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Zinspolitik : Amerikas Notenbank erhöht die Transparenz

Das Gebäude der Fed in Washington DC Bild: AFP

Die amerikanische Notenbank Fed will ihre Entscheidungen transparenter machen. Künftig wird sie die Zinsprognosen der Mitglieder ihres geldpolitischen Ausschusses einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

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          Als erste der großen Zentralbanken in der Welt wird die amerikanische Federal Reserve (Fed) regelmäßig eigene Prognosen über die Entwicklung des Leitzinses vorlegen. Unter ihrem Vorsitzenden Ben Bernanke geht die Fed damit einen weiteren großen Schritt in Richtung Transparenz. Sie hofft, die Wirtschaft so besser steuern zu können. Der Offenmarktausschuss hat sich darauf im Dezember geeinigt. Volkswirten von Geschäftsbanken wird damit das Rätselraten über die Geldpolitik erleichtert. Die Fed folgt mit der Prognose von Zinssätzen den Notenbanken von Neuseeland, Norwegen und Schweden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Fed wird in einer Spanne offenlegen, welche Leitzinssätze die Mitglieder des Offenmarktausschusses am Jahresende und in den Folgejahren für angemessen halten, und über den erwarteten Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung informieren. Seit Dezember 2008 hält sie die „Federal Funds Rate“ nahe null Prozent. Die Erwartungen über die kurzfristigen Zinssätze werden viermal im Jahr zusammen mit den regulären Wachstums- und Inflationsprognosen veröffentlicht, erstmals am 25. Januar. In Erzählform will die Fed über die Gründe der Zinsprognosen und die Erwartungen zur Bilanz der Notenbank berichten. Diese ist mit dem Ankauf von Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren auf 2,9 Billionen Dollar angeschwollen.

          Die Entscheidung fiel im Offenmarktausschuss nicht ohne Einwände. Einige Mitglieder fürchten, die größere Offenheit könne die Öffentlichkeit verwirren. Die Prognosen könnten als bindende Ankündigung eines Zinspfades missverstanden werden. Die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses hielten diese Risiken indessen für „beherrschbar“. Der Ausschuss hat sich noch nicht auf eine Erklärung zu den langfristigen Zielen und der geldpolitischen Strategie der Fed geeinigt. Spekuliert wird, die Fed werde sich damit einem direkten Inflationsziel annähern.

          „Die größere Offenheit ist ein großer Schritt für die Fed“, lobt der Ökonom Marvin Goodfriend von der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh die Entscheidung. Es sei aber unabdingbar, dass die Notenbank die Transparenz über ihre Absichten mit der formalen Erklärung eines Inflationsziels von 2 Prozent begleite. Sonst könne der Schuss nach hinten losgehen. „Transparenz über die Handlungen kann eine Verpflichtung zur niedrigen Inflation nur verstärken, aber nicht ersetzen“, sagt Goodfriend.

          Fed-Chef Bernanke auf einer Pressekonferenz: Einige fürchten, die größere Offenheit verwirre die Öffentlichkeit.

          Bernanke verfolgt mit der größeren Offenheit mehrere Ziele. Gelingt es der Fed, die Zinserwartungen an den Finanzmärkten besser zu lenken, könnte ihre Geldpolitik bei der Steuerung der Wirtschaft effizienter werden, weil Unsicherheit aus dem Markt verschwände. Ferner bietet die Veröffentlichung von Zinsprognosen die Chance, ohne konkrete geldpolitische Lockerung die finanziellen Bedingungen für Investitionen ein wenig zu verbessern. Indem die Fed andeutet, wie lange sie ihre faktische Nullzinspolitik beibehalten will, kann sie – so die Erwartung – die Langfristzinsen weiter drücken.

          Bankvolkswirte bezweifeln, dass das der Wirtschaft derzeit noch viel bringen wird. Die Terminsätze für Geldmarktzinsen zeigten schon jetzt, dass eine Abkehr von der Nullzinspolitik frühestens am Jahresende 2013 erwartet wird. „Wenn die Fed die Geldpolitik lockern will, muss sie noch mehr Staatsanleihen oder Hypotheken ankaufen“, sagt Harm Bandholz, der Amerika-Volkswirt der Bank Unicredit.

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