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Kohleausstieg 2038 : Die Lausitz kann auch ohne Kohle

Noch fördern die Schaufelbagger im Tagebau von Welzow die Braunkohle. In mehreren Schritten wird der Betrieb eingestellt – und damit auch Arbeitsplätze abgebaut. Bild: dpa

Der Ausstieg aus der Braunkohle trifft die Gegend um Cottbus wie keine andere. Rettung braucht die Region nicht, Hilfe für den Wandel schon. Ideen gibt es viele. Unsere Autorin war im Kohle-Revier unterwegs.

          8 Min.

          Es ist der Dampf, der in der Lausitz der Braunkohle den Garaus macht. Aus den Kühltürmen des Kraftwerks in Jänschwalde unweit von Cottbus quellen unablässig dicke weiße Wolken in den verhangenen Himmel. Sie sehen harmlos aus, sind es aber nicht, sondern enthalten neben Wasserdampf eine ganze Menge CO2. Jürgen Ackermann, stellvertretender Kraftwerksleiter in Jänschwalde und seit 40 Jahren „in der Kohle“ beschäftigt, blickt nach oben und nickt schweigend. Was soll er sonst noch sagen? Dass das Kraftwerk Jänschwalde nicht das jüngste ist oder dass die Jahre des nahegelegenen Tagebaus gezählt sind? Dieses Jahr geht der zweite von sechs Kraftwerksblöcken vom Netz, bis 2022 weitere zwei. 2033 ist das Ende geplant. Zehn Jahre vorher stehen die Schaufelbagger im Tagebau schon still. Wenn Ackermann über das schleichende Verschwinden seiner alten Welt nachdenkt, stehen ihm die Tränen in den Augen.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In der Nacht zum Samstag hat nun auch die Kohlekommission das Ende dieser Industrie besiegelt. Spätestens in 20 Jahren ist Schluss, 2038 wird es keinen Kohlestrom mehr geben. 21 Stunden lang haben die 28 Mitglieder zuletzt verhandelt, am Ende gab es nur eine Gegenstimme von einer Braunkohle-Gegnerin aus der Lausitz. Für etliche Anlagen wird das Ende schon in den nächsten vier Jahren kommen. Da sollen dann 24 größere Kraftwerksblöcke vom Netz gehen.

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