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Zinssatz-Manipulationen : RBS muss hohe Strafe zahlen

  • Aktualisiert am

Eine Filiale der Royal Bank of Scotland in London Bild: AP

Die verstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland hat sich im Libor-Skandal mit den Behörden auf eine hohe Strafe geeinigt. Die Bank zahlt insgesamt 612 Millionen Dollar an amerikanische und britische Behörden.

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          Die britische Royal Bank of Scotland (RBS) muss an britische und vor allem amerikanische Aufsichtsbehörden 615 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil 21 Mitarbeiter der Bank über Jahre an der Manipulation des Libor-Satzes in London, Singapur und Tokio beteiligt waren. Die untersuchten Manipulationen beziehen sich auf die Jahre 2006 bis 2010. Die Bank wird 87,5 Millionen Pfund von dem Betrag an die britische Aufsichtsbehörde FSA zahlen müssen, 150 Millionen Dollar an das amerikanische Justizministerium und 325 Millionen Dollar an die amerikanische Aufsichtsbehörde CFTC.

          Der Chef des Investmentbanking, John Hourican, wird die Bank verlassen. Die RBS ist das dritte Institut, das die Vorwürfe gegen hohe Geldbußen beilegt. Die Strafe ist geringer als UBS mit 1,5 Milliarden Dollar an Behörden in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Schweiz zahlen musste, aber mehr als Barclays mit 453 Millionen Dollar schlucken musste.

          RBS-Mitarbeiter in E-Mail: „Es ist jetzt ein Kartell hier in London“

          Der Libor-Skandal hat den Glauben an die Integrität des Bankgeschäftes in der Londoner City nachhaltig erschüttert. Allerdings wurde RBS in den Vereinigten Staaten nicht strafrechtlich verfolgt. Die Bank kann also ihre Banklizenz behalten und muss daher ihr amerikanisches Bankgeschäft nicht verkaufen. Die 21 betroffenen Mitarbeiter von RBS haben die Bank bereits verlassen oder wurden diszipliniert. RBS will sich 300 Millionen Pfund von der Gesamtstrafe von 390 Millionen Pfund von den Mitarbeitern wieder zurückholen, in dem für das vergangenen Jahr und in Zukunft entsprechend niedrigere Bonuszahlungen geleistet und zugesagte Bonuszahlungen wieder storniert werden.

          In E-Mails, die am Mittwoch ebenfalls veröffentlicht wurden, machten sich beteiligte Händler lustig, wie leicht es sei, mit dem Libor reich zu werden. "Es ist einfach verblüffend, wie die Libor-Feststellung einem soviel Geld einbringen kann. Es ist jetzt ein Kartell hier in London", schrieb einer der RBS-Händler.

          Strafen für Bank-Skandale

          Die Strafe für die Royal Bank of Scotland  wegen Manipulation wichtiger Zinssätze ist in der sogenannten Libor-Affäre die zweithöchste Strafe bisher. Beachtet man auch andere Bankaffären, so ist es insgesamt die sechsthöchste der  vergangenen Jahre. Es folgt ein Überblick über die Zahlungen der Banken von 500 Millionen Dollar und mehr, um ihre Affären beizulegen.

          Jahr Bank Strafe in Dollar Skandal
          2012 HSBC 1,92 Mrd Geldwäsche
          2012 UBS 1,5 Mrd Libor-Manipulation
          2009 UBS 780 Mio Beihilfe zum Steuerbetrug
          2012 StanChart 667 Mio Verstoß gegen  Iran-Sanktionen
          2012 ING 619 Mio Iran-Sanktionen
          2013 RBS 615 Mio Libor-Manipulation
          2010 Goldman Sachs 550 Mio Irreführung von Investoren
          2009 Credit Suisse 536 Mio Iran-Sanktionen
          2010 ABN Amro 500 Mio Iran-Sanktionen

          Quelle: dpa

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