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Gigaliner : Bahnfreunde gegen Großlastwagen

Gegen Gigaliner: Bahn-Befürworter und Verkehrsclubs protestieren in Berlin Bild: dpa

Die Spediteure sehnen die Zulassung 25 Meter langer „Gigaliner“ herbei. Formal ist noch alles offen, doch die Gegner rufen schon zum Protest.

          Ein vom Bundesverkehrsministerium veranlasster Feldversuch mit neuen Großlastwagen läuft zwar noch – doch für die Gegner der sogenannten Gigaliner mit bis zu 25,25 Metern Länge gibt es schon jetzt nichts mehr zu klären: Sie warnen vor steigenden Unfallrisiken, einer Überlastung älterer Brücken und einer Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße. Ein Bündnis aus Bahn-Befürwortern, darunter die Eisenbahnergewerkschaft EVG, sowie kritischen Verkehrsclubs machte am Dienstag mit einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen die Lang-Lkw mobil.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der SPD-Politiker Martin Burkert, der einerseits den Verkehrsausschuss des Bundestages leitet und andererseits dem Vorstand der Gewerkschaft EVG angehört, unterstützte den Protest und warf Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine einseitige Parteinahme vor. „Der Verkehrsminister wäre gut beraten, nicht nur auf die Lkw-Lobby zu hören, die immer mehr und größere Laster unter dem Öko-Deckmantel verkaufen will“, sagte Burkert. Gigaliner seien „kein Beitrag zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik“.

          Gewichtsbeschränkung bei 40 Tonnen

          Auch der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im europäischen Parlament, Michael Cramer (Grüne), unterstützte den Protest. Er bezeichnete die Lang-Lkw als „verkehrspolitischen Unsinn“. Das Ziel des Bundesverkehrsministers ist es, den Spediteuren von 2017 an einen regulären Einsatz der umstrittenen Lang-Lkw zu erlauben. Noch in der vergangenen Legislaturperiode hatte die Bundesregierung einen von 2012 bis Ende 2016 angelegten Probebetrieb beschlossen. Auf dieser Grundlage fahren hierzulande laut Ministerium derzeit 119 Lang-Lkw von 45 Unternehmen über die Straßen. Der Betrieb der Lastwagen ist auf ein sogenanntes Positivnetz beschränkt. Sie dürfen nur Straßen benutzen, die durch eine Rechtsverordnung dafür zugelassen sind.

          Viele Bundesländer hatten sich zunächst gegen eine Freigabe von Straßen gesträubt. Seit in diesem Jahr auch Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen neben zehn weiteren Ländern mitmachen, ist das Netz deutlich gewachsen. Dobrindt hatte den Test daher im Juli als „Erfolgsmodell“ bezeichnet und schon klargestellt: Sein Ziel sei es, „nach Abschluss des Feldversuchs mit den Lang-Lkws in den Regelbetrieb zu gehen“.

          Ein „Gigaliner“ überragt einen herkömmlichen LKW um 6,5 Meter.

          Derzeit dürfen Lastwagen mit Anhänger nicht länger als 18,75 Meter sein. Zugleich dürfen sie im Normalfall nicht schwerer als 40 Tonnen sein. Erprobt werden nun Fahrzeuge, die Anhänger und Sattelauflieger auf unterschiedliche Weise kombinieren. Sie dürfen bis zu 25,25 Meter lang sein; die klassische Kombination aus Lkw und Anhänger darf sich um 5,25 Meter auf 24 Meter verlängern. Die Gewichtsbeschränkung blieb bisher auch für die längeren Lkw bei 40 Tonnen.

          „Geringe Anzahl an identifizierten Risiken“

          Die Kritiker der neuen Fahrzeuge gehen allerdings davon aus, dass das Limit bald nach der Testphase auf 60 Tonnen angehoben würde und dadurch sowohl die Belastung von Brücken steigen würde als auch die Gefahr schwerer Unfälle. Eine von der „Allianz pro Schiene“ in Auftrag gegebene Studie kommt außerdem zu der Einschätzung, dass mit der Zulassung der Lang-Lkw 8 Milliarden Tonnenkilometer von der Schiene auf die Straße verlagert würden. Das wären 7,6 Prozent der derzeitigen Transportleistung der Schiene. Umgekehrt werde es täglich 7000 zusätzliche Lkw-Fahrten geben und 1000 Arbeitsplätze bei Güterbahnen gefährdet.

          Nach Auffassung des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung geht die Studie von unrealistischen Annahmen aus, was zu verzerrten Ergebnissen führe. Er warf den Kritikern vor, eine „Konfrontation Schiene gegen Straße“ zu betreiben, während der wachsende Verkehrsbedarf eine Kooperation erfordere. Ebenso wie das Bundesverkehrsministerium verweist der Verband auf einen Zwischenbericht zu dem Feldversuch, den die Bundesanstalt für Straßenwesen 2014 vorgelegt hat. Darin stellt sie eine „geringe Anzahl an identifizierten Risiken“ fest; zugleich könnten zwei Lang-Lkw drei reguläre ersetzen. Dies spare dann 15 bis 25 Prozent Kraftstoff.

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