SAP-Mitgründer Tschira tot : Von der Lochkarte zum Weltkonzern

Klaus Tschira Bild: dpa

Klaus Tschira war einer der fünf ehemaligen IBM-Mitarbeiter, die Anfang der 70er Jahre SAP gründeten. Der Aufstieg zum Weltkonzern ist eine der größten deutschen Erfolgsgeschichten. Ein Nachruf.

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          Als Klaus Tschira vor fünf Jahren von dieser Zeitung gefragt wurde, warum er mit seiner Stiftung „nur“ die Wissenschaft födere, nicht aber die Kultur, sagte er : „Ich investiere lieber in die Zukunft als in die Gegenwart.“ Da hatte der SAP-Mitbegründer schon seine erste Herz-Operation hinter sich, sein Elan aber war ungebrochen. „Wissen Sie, naturwissenschaftliche Projekte kommen manchmal zu dem Ergebnis, dass es so oder so nicht geht. Aber auch dann waren sie noch eine sinnvolle Investition. Wenn ich in Altersheimen Kuchen verteilen lasse, dann ist der nach einer Weile weg, aber nichts sonst ist passiert“.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Tschira hat trotzdem viele wohltätige Zwecke gefördert. Sein Metier und seine Leidenschaft ist aber bis zum Schluss die Wissenschaft geblieben. Am Dienstag ist der studierte Physiker, SAP-Mitbegründer und Stifter Klaus Tschira im Alter von 74 Jahren gestorben. Er gehört zu den glorreichen fünf ehemaligen IBM-Mitarbeitern Dietmar Hopp, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector und Hasso Plattner die sich 1972 in Weinheim bei Heidelberg mit ihrer Softwarefirma „Systemanalyse und Programmentwicklung“ selbständig machten. Statt im gemachten IBM-Nest zu bleiben, entwickelten die Männer damals noch auf Lochkarten Computerprogramme für die Buchhaltung von Unternehmen.

          Ein mutiger und visionärer Schritt in einer Zeit, in der sich mit „Hardware“ noch eine Menge Geld verdienen ließ und in der Programme nur als müde Zugabe betrachtet wurden. Meist Abends und am Wochenende, wenn die Rechner vor Ort frei waren, feilten die Gründer an ihrem ersten Entwicklungsauftrag für das nahegelegene Chemieunternehmen ICI. Der Rest ist Legende: SAP stieg zum größten europäischen Softwarekonzern auf, die Gründer schrieben einer der größten deutschen Erfolgsgeschichten. Bis heute ist SAP der weltgrößte Hersteller von Programmen zur Unternehmenssteuerung.

          Im Kreis der SAP-Gründer: Klaus Tschira, Hasso Plattner, Dietmar Hopp, Hans-Werner Hector (v.l.n.r.) - Archivbild aus dem Jahr 1980
          Im Kreis der SAP-Gründer: Klaus Tschira, Hasso Plattner, Dietmar Hopp, Hans-Werner Hector (v.l.n.r.) - Archivbild aus dem Jahr 1980 : Bild: SAP

          Bill Gates selbst sollte angesichts der Vorherrschaft der Amerikaner auf diesem Gebiet SAP einst als Unfall der Softwareindustrie bezeichnet haben. Tschira hat diesen „Unfall“ maßgeblich befördert und er wurde dadurch zu einem reichen Mann. 1998 mit gerade mal 57 Jahren zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte in den Aufsichtsrat. Er war der dritte aus der Gründerriege, der dem Unternehmen den Rücken kehrte: Claus Wellenreuther schied schon zu Beginn aus. Hans-Werner Hector hatte später im Streit seinen Abschied verkündet. 2007 zog sich Tschira mit Verweis auf gesundheitlichen Gründen dann ganz aus dem Aufsichtsrat zurück. Anders als Hasso Plattner, der bis heute als Schaltzentrale von SAP gilt, legte Tschira sein Augenmerk schon früh auf andere Dinge.

          Von seiner Wahlheimat Heidelberg aus schob der gebürtige Freiburger eine Vielzahl von wissenschaftlichen Projekten an. Die Villa Bosch, die der Chemiekonzern BASF 1921 für seinen Vorstandsvorsitzenden, den Nobelpreisträgers Carl Bosch, errichtet hatte, wurde zu Tschiras Refugium und zu einem anerkannten Wissenschaftszentrum. Dort hatte einer seiner Stiftungen ihren Sitz, dort treffen sich bis heute Forscher und Wissenschaftler aller Couleur: ob das European Media Laboratory oder das Heidelberger Institut für Theoretische Studien – Tschira hat viele kluge Köpfe gefördert und ihnen eine Bühne gegeben. In der Villa Bosch gab der kluge wie kautzige Mann seine wenigen Interviews. Und er hatte bis zum Schluss auch das Geldverdienen nicht aus den Augen verloren. Die Dividendenrendite seiner SAP-Aktien sei doch zum Heulen, sagte er damals, vor fünf Jahren – nur teilweise im Scherz. Alleine als Anteilseigner hatte sein Wort bei SAP nach wie vor Gewicht. Er selbst und seine beiden Stiftungen kontrollieren zusammen 7,5 Prozent der Unternehmensanteile – Stand Dienstag ein Wert von 6,2 Milliarden Euro. Tschira war Wissenschaftler durch und durch, sein Privatleben ließ er im Privaten. Keiner seiner beiden Söhne sei von Beruf Sohn, beide hätten ihr eigenes Leben, sagte er. Ob und wieviel sie nun erben, ist offen.

          Seine Stiftung hat er als gemeinnützige GmbH aufgestellt, um sich nicht mit der Stiftungsaufsicht abstimmen zu müssen. So etwas würde den Verwaltungsaufwand nur erhöhen. Klaus Tschira wollte, dass seine Projekte auch posthum weitergefördert werden und die Villa Bosch in Heidelberg als Sitz erhalten bleibt. Und er wollte bis zum Schluss Herr sein über sich und sein Vermögen. „Wenn ich mit meinem letzten Funken Verstand alles Geld in die Alzheimer-Forschung schmeißen will, dann möchte ich das auch tun können.“

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