https://www.faz.net/-gqe-2o0l

Zinspolitik : Der mit dem Bären wackelt

  • Aktualisiert am

An der Wall Street hofft man auf eine weitere Zinssenkung. Doch die amerikanischen Notenbanker üben sich in Uneindeutigkeit.

          2 Min.

          Hochrangige Vertreter der amerikanischen Notenbank Federal Reserve haben vor anhaltenden Konjunkturrisiken in den USA gewarnt, zugleich jedoch ihre Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung im zweiten Halbjahr bekräftigt und damit die Finanzmärkte über eine weitere US-Zinssenkung im Unklaren gelassen.

          Der Fed-Präsident von Chicago, Michael Moskow, verwies auf die schwache Konsumentennachfrage und das schlechte Geschäftsklima sowie die hohen Energiepreise in den USA, die die amerikanische Konjunktur beeinträchtigten. Zugleich bekräftigte er jedoch, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr wieder an Fahrt gewinnen werde. Sein Kollege aus Atlanta, Jack Guynn, erklärte indes, es sei nicht Aufgabe der Fed, die Aktienmärkte zu steuern. US-Notenbankpräsident Alan Greenspan selbst äußerte sich bei einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Senats nicht zur Wirtschafts- und Zinsentwicklung in den USA. Und schließlich bezifferte der Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, Robert McTeer, das Rezessionsrisiko in den Vereinigten Staaten mit „unter 50 Prozent.“

          Solide volkswirtschaftliche Basis

          Guynn sagte jedoch, es sei nicht Sache der Notenbank, mit der Geldpolitik die Aktienmärkte zu beeinflussen, auch wenn diese ein Faktor bei Zinsentscheidungen sein könnten. „Die Geldpolitik ist nicht der Schwanz, der mit dem Bullen wedelt - oder in diesem Fall mit dem Bären", fügte er unter Anspielung auf die an den Finanzmärkten üblichen Begriffe für Aktienboom und Kursrutsch hinzu. Die Aktienkurse würden von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten der gesamten Volkswirtschaft bestimmt und nicht umgekehrt. So lange die derzeitige Korrektur der Aktienkurse nicht beginne, die Aktionsfähigkeit des Finanzsystems wie im Jahr 1987 zu beeinträchtigen, erfordere sie keine Konsequenzen der Geldpolitik oder andere wirtschaftliche Anpassungen. Die Basis der amerikanischen Wirtschaft sei solide, auch wenn sie derzeit eine Schwächephase durchlaufe, sagte Guynn weiter.

          Nach Einschätzung von Fed-Gouverneur Moskow hat sich die US-Wirtschaft zwar abgeschwächt, befindet sich deshalb aber nicht notwendigerweise in einer Rezession. „Wenn man sich die US-Wirtschaft zurzeit ansieht, ist das Risiko einer Konjunkturschwäche größer als das einer Inflation", sagte Moskow. „Doch das bedeutet nicht notwendigerweise, dass wir in einer Rezession sind. Es bedeutet aber, dass unsere Wirtschaft unter ihrem Potenzial arbeitet", fügte er hinzu. Die Konjunktur werde jedoch im zweiten Halbjahr bereits wieder an Fahrt gewinnen, bekräftigte Moskow die offizielle Einschätzung der US-Notenbank. Der Fed-Präsident von Dallas, Robert McTeer, äußerte sich zurückhaltender über das US-Wachstum im ersten Quartal dieses Jahres: „Es sieht nach einem sehr, sehr langsamen Wachstum aus."

          Börsen hoffen auf Zinsaussage

          Eine offizielle US-Wachstumsschätzung für das erste Quartal liegt derzeit noch nicht vor. Im vierten Quartal vergangenen Jahres war die amerikanische Wirtschaft mit einer Jahresrate von lediglich einem Prozent gewachsen und hatte sich damit drastisch verlangsamt. Die Spekulationen um eine weitere Zinssenkung der Fed hatten sich angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten und der zuletzt starken Kursverluste an der Wall Street wieder verstärkt.

          Die US-Börsen hatten am Dienstag auf breiter Front stark an Boden verloren und sich bis zum Mittwochabend nicht von ihrer Talfahrt erholt. Der Dow Jones-Index notierte am Abend minimal im Plus, nachdem er am Vortag knapp drei Prozent verloren hatte. Der technologielastige Nasdaq-Index setzte seine Talfahrt fort und lag am Abend knapp zwei Prozent im Minus, nachdem er am Dienstag über sechs Prozent eingebüßt hatte.



          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In Verl im Kreis Gütersloh wurde ein Wohnblock abgesperrt und Tests durchgeführt.

          Cluster bei Tönnies : Was wurde aus dem Corona-Ausbruch in Gütersloh?

          Gütersloh war der erste Kreis, in dem wegen eines lokalen Corona-Ausbruchs eine regionale Einschränkung verhängt wurde. Über die Krankheitsverläufe gibt es nun eine Studie. Entwarnung gibt es noch immer nicht.
          In der Kritik: Der neue Awo-Vorstand Steffen Krollmann liegt über Kreuz mit seinem alten Arbeitgeber.

          F.A.Z. exklusiv : Awo-Dienstwagen für den Ehepartner

          Die Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt aus. Der neue Awo-Chef muss sich derweil gegen Vorwürfe seines ehemaligen Arbeitgebers zur Wehr setzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.