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Nutztierhaltung : Zu viele Antibiotika in deutschen Hühnerställen

  • -Aktualisiert am

Julia Klöckner fordert insbesondere die Geflügelwirtschaft zum Handeln auf. Hier sind die Antibiotika-Mengen sehr hoch. Bild: Jonas Wresch

Wenig Platz und mit Antibiotika vollgepumpt: Dieses Schicksal teilen viele Nutztiere. Besonders in der Geflügelwirtschaft setzen Bauern viele Medikamente ein. Landeswirtschaftsministerin Julia Klöckner will das ändern.

          Es ist eines der Reizthemen für viele Verbraucher: Antibiotika in der Nutztierhaltung. Je größer die Ställe sind, je weniger Platz die Tiere haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Landwirte die Ausbreitung von Krankheiten durch den Einsatz von Antibiotika zu verhindern versuchen. Sowohl Verbraucherschützer als auch Ärzte protestieren dagegen schon seit langem. Die einen kritisieren die Antibiotikarückstände im Fleisch, die Verbraucher so ungewollt zu sich nehmen. Die anderen sehen mit Sorge die wachsende Zahl der gegen Antibiotika resistenten Keime, die für Patienten mit schweren Krankheiten lebensgefährlich werden können.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) fordert jetzt insbesondere die Geflügelwirtschaft zum Handeln auf. Bis September soll diese „einen ambitionierten Stufenplan“ zum Abbau der hohen Antibiotikamengen vorlegen, sagte Klöckner nach einem Gespräch mit den entsprechenden Verbänden und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Sie erwarte von den Landwirten, „die Tiergesundheit in den Ställen so zu verbessern, dass mehrheitlich keine antibiotische Behandlung mehr notwendig ist“. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund geht noch einen Schritt weiter. Wenn die Geflügelhalter nicht zu einem freiwilligen Verzicht bereit seien, müsse die Politik den Verbrauch verbieten oder auf klar definierte Einzelfälle begrenzen, heißt es dort.

          Antibiotikaverbrauch „nicht länger hinnehmbar“

          Hintergrund ist eine Analyse des Landwirtschaftsministeriums, wonach der Gesamtverbrauch von Antibiotika in der Nutztierhaltung – also in der Schweine-, Geflügel- und Rindermast – zwischen 2014 und 2017 zwar um 30 Prozent gesunken ist. Allerdings war der Rückgang in der Hühner- und Putenmast verschwindend gering. Für erstere lag er bei minus 4 Prozent, für letztere sogar nur bei minus 1 Prozent. Zudem hat sich gezeigt, dass bei diesen Tierarten rund die Hälfte des Gesamtverbrauchs sogenannte Reserveantibiotika sind, die eigentlich nur in äußersten Notfällen eingesetzt werden sollen.

          Diese Reserveantibiotika werden auch bei Menschen mit schweren Krankheiten verwendet, wenn gewöhnliche Antibiotika nicht mehr wirken, etwa bei einer lebensgefährlichen Blutvergiftung. Wenn diese Antibiotikagattung nun aber in der Tierhaltung häufiger genutzt wird, birgt das die Gefahr, dass Bakterien auch gegen diese Mittel Resistenzen entwickeln und am Ende nichts mehr wirkt. Der hohe Antibiotikaverbrauch in der Geflügelmast sei nicht länger hinnehmbar, sagte Klöckner. Anders als die Geflügelwirtschaft hält sie die Mittel durchaus für verzichtbar. Es gebe schon heute Betriebe, die dauerhaft ohne Antibiotika auskämen. „Klar ist: Es geht“, sagte Klöckner.

          In der Schweine- und Rindermast setzen die Landwirte zwar ebenfalls Reserveantibiotika ein, ihr Anteil liegt dort aber bei weniger als 10 Prozent. Allerdings werden von Reserveantibiotika meist auch deutlich geringere Mengen benötigt, was die Statistik verzerrt. Selbst Vertreter der Grünen fordern kein vollständiges Verbot von Antibiotika in Ställen, aber engere Vorgaben und mehr Transparenz.

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