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Heimliche Ambitionen : Ronald Pofallas Blick auf das Kanzleramt

  • -Aktualisiert am

Offenes Ende: Kein endgültiger Abschied von der politischen Bühne für Ronald Pofalla Bild: dpa

Der einstige Merkel-Vertraute ist heute nicht nur Vorstand der Deutschen Bahn. Er leitet auch den „Petersburger Dialog“. Und agiert mit großer Lust als heimlicher Außenminister.

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          Zufrieden und aufgeräumt sitzt Ronald Pofalla in seinem minimalistisch ausgestatteten Eckbüro in einem der obersten Stockwerke des Berliner Bahntowers, mit dem Code Napoléon im Bücherregal und mit direktem Blick auf das nicht weit entfernte Kanzleramt. Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet der einstige Kanzleramtsminister für die Bahn. Als für die Bereiche Wirtschaft, Recht und Regulierung zuständiges Vorstandsmitglied steht er zwar bei weitem nicht so im Rampenlicht wie sein Duzfreund Rüdiger Grube.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und auch die Nähe zur absoluten Macht, die er als CDU-Generalsekretär und Merkel-Vertrauter genoss, ist Geschichte. Dann und wann spricht der Mann, der am vergangenen Sonntag seinen 57. Geburtstag feierte, noch mit der Regierungschefin, aber das war es dann schon. Auch aus privaten Gründen hat sich Pofalla von der ganz großen politischen Bühne verabschiedet; aber letztlich dann doch nicht so ganz.

          Denn Pofalla bespielt zumindest weiterhin mit Feuereifer das internationale Parkett. Im Mai 2015 wurde der gebürtige Niederrheiner zum Vorsitzenden des Petersburger Dialogs gewählt – eines 2001 gegründeten Diskussionsforums, das die Verständigung zwischen Deutschen und Russen fördern soll. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des jeweils amtierenden deutschen Bundeskanzlers und des jeweils amtierenden russischen Präsidenten. Sie findet in der Regel einmal jährlich abwechselnd in Deutschland und in Russland statt – zum nächsten Mal Mitte Juli in St. Petersburg und im Beisein von insgesamt mehr als 200 Teilnehmern beider Seiten, Politikern, Wirtschafts- und Kulturvertretern sowie Mitgliedern von Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace.

          Langjähriger Kenner Russlands

          Bislang von Skeptikern eher als Schwatzbude kritisiert, nimmt der Dialog nach Pofallas Meinung gerade in der derzeit wegen der Krim und der Ostukraine angespannten Lage eine wichtigere Rolle ein denn je: „Nach der Verhängung der Sanktionen und der Einstellung der Regierungskonsultationen gab es kein Format mehr, in dem offiziell zwischen Deutschland und Russland gesprochen wird. Der Petersburger Dialog ist die einzige Dialogplattform, die von russischer und deutscher Seite akzeptiert wird, um Gespräche zu führen.“ Als langjähriger Kenner des Landes weiß Pofalla, dass den Russen der Petersburger Dialog sehr wichtig ist. „Ich war im Februar auf der Sicherheitskonferenz in München beim Frühstück mit Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew dabei. Er hat dort den Petersburger Dialog ein positives Zeichen genannt, der wieder in Gang gekommen sei.“

          Schon aus manchen organisatorischen Änderungen der Russen liest der Deutsche hoffnungsfrohe Zeichen aus dem Reich des heftig umstrittenen russischen Präsidenten Wladimir Putin heraus. So leite beispielsweise der Geschäftsführer von Greenpeace Russland, Sergej Ziplenkow, eine der PD-Arbeitsgruppen. Und dies, obwohl Greenpeace in Russland eigentlich als feindliche Organisation eingestuft werde. Darüber hinaus haben die russische und die deutsche Seite des Petersburger Dialogs zusammen kürzlich die Übergriffe auf die Menschenrechtsorganisation Memorial in Russland verurteilt. „Die Russen sehen, dass es nicht richtig sein kann, in die totale Isolation zu fallen. Es muss Gesprächskontakte zwischen beiden Ländern geben“, resümiert Pofalla.

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