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Zu hohe Nachfrage : Abwrackprämie wird ab Juni gekürzt

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2500 Euro zahlte die Regierung bislang für die Verschrottung eines Altautos - ab Juni soll diese Prämie angeblich halbiert werden Bild: dpa

Die staatliche Abwrackprämie wird voraussichtlich von Juni an deutlich reduziert. Im Gespräch ist ein Betrag zwischen 1.000 und 2.000 Euro, als wahrscheinlich gilt eine Summe von 1.500 Euro oder eine Halbierung der Prämie auf 1.250 Euro. Das bestätigten Regierungskreise am Donnerstag in Berlin.

          Die Bundesregierung will die Abwrackprämie von 2500 Euro beim Neuwagenkauf ab Juni deutlich verringern. Im Gespräch ist eine Halbierung auf 1250 Euro, wie am Donnerstag aus Regierungskreisen verlautete. Das Kanzleramt sowie das Wirtschafts- und das Finanzministerium hätten sich grundsätzlich auf eine Absenkung der Prämie verständigt, die zu einem Boom beim Neuwagenkauf geführt hat. Die konkrete Höhe werde aber erst in der Staatssekretärsrunde aller Ministerien am Montag festgelegt. Das Kabinett werde dies dann am Mittwoch beschließen. Für alle bis 31. Mai eingereichten Anträge werde die Prämie noch in voller Höhe gezahlt. Ende des Jahres laufe der Bonus zur Konjunkturankurbelung dann endgültig aus.

          Noch am Mittwoch hatte die Bundesregierung den Eindruck erweckt, die 2.500 Euro würden bis zum Auslaufen der Prämie am 31. Dezember dieses Jahres gewährt. Regierungssprecher Thomas Steg erklärte: „Jeder Antrag wird bearbeitet, und es gilt die Zusage, dass im Jahr 2009 die Umweltprämie bezahlt wird.“ Über die Höhe der Prämie hatte er allerdings nichts gesagt. Jetzt ist eine Kürzung um mindestens 500 Euro, möglicherweise aber gar eine Halbierung im Gespräch.

          Hintergrund ist die unerwartet hohe Nachfrage. Bislang hat die Regierung nur 1,5 Milliarden Euro für rund 600.000 Prämien im Etat 2009 eingeplant. Am Donnerstag näherte sich die Zahl der Anträge und Online-Reservierungen bereits der 1,2-Millionen-Marke, was die Kosten für den Staat auf mindestens drei Milliarden Euro verdoppelt. Die Bundesregierung hatte erst diese Woche zugesagt, den bisherigen Fördertopf von 1,5 Milliarden Euro, der für 600.000 Prämien gereicht hätte, aufzustocken. Beschließen muss eine Aufstockung des Fördertopfes oder auch eine Kürzung jeweils der Bundestag.

          40 Prozent mehr Absatz

          Dank der Abwrackprämie sind in Deutschland im März so viele Autos verkauft worden wie seit 17 Jahren nicht mehr. Mit 401.000 Neuzulassungen stieg der Absatz um 40 Prozent auf das höchste Volumen seit dem Wiedervereinigungsboom 1992. Die Importmarken profitierten von dem Schwung spürbar mehr als die deutschen Hersteller.

          Der Verband der Automobilindustrie (VDA) korrigierte angesichts der guten Zahlen seine Prognose für das Gesamtjahr nach oben und erwartet einen Inlandsabsatz über dem Vorjahresniveau von 3,09 Millionen Autos. Allein im ersten Quartal wuchs der deutsche Pkw-Markt um 18 Prozent auf 868.000 Fahrzeuge. Schlecht läuft weiter der Export mit einem Rückgang von 25 Prozent. Die Auftragseingänge aus dem Inland für deutsche Hersteller stiegen im März dagegen um 75 Prozent. VDA-Präsident Matthias Wissmann erklärte: „Die Sorge der Verbraucher über ein frühes Ende der Umweltprämie hat im März offenbar zu einem Ansturm der Käufer geführt.

          Exporte flau

          Das Auslandsgeschäft der deutschen Autoindustrie läuft unterdessen schlecht: Die Exporte brachen im März um 25 Prozent ein. Im ersten Quartal wurden 713.700 Pkw ausgeführt, gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Minus von 38 Prozent. 2008 hatten Volkswagen, BMW und Co. rund 11 Millionen Pkw weltweit produziert. Mehr als vier Fünftel aller deutschen Fahrzeuge werden im Ausland abgesetzt. Auf dem amerikanischen Markt erlebten die deutschen Hersteller im März einen weiteren Absatzeinbruch, stehen aber besser da als die drei amerikanischen Konzerne.

          In Deutschland hat die Abwrackprämie den Marktanteil ausländischer Automarken hochschnellen lassen. Im März erreichten die Importmarken 46,5 Prozent am Automarkt. Im langjährigen Durchschnitt kommen die Importeure dagegen nur auf 35 bis 36 Prozent Marktanteil.
          Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) erklärte den Sprung damit, dass die Autokäufer sich zurzeit vor allem für kleine Wagen interessierten. In diesem Marktsegment sind die ausländischen Marken traditionell stark. Großer Gewinner war Fiat mit einem Absatzplus von 218 Prozent auf 29.000 Wagen.

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