https://www.faz.net/-gqe-94f48

BIZ-Bericht : Was, wenn Zinserhöhungen gar nicht wirken?

Die BIZ in Basel. Bild: Reuters

Notenbanken straffen ihre Geldpolitik. Doch in der Praxis steigen die Zinsen nicht richtig. Die Bank der Zentralbanken fragt: Was ist da los?

          Die amerikanische Notenbank Fed erhöht den Leitzins und verkauft ihre zuvor erworbenen Anleihen. Doch die Maßnahmen zur Straffung lassen die Finanzmärkte kalt: Statt steigender Zinskonditionen haben sich zum Beispiel die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen gelockert. Das beunruhigt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem am Sonntag veröffentlichten Quartalsbericht. Die in Basel ansässige „Bank der Zentralbanken“, die für Notenbanken Devisenreserven verwaltet und zudem als wirtschaftswissenschaftliche Denkfabrik dient, bezeichnet die Entwicklung als „Straffungsparadox“.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, Claudio Borio, stellt die geldpolitische Straffung der Fed in Frage, weil sie an den Märkten verpufft ist. Für Borio sind die Finanzierungskonditionen an den Märkten aber der wichtigste Übertragungsweg geldpolitischer Maßnahmen. „Kann man eine Straffung als wirksam ansehen, wenn die Finanzierungsbedingungen ganz offensichtlich lockerer werden?“ Lautet die Antwort nein, dann stellt sich für Borio die Frage, was die Zentralbanken tun sollten.

          Sind die Vermögenspreise zu hoch?

          Die Volkswirte der BIZ verweisen in diesem Zusammenhang auf die weiterhin bestehenden Bedenken hinsichtlich überbewerteter Vermögenspreise, wie sie immer wieder an den Aktien- und Immobilienmärkten befürchtet werden. In ihrem Quartalsbericht nennen sie die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank von Japan als einen Grund für die in der ganzen Welt günstigen Finanzierungsbedingungen, obwohl die Fed als Anbieter der wichtigsten Währung, des Dollars, die geldpolitischen Zügel gestrafft hat.

          Borio sieht eine weitere Ursache in der Vorhersehbarkeit geldpolitischer Maßnahmen. Die Zentralbanken bereiteten die Märkte gezielt darauf vor und gäben ihnen die Sicherheit, dass die Zinsanhebungen oder der Abbau der Bilanzen langsam und schrittweise voranschreite. Die Marktteilnehmer gingen dann davon aus, dass die straffere Geldpolitik die Konjunktur nicht zu stark bremse oder Turbulenzen an den Börsen auslöse. Diese Gewissheit erhöhe die Risikobereitschaft der Anleger und bewirke geringere Risikoprämien. Die Fragen nach Handlungsspielräumen der Zentralbanken werden laut Borio „in einer Zeit, in der graduelles Vorgehen und Vorhersehbarkeit zur Norm werden, an Dringlichkeit zunehmen“.

          Weil die Straffung noch nicht begonnen habe, bestünden die Schwachstellen aufgrund der ungewöhnlich langen Phase extrem niedriger Zinsen unverändert fort. Im Quartalsbericht werden hohe Schuldenstände ebenso wie zu ambitionierte Kursbewertungen als Risiken für die Weltwirtschaft genannt. Die kurzfristige Ruhe könne zum Preis langfristiger Turbulenzen erkauft werden, befürchtet Borio.

          Weitere Themen

          Fed am Wendepunkt

          Zinssenkung erwartet : Fed am Wendepunkt

          Alle rechnen heute Abend mit einer Zinssenkung der amerikanischen Notenbank. Mit Spannung erwarten sie die Lageeinschätzung des Präsidenten Jerome Powell. Der allerdings steht unter Druck – Trump wirft ihm Ahnungslosigkeit vor.

          Alles auf Wiederaufbau Video-Seite öffnen

          Ölkonzern in Saudi-Arabien : Alles auf Wiederaufbau

          Der Ölkonzern Saudi Aramco will die Produktion in Churais nach den Drohnenangriffen bis Monatsende wieder voll aufnehmen. Rund um die Uhr arbeiten Mitarbeiter am Wiederaufbau.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.
          Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

          Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

          Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.