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Zugbekanntschaften : Der Zug stört die Hochzeit

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Beine ausstrecken - oder auch mal für sanfte Flirt-Berührungen mit der Zugbekanntschaft einsetzen Bild: Daniel Pilar / F.A.Z.

Die Frau seines Lebens lernte mein bester Kumpel im Zug kennen. Was mich daran gestört hat? Wir planten damals seine Hochzeit - mit einer anderen Frau und mir als Trauzeugen.

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          Was habe ich den ICE verflucht! In schwerste Gewissensnöte hat er mich gebracht, weil mein Kumpel in diesem verdammten Zug die Frau seines Lebens kennenlernte. Jeden Morgen traf er seine „Zugbekanntschaft“, wie er sie nannte, am Bahnsteig, während beide auf den Zug um 7 Uhr 23 von Augsburg nach München warteten.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was mich daran gestört hat? Wir planten damals seine Hochzeit - mit einer anderen Frau und mir als Trauzeugen. Diese Zugbekanntschaft brachte alles durcheinander. Nächtelang hockten wir in der Kneipe, er schwärmte von der Traumfrau; die Augen, die süßen Locken. Bald saßen sie im Zug nebeneinander. Gelegentlich berührten sich ihre Hände, ihre Beine. Das alles schilderte er mir, als wir diskutierten, ob seine Braut in Weiß heiraten sollte oder nicht, an welchen Tisch er den verhassten Onkel aus der Pfalz plazieren könnte. Oder ob er die Hochzeit doch ganz absagen sollte. Ob er mit der Zugbegleiterin sich nicht zumindest auf ein Bier verabreden könnte?

          Ich litt Qualen. Durfte ich mir das anhören? Musste ich die Ehe nicht verhindern als Trauzeuge? Eingreifen? „Was regst du dich auf, da läuft doch nichts“, konterte er. Eines Tages war sie dann weg, die Traumfrau. Einfach so. Ohne Vorankündigung. Mein Freund war verzweifelt, ich sehr erleichtert. Im Frühling hat er geheiratet, mit Kutsche. Alles wurde gut. Sie haben zwei Kinder, sind längst aufs Land gezogen. Aber bis heute, sagt er, denke er ab und zu: Was wäre, wenn . . .

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