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Zum Tod von Götz Werner : Der Drogeriemarktpionier

Götz Werner Bild: imago/photothek

Götz Werner hat mit dm eine der größten Drogerieketten Europas geschaffen. Er nutzte Anfang der siebziger Jahre die Gunst der Stunde. Und war dabei erfolgreicher als viele andere. Ein Nachruf.

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          Götz Werner wollte Drogist werden wie sein Vater. Die „Drogerie Werner“ in Heidelberg übernehmen. Also absolvierte er eine Drogistenlehre in Konstanz. Die geplante Zusammenarbeit mit seinem Vater gestaltete sich hernach allerdings schwierig. Seine Ideen hätten bei seinem Vater einfach keinen Anklang gefunden, sagte er einmal. So ging er kurzerhand nach Karlsruhe und eröffnete dort seine eigene Drogerie, eine nach seinen eigenen Vorstellungen. Und er machte daraus dm, eine der größten Drogerieketten der Welt.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Anfang der siebziger Jahre war das. Kurz zuvor war die Preisbindung für Drogerieartikeln weggefallen und fortan galt das freie Spiel der Marktkräfte auch für Drogerieartikel. Nicht mehr der Drogist in weißem Kittel reichte die Seife über die Theke, die Kunden konnten sich selbst aus gut gefüllten Regalen bedienen. Nicht nur Götz Werner, auch Anton Schlecker und Dirk Rossmann haben damals die Gunst der Stunde genutzt. So erfolgreich wie dm allerdings war keiner. Mit mehr als 3800 Filialen und 66.000 Beschäftigten ist dm heute der größte Drogeriekonzern Europas.

          Werner hat sich von jeher als der etwas andere Unternehmer verstanden, als Anthroposoph und Menschenfreund, der nicht in erster Linie den Gewinn, sondern das Wohl der Kunden und Mitarbeiter im Blick behält. Wenn deren Zufriedenheit stimme, stimme auch der geschäftliche Erfolg. Bis heute ist vieles anders: Lehrlinge heißen Lernlinge, die Verkäuferinnen besuchen zur Persönlichkeitsbildung schon mal Theaterkurse, und sie können vergleichsweise viel selbst entscheiden. Dass nicht alle in der Branche so ticken wurde spätestens in der Schlecker-Pleite klar. Der Erfolg jedenfalls hat Werner Recht gegeben.

          Die Führung des Unternehmens hat er vor einigen Jahren seinem Sohn Christoph übertragen. Seiher widmete er sich seinem Herzensthema, der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Einmal allerdings, als er mit seinem Schwager und langjährigen Mitstreiter, dem Alnatura-Gründer Götz Rehn, öffentlich um Markenrechte und Lieferverträge stritt, konnte Werner das Bild vom guten Menschen nicht mehr halten. Die Wunde muss geblieben sein, bis zum Schluss. Am Dienstag ist Götz Werner im Alter von 78 Jahren gestorben. Seine Kräfte hätten kontinuierlich nachgelassen, sagte sein Sohn. Der Vater „und außergewöhnliche Lebensbegleiter“ sei friedlich verstorben.

          Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte, Werner sei nicht nur ein brillanter Unternehmer mit einzigartigem unternehmerischem Gespür und Erfolg gewesen. „Er war zugleich ein Visionär, der etwa beim Thema bedingungsloses Grundeinkommen gesellschaftliche und politische Debatten mit großer Leidenschaft angestoßen hat“. Mit Vehemenz habe er sich den Themen Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit gewidmet und damit eindrücklich Stellung bezogen als Unternehmer, der sich einer übergeordneten Verantwortung für die Gesellschaft verpflichtet fühlte. „Seine Impulse und Ideen werden noch lange nachwirken.“

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