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Lieferkettengesetz : Zulieferer geraten unter die Räder

  • -Aktualisiert am

Ohne Zulieferer läuft nichts. Aber denen geht es schlecht. Bild: dpa

Autokonzerne versuchen die Last der Covid-19-Pandemie auf Zulieferer abzuwälzen. Das verstößt gegen Treuepflichten - und ruft die Befürworter eines Lieferkettengesetzes auf den Plan.

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          Die weltweite Covid-19-Krise stellt die deutsche Automobilindustrie vor elementare Herausforderungen. Schon jetzt steht die gesamte Branche vor tiefgreifenden Veränderungen, und erfahrungsgemäß führen solche grundlegenden Umwälzungen zu einer Spaltung in Gewinner und Verlierer. Dabei sind es gerade viele tief im deutschen Mittelstand verwurzelte Zulieferer, deren Lage sich weiter zuspitzt. So haben im ersten Halbjahr des Jahres 2020 schon mehr Zulieferer Insolvenz angemeldet als im gesamten bereits insolvenzreichen Vorjahr. Umso besorgniserregender ist eine weitere Aussicht: In der Branche zeichnet sich der Eindruck ab, dass mancher große Automobilproduzent seine über Jahrzehnte hinweg verlässlichen und loyalen Zulieferer an den Rand drängt. Zulieferer sowie deren Arbeitnehmer würden so zu doppelten Verlierern der Branchenentwicklung gemacht werden. Eine weiter steigende Anzahl vernichteter mittelständischer Existenzen wäre die Folge.

          Zentrale Voraussetzung für die Produktion des Massenprodukts Automobil in der uns heute bekannten Qualität ist die fein gegliederte Arbeitsteilung zwischen den Zulieferern und dem OEM als dessen Endkunden. In Form sogenannter Just-in-Time-Verträge kooperieren die Beteiligten dabei sehr intensiv miteinander. Damit leistet die Zuliefererindustrie einen zentralen Beitrag zu dem Erfolg der Automobilproduzenten. Dass in einer solchen Schicksalsgemeinschaft der Grundsatz „share the gain, share the pain“ gilt, sollte sich von selbst verstehen. Wo dieses Prinzip missachtet wird, sind juristische Auseinandersetzungen nur eine Frage der Zeit – neben allem anderen. Bei näherem Hinsehen richten die Zulieferer in der Lieferkette hin zum Automobilkonzern ihre gesamte Geschäftstätigkeit einschließlich Produktionsabläufen, Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie Investitionen an dem Ziel einer verlässlichen Belieferung des Endkunden aus. In vielen Fällen sind die Zulieferer alleinige Lieferanten einzelner Automobilhersteller, was eine stabile Vertrauensbeziehung erfordert. Verzahnung und Symbiose zwischen den Automobilproduzenten und ihren Zulieferern haben sich durch die fortschreitende Digitalisierung der Produktionsprozesse und -planungen stets noch weiter vertieft.

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