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Zukünftiges Wachstum : Ein Aufschwung reicht nicht

Kurzfristig werden die Exporte aufgrund der Entwicklung in den zwei großen Wirtschaftsblöcken China und Amerika anziehen. Bild: dpa

Eine Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte darf das bescheidene Wachstumspotential der deutschen Wirtschaft nicht vergessen lassen. Aus der Krise ergeben sich dringende Hausaufgaben.

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          Aller verständlichen Gereiztheit angesichts der Langlebigkeit der Pandemie und aller nachvollziehbaren Verärgerung über die Politik zum Trotz: Nach wie vor erscheint eine kräftige wirtschaftliche Belebung in der zweiten Jahreshälfte auch in Deutschland sehr gut möglich. Der Grund ist einfach. Trotz der unverkennbaren Spannungen zwischen den beiden Supermächten werden weder Peking noch Washington bereit sein, einen wirtschaftlichen Erfolg zu riskieren, den beide Länder dringend benötigen.

          Die chinesische Wirtschaft läuft gut, aber sie darf den Schwung nicht verlieren, wenn sie ihren Aufholprozess im Vergleich zu den reichen Ländern fortsetzen will. In den Vereinigten Staaten erwartet die neue Administration von einer sehr expansiven Finanzpolitik einen Beitrag zu einer wirtschaftlichen Erholung, die weitaus kräftiger ausfallen könnte als bisher erwartet.

          Wenn die Konjunktur in zwei großen Wirtschaftsblöcken läuft, wird sie die Konjunktur in Europa, dem dritten großen Wirtschaftsblock, mitziehen. Besonders die exportstarke deutsche Industrie, die schon in den vergangenen zwölf Krisenmonaten einen noch stärkeren Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland verhindert hat, dürfte davon profitieren. Und wenn Europa in den kommenden Monaten auch beim Impfen endlich in Fahrt kommen sollte, werden dann endlich auch die vor allem in der Binnenwirtschaft tätigen Wirtschaftszweige wieder mehr Nachfrage verspüren.

          Auf längere Sicht wäre es jedoch verheerend, wenn Deutschland einen stark vom Auslandsgeschäft der Industrie getragenen Aufschwung zum Anlass nähme, die sich aus der aktuellen Krise aufdrängenden Hausaufgaben zu verweigern. Dringend notwendig ist eine Modernisierung des Staatswesens, die nicht einfach darin bestehen kann, überforderten Politikern und Bürokraten mehr Geld in die Hand zu geben.

          Wer sich nach dieser Krise einen noch stärker wirtschaftlich intervenierenden Staat herbeisehnt, muss die vergangenen Monate auf einem anderen Planeten verbracht haben. Einher gehen muss die Modernisierung des Staatswesens mit einer Reduzierung seiner Aufgaben auf das Notwendige. Eine vorübergehende Konjunkturerholung darf das bescheidene langfristige Wachstumspotential der deutschen Wirtschaft nicht vergessen lassen.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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