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Gegen Spielsucht : Zocken am Automaten nur noch mit Ausweiskontrolle

Abgleich mit Sperrdatei: Wer spielen will, muss sich in Zukunft in der Spielhalle ausweisen. Bild: dpa

Die Bundesländer wollen Spielhallen schärfer überprüfen. Doch das Problem der verbotenen Café-Casinos bleibt: Berlin ist Hauptstadt der illegalen Spielhöllen.

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          Spielhallen oder Gaststätten mit Spielautomaten in ganz Deutschland müssen zukünftig Besucher kontrollieren und deren Namen mit der bundesweit geplanten Sperrdatei abgleichen, bevor die Gäste an den Geräten ihr Glück versuchen dürfen. Es geht ums Bekämpfen der Suchtgefahren. So steht es im Entwurf zum neuen Glücksspielstaatsvertrag, auf den sich zuletzt alle Bundesländer geeinigt haben. In Kraft treten soll das Regelwerk Mitte 2021. Vorher müssen allerdings noch die Ministerpräsidenten und Länderparlamente zustimmen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die vorgesehene Kontrolle von Spielhallenkunden, welche im Ersten Abschnitt des Entwurfs unter Paragraph 8, Absatz 3 formuliert ist, könnte in der Realität schwer umsetzbar sein. Eine solche verbindliche Prüfung für Glücksspielanbieter existiert allerdings schon in Hessen (Oasis-System). Der Erfolg ist unklar. Jedoch sind hier nur Daten von Spielern enthalten, die von einer Spielhalle in Hessen gesperrt wurden. Der Dachverband der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW) begrüßte auf Anfrage das Vorhaben der Länder, ein bundesweites, spielformübergreifendes Sperrsystem einzurichten, das im Übrigen auch für die Bereiche Sportwetten, Online-Poker und Online-Casino gelten soll.

          Dies sei ein wichtiger Beitrag für einen effektiven Jugend- und Spielerschutz, auch in der traditionellen Gastronomieaufstellung, sagte DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker. „Es ist jedoch zu befürchten, dass es zu Ausweichbewegungen von den traditionellen Gastronomiebetrieben mit einem funktionierenden Jugend- und Spielerschutz in den Schwarzmarkt kommt. Es darf am Ende nicht wieder der Ehrliche der Dumme sein. Wir brauchen einen effektiven Vollzug gegen den Schwarzmarkt, damit Jugend- und Spielerschutz nicht zur Makulatur werden.“

          Kaffeeautomaten als Attrappe

          Stecker spielt damit auf eine Nachlässigkeit des Staates mit illegalen Automatenangeboten an. Es geht um die aus dem Boden sprießenden Café-Casinos meist in größeren Städten – gastronomische Kleinbetriebe. Diese dürfen ohne Konzession nur noch bis zu zwei Spielautomaten aufstellen, wenn das Geld vor allem mit dem Verkauf von Kaffee verdient wird. In Wirklichkeit nutzen die Besitzer das gesetzliche Schlupfloch fürs Betreiben reiner Spielhallen mit viel mehr Geräten. Häufig sind selbst die Kaffeeautomaten am Tresen reine Attrappen. Die Ordnungsämter lassen die Kontrollen meist schleifen, was oft auch am knappen und dazu ungeschulten Personal liegt. So gilt Berlin als Hauptstadt der illegalen Spielhöllen. Nach Branchenschätzungen gibt es in der Hauptstadt neben inzwischen weniger als 300 legalen Spielhallenstandorte mehr als 2000 verbotene Café-Casinos.  

          Der Finanzminister Hessens, Thomas Schäfer, forderte deshalb schon eine konzentriertere Aktion der deutschen Sicherheitsbehörden gegen den rechtlichen Wildwuchs in den Städten. Die privaten Anbieter verdienten viel Geld, seien unreguliert und könnten machen, was sie wollten. Der Verband der Automatenwirtschaft verfolgt eine Zertifizierung für die Betriebe seiner Branche, welche nun auch im neuesten Entwurf zum Glücksspielstaatsvertrag steht. Zudem ginge es um die gezielte Schulung des Personals in Spielhallen. Auch die flächendeckende Einführung eines bundesweit einheitlichen biometrischen Zugangssystems zur Sicherstellung von Spielersperren für alle Glücksspielangebote sei anzustreben.

          Geht der Entwurf des Glücksspielstaatsvertrags durch, würden erstmals in Deutschland bislang illegale Glücksspiele im Internet wie Online-Poker oder Online-Casinos privater Anbieter erlaubt werden. Vor der weiteren Fixierung des Papiers wird am 19. Februar in Düsseldorf eine Verbändeanhörung der Länder stattfinden.

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